Wirtschaftliche Auswirkungen der Schweinegrippe

München, 27.10.2009 - Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Neuen Grippe werden deutlich geringer ausfallen als von vielen zunächst befürchtet. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Allianz und des Rheinisch Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Da der Krankheitsverlauf der Schweinegrippe milder ausfällt als der der Vogelgrippe seinerzeit, prognostiziert das RWI ein gesamtwirtschaftliches Minus von 1,6 Prozent im schlimmsten Fall, 0,8 Prozent im mittleren und 0,4 im leichten Szenario.

Im Vergleich lag der Einschnitt bei der Vogelgrippe hierzulande mehr als doppelt so hoch. "Tatsache ist, dass die Unternehmen in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage weniger unter der Neuen Grippe leiden als im Boom", erklärt Prof. Dr. Christoph Schmidt, Präsident des RWI. "In Krisenzeiten haben die Unternehmen weniger Aufträge. Wenn Teile der Belegschaft krank werden, fällt das weniger ins Gewicht. Läuft die Produktion dagegen auf vollen Touren, schlägt sich ein hoher Krankenstand deutlich stärker auf die Umsätze durch." Dennoch wären gewisse Branchen stärker betroffen als andere. Dazu zählten vor allem Transport, Gastgewerbe und Kultur. Einzig die Gesundheitsbranche würde ein Plus verzeichnen.

Mit Gegenmaßnahmen Pandemiekosten senken

Für die Volkswirtschaften entstehen unabhängig davon, ob eine Pandemie überhaupt ausbricht und wie schwer sie verläuft, bereits erhebliche Kosten durch die Vorbereitung auf den Ernstfall. Doch die Investitionen in die Ausbreitung und Erprobung von Pandemieplänen, die Ausgaben für die Vorratshaltung von Grippemitteln oder die Herstellung von Impfmitteln werden nicht nur als notwendig, sondern auch als ökonomisch sinnvoll erachtet. Diese Maßnahmen trügen dazu bei, die Seuche einzudämmen.

So würde laut RWI eine landesweite Impfung die Erkrankungsrate deutlich reduzieren und die negativen Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf -0,2 Prozent (von -0,4) im leichten und auf -0,8 (von -1,6) im schweren Szenario abschwächen. "In diesem Sinne folgen wir der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Denn wenn sich genügend Bürger gegen H1N1 impfen lassen, wird dies nicht nur die Ausbreitung dieser Infektionen eindämmen, es wird auch längerfristig die Grundimmunität der Bevölkerung positiv beeinflussen", sagt Wilfried Johannßen, Vorstandsmitglied der Allianz Privaten Krankenversicherung.

Notfallplanung: Engpässe bei Krankenversorgung zu erwarten

Selbst wenn die Notfallplanung in Deutschland seit der Vogelgrippe vor drei Jahren stark verbessert wurde, sind noch Lücken gerade bei der betrieblichen Notfallplanung und der Krankenversorgung zu verzeichnen. "Die Allianz ist - wie die meisten DAX Unternehmen - mit einem umfassenden Pandemieplan gut aufgestellt", sagt Johannßen. Durchschnittlich könne in Deutschland aber nur jeder zweite Betrieb auf einen Pandemieplan zurückgreifen. Bei mittelständischen Unternehmen sogar nur jedes zehnte. Auch die Krankenhäuser seien nicht alle gut auf den Ernstfall vorbereitet.

"Wir müssen damit rechnen, dass es bei der zweiten Welle dieser Pandemie zu Engpässen in der krankenhäuslichen Versorgung kommt, insbesondere bei Beatmungsplätzen und Intensivbetten, aber auch auf der Personalseite", erläutert Dr. Sebastian Krolop, Geschäftsführer der ADMED GmbH. Das RWI und die ADMED rechnen bei einer Erkrankungsrate von 15 Prozent mit rund 45.000 fehlenden Intensivbetten und Beatmungsplätzen. Bei einem schweren Verlauf mit einer Erkrankungsrate von 50 Prozent, würde diese Zahl auf 180.000 klettern. Die Zahl der normalen Krankenhausbetten würde ebenfalls nicht ausreichen.

Vorbehalt bei Zukunftsaussagen: Diese Aussagen stehen unter dem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen der Allainz AG.