Berufsunfähigkeit: Achtung vor gefährlichen Billig-Policen

Der Großteil der Beschäftigten glaubt, im Falle einer Berufsunfähigkeit genügend durch den Staat abgesichert zu sein. Dies ist jedoch leider ein Trugschluss. Dabei scheiden circa 17 Prozent aller Rentner mit einer Erwerbsminderungsrente aus dem Erwerbsleben aus, 90 Prozent davon mit einer vollen Erwerbsminderung. In der seit 2001 geltenden Regelung gelten Personen als erwerbsgemindert, die am Tag keine 6 Stunden mehr arbeiten können. Konkret bedeutet dies, eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung  gibt es dann, wenn eine Person auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, unabhängig vom erlernten Beruf, nur noch drei bis unter sechs Stunden täglich beschäftigt sein kann. Damit eine Rente wegen voller Erwerbsminderung gezahlt wird, muss die Erwerbsfähigkeit derart eingeschränkt ist, dass weniger als drei Stunden täglich gearbeitet werden kann. Zudem gilt die Abstrakte Verweisung, dass heißt, kann irgendeine Arbeit ausgeführt werden, so liegt keine Erwerbsminderung vor, dabei ist jede Verweisung möglich, ein sozialer Abstieg irrelevant.

Im Jahre 2010 gingen etwa 362 Tausend Anträge auf Erwerbsminderungsrente bei der Deutschen Rentenversicherung ein, die Hälfte davon wurde bewilligt, die andere Hälfte, meist aus medizinischen Gründen, abgelehnt. Dabei gibt es die Möglichkeit, die Berufsunfähigkeit über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzusichern. Doch nur jeder vierte Deutsche kann eine derartige Absicherung vorweisen. Problematisch wird es für denjenigen, der Vorerkrankungen hat, der Antrag wird dann entweder abgelehnt oder der Versicherer verlangt hohe Prämienzuschläge. Ein weiteres Problem sind die Beiträge, die vielen als zu hoch erscheinen, und daher lieber erstmal auf die BU-Versicherung verzichten. Dabei sind die Beiträge, wenn sie mit anderen Versicherungen – insbesondere mit der Autoversicherung – verglichen werden, eigentlich gar nicht so hoch. Aber bei der Absicherung des liebsten Kindes der Deutschen, wird nicht so genau hingeschaut. Das Auto muss ja versichert sein, während die eigene Absicherung bzw. die Sicherung der Familie durch Berufsunfähigkeits-, Unfall- oder Risikoversicherung hinten angestellt wird.

Neuerdings bieten einige Versicherer günstigere Alternativen ohne große Gesundheitsprüfung an. Aber aufgepasst, es handelt sich dabei um Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, die erst dann zahlen, wenn der Versicherte gar keine Arbeit mehr ausüben kann. Im Gegensatz dazu zahlen Berufsunfähigkeitsversicherung auch dann, wenn der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

Vergleich privater Berufsunfähigkeitsversicherungen     

Was sollte die private Berufsunfähigkeitsversicherung leisten

Je früher die Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wird, umso günstiger ist sie. Denn die Beiträge steigen für die vorab festgelegte Rente in den Folgejahren nicht an, wenn keine dynamische Entwicklung vereinbart wurde. Je älter man beim Einstieg ist, je höher der Beitrag. Daher sollten Eltern darüber nachdenken, ihre Kinder bereits als Schüler, Auszubildende oder Studenten zu versichern. Zudem haben jüngere Menschen meist keine Vorerkrankungen, die den Versicherungsschutz gefährden könnten.

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte die vereinbarte Rente dann mindestens 75 Prozent des alten Einkommens erreichen. Die Rentenhöhe ist natürlich abhängig von der eigenen wirtschaftlichen und familiären Situation, der oben genannte Wert dient daher lediglich als Richtschnur. Für Kinder in Ausbildung und auch Hausfrauen begrenzen die Versicherer die Rente beispielsweise auf 750 oder 1000 Euro.

Dynamik

Sinnvoll ist der Einschluss einer Dynamik, um den über die Jahre steigenden Lebensstandard halten zu können. Regelmäßig lässt sich der jährlichen Dynamik von Beitrag und Rente widersprechen, nach dreimaligem aufeinanderfolgendem Widerspruch schließt der Versicherer die Dynamik dann vollständig aus. Um sich die Dynamik zu erhalten, also der Erhöhung der Leistungen ohne Gesundheitsprüfung, kann daher überlegt werden, alle ein oder zwei Jahre zu widersprechen, die Dynamik bliebe erhalten und die Erhöhung der Beiträge hat man selbst im Griff.

Nachversicherungsgarantie

Wichtig wäre, dass der Tarif die Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung bei bestimmten Ereignissen zulässt. So beispielsweise nach der Hochzeit, der Geburt eines Kindes oder einer Gehaltserhöhung. Die Ansprüche steigen und damit auch der Bedarf an Rente.

Die Frage nach der Laufzeit

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollte bis zum voraussichtlichen Rentenbeginn laufen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass zwischen dem Vertragsende und dem Beginn der Altersrente eine Lücke entsteht. Diese müsste dann aus eigenen Ersparnissen gedeckt werden.

Abstrakte Verweisung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dann, wenn der Versicherte in seinem zur Zeit ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann. Wichtig: Die Abstrakte Verweisung sollte ausgeschlossen sein. Ansonsten wird der Versicherer von seiner Leistungspflicht befreit, wenn der Versicherte  auf einen anderen Beruf ( z. B. als Nachtwächter) verwiesen werden kann. Diese Klausel sollte nicht in den Vertragsbedingungen stehen.

Rückwirkende Zahlung

Weiterhin wichtig ist, dass die Berufsunfähigkeit bereits dann anerkennt wird, wenn ein Arzt sie für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert, denn längerfristige Prognosen sind meist schwer zu stellen. Auch die rückwirkende Zahlung der Rente sollte im Tarifwerk vereinbart sein, und zwar für den Fall, dass die Berufsunfähigkeit zunächst nicht eindeutig vorhergesehen werden konnte, und der Arzt sie erst nach mehr als sechs Monaten feststellt. Gute Versicherer sehen eine rückwirkende Zahlung von bis zu drei Jahren vor.

Dienstunfähigkeitsversicherung und     
Berufsunfähigkeitsversicherung der HUK-Coburg   

Was ist beim Abschluss des Vertrags zu beachten

Wer einen Antrag auf Berufsunfähigkeitsversicherung stellt, sollte die Fragen zum Gesundheitszustand und zu Krankheiten wahrheitsgemäß beantworten. Denn ansonsten riskiert man den Versicherungsschutz zu verlieren. Tritt der Leistungsfall ein, prüft der Versicherer nämlich immer, ob Vorerkrankung vor Vertragsschluss vorgelegen haben, die nicht angegeben wurden und die eventuell zur Ablehnung des Antrags oder zu höheren Beiträgen geführt hätten.

Der Leistungsfall selbst sollte dem Versicherer schnellstmöglich gemeldet werden, und zwar unter Angabe der Gründe und von Arztberichten. Regelmäßig werden Gutachter beauftragt, die den Versicherten nochmals untersuchen. Dieser Nachuntersuchung kann er sich ohne triftige Gründe nicht entziehen.