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Wohngebäudeversicherung

Wer braucht eine Wohngebäudeversicherung?

Wenn Sie ein Haus besitzen, ist eine Wohngebäudeversicherung unabdingbar. Meist wird diese bei der ersten Finanzierung bereits von Ihrem Geldinstitut verlangt.

Was ist versichert?

Vertragsgrundlage für die Wohngebäudeversicherung sind die VGB (Verbundene Gebäudeversicherungs-Bedingungen). Das Jahr, in dem die AVB aufgelegt wurden, ist an der Zahl hinter der Abkürzung abzulesen. So existieren beispielsweise die VGB 96, die VGB 2000 und die VGB 2010. Die Bezeichnung "Verbundene"-Bedingungen bringt zum Ausdruck, dass mehrere Gefahrengruppen in der Wohngebäudeversicherung zusammengefasst sind, nämlich:

  1. Brand / Blitzschlag /Überspannung durch Blitz /Explosion / Implosion / Luftfahrzeuge
     
  2. Leistungswasser

  3. Naturgefahren

    1. Sturm / Hagel

    2. weitere Elementargefahren

 

Die genannten Gefahrengruppen können einzeln versichert werden, lediglich die weiteren Elementargefahren unter b. sind ausschließlich in Verbindung mit einer weiteren Gefahr nach A. bis C. versicherbar.

Die VGB bieten demnach eine Grunddeckung für typische Gefahren, die durch Klauseln auf andere Risiken erweitert werden können. Die VGB sind auch auf Gebäude anwendbar, die sowohl Wohnzwecken dienen als auch gewerblich genutzt werden. Vorgesetzt, der Anteil der Wohnfläche ist nicht geringer als 50 %.

Versichert sind das Gebäude, seine Bestandteile sowie Zubehör, so weit es zu Wohnzwecken bzw. zur Instandhaltung des Wohnhauses genutzt wird. In den VGB sind die versicherten Gebäudebestandteile im Einzelnen nicht beschrieben. Es sind dies jedoch wesentliche Bauteile, die vom Gebäude nicht getrennt werden können. Als Beispiele für Gebäudebestandteile können aufgeführt werden: Türen, Fenster, Balkone, Tapeten und Antennenanlagen aber auch Einbaumöbel und Einbauküchen. Zubehör muss sich im Gebäude befinden oder außen an dem Gebäude angebracht sein. Zum mitversicherten Zubehör zählen beispielsweise Werkzeuge, Pflanzkübel am Balkongeländer, Müllboxen, Klingelanlagen, Briefkästen und die Heizölvorräte im Kellertank. Der Heizölvorrat in einem außen liegenden Erdtank wäre nicht versichert. Auch gewerblich genutztes Gebäudezubehör, beispielsweise eine Leuchtreklame, gehört zu den Ausschlüssen. Gegen besondere Vereinbarung und Beitragszuschlag ist jedoch auch weiteres Zubehör versicherbar. So etwa gewerblich genutztes Zubehör, Zäune, Hundehütten oder unbedeutende Nebengebäude (Geräteschuppen, etc.).

Von einem Mieter auf eigene Kosten in das Gebäude eingefügte Sachen sind ebenfalls nicht versichert. Diese sind über eine vom Mieter abzuschließende Hausratversicherung zu versichern. Hierzu zählen beispielsweise eine vom Mieter installierte Satellitenanlage oder Massivholztüren, die gegen einfache Türen ausgetauscht wurden.

Tipp Mit der Wohngebäudeversicherung kann für im Bau befindliche Gebäude eine Rohbauversicherung gegen Brand, Blitzschlag und Explosion vereinbart werden. Diese bietet Schutz vom Baubeginn bis zur Bezugsfertigkeit. Versichert sind der Rohbau sowie auf dem Grundstück befindliche Baustoffe und -teile. Die Rohbauversicherung wird je nach Versicherer 6 bis 12 Monate beitragsfrei gewährt, bis diese bei Bezugsfertigkeit in die reguläre Wohngebäudeversicherung übergeht.

 


Was ist nicht versichert?

Es ist nicht nur wichtig zu wissen, welche Gefahren die Wohngebäudeversicherung absichert, sondern auch welche Ausschlüsse die VGB vorsehen. Grundsätzlich nicht versichert sind das vorsätzliche oder grob fahrlässige Verhalten des Versicherungsnehmers. Des Weiteren Schäden durch Kriegsereignisse jeder Art, innere Unruhe, Erdbeben oder Kernenergie. Erdbeben kann jedoch als Elementarschaden gegen Mehrbeitrag mitversichert werden.

Bei den versicherten Gefahren Brand / Blitzschlag / Explosion / Implosion sind ausgeschlossen:

  • Nutzwärmeschäden
    Nutzwärmeschäden sind beispielsweise Schäden durch Ruß an der Tapete oder Wand durch einen Ölofen. Durch Vereinbarung können diese Schäden jedoch eingeschlossen werden.

     
  • Sengschäden
    Sengschäden, die etwa durch Funkenflug aus einem offenen Kamin oder durch Zigarettenglut auf Möbel oder Teppich entstehen.

     
  • Kurzschluss- und Überspannungsschäden, wenn der Blitz außerhalb des Gebäudes einschlägt
    Diese Schäden sind in einigen neueren VGB mit begrenzter Entschädigung eingeschlossen und können gegen Mehrbeitrag auch höher versichert werden.

Ausgeschlossen bei den versicherten Gefahren Leitungswasser, Rohrbruch, Frost, Sturm und Hagel sind Schäden, die vor Bezugsfertigkeit des Hauses oder bei Umbauarbeiten entstehen. Wird durch Sturm beispielsweise das noch nicht fertig gestellte Dach abdeckt, wird der Schaden nicht ersetzt.

Ausschlüsse bei der versicherten Gefahr Leitungswasser sind:

  • Plansch- oder Reinigungswasser
    Hierunter fällt beispielsweise der umgekippte Putzeimer, der Schäden am Teppichboden verursacht.

     
  • Grundwasser, Hochwasser, Witterungsniederschläge oder hierdurch verursachter Rückstau
    Aufsteigendes Grundwasser durch heftigen Regen etwa ist ausgeschlossen.

     
  • Öffnen der Sprinkler bei Brand oder bei Reparaturarbeiten an der Sprinkleranlage
    Öffnet sich bei Reparaturarbeiten ein Sprinkler sind die entstehenden Schäden nicht versichert.

     
  • Erdfall oder Erdrutsch
    Diese Gefahren sind über eine Elementarschadenversicherung abzudecken. Ist Leitungswasser jedoch Ursache für den Erdrutsch, sind die entstehenden Schäden gedeckt.

     
  • Schwamm
    Schwammbildung durch stete Mauerfeuchtigkeit ist ausgeschlossen.

Bei der versicherten Gefahr Rohrbruch sind ausgeschlossen:

  • Erdfall und Erdrutsch
    Auch hier sind diese Gefahren über eine Elementarschadenversicherung abzudecken. Ist Leitungswasser jedoch Ursache für den Erdrutsch, sind die entstehenden Schäden gedeckt.

Ausschlüsse bei den versicherten Gefahren Sturm und Hagel sind:

  • Sturmflut, Lawinen und Schneedruck
    Diese Gefahren sind über eine Elementarschadenversicherung abzudecken.

     
  • Eindringen von Regel, Hagel, Schnee oder Schmutz durch nicht ordnungsgemäß geschlossene Fenster, Außentüren oder andere Öffnungen
    Dringt Regen beispielsweise in ein in Kippstellung befindliches Fenster ein, sind die entstandenen Schäden nicht gedeckt.

 

 


Gegen welche Gefahren sind Sie versichert?

Die in der Wohngebäudeversicherung versicherten Gefahren werden im Folgenden erläutert:

  • Brand
    Definitionsgemäß ist ein "Brand ein Feuer, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und das sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag".
    Bei der versicherten Gefahr Brand muss es sich also um ein Feuer handeln. Ein Feuer ist gekennzeichnet durch einen Verbrennungsvorgang mit Lichterscheinung, wobei diese durch eine offene Flamme, Glühen oder Glimmen erzeugt wird. Entstanden sein kann das Feuer beispielsweise als Folge eines Kurzschlusses oder durch Brandstiftung aber auch durch spielende Kinder, die mit Streichhölzern das Haus entzünden, oder durch brennende Holzstücke aus einem offenen Kamin. Des Weiteren wird gefordert, dass sich das Feuer aus eigener Kraft ausbreitet. Das heißt, das Feuer muss eine gewisse Intensität aufweisen und sich vom Entstehungsherd aus eigener Kraft auf weitere Gegenstände ausweiten. Wird durch Funkenflug aus einem offenen Kamin der Teppichboden nur minimal geschädigt, ist dieser Schaden durch die Wohngebäudeversicherung nicht gedeckt. Ebenfalls nicht gedeckt wäre der Brandfleck an einem Tisch, der durch eine umgefallene Kerze entstanden ist.

     
  • Blitzschlag
    Unter "Blitzschlag wird das unmittelbare Auftreffen eines Blitzes auf Sachen" verstanden. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Blitz in das Wohnhaus selbst oder in eine andere Sache einschlägt und als Folge daraus das Wohnhaus beschädigt wird. Kurzschluss- oder Überspannungsschäden durch Blitzschlag sind nur dann versichert, wenn der Blitz das versicherte Gebäude direkt trifft. Ansonsten sind Überspannungsschäden entweder ausgeschlossen oder bei einigen Versicherern bis zu einer bestimmten Entschädigungsgrenze mitversichert. Diese Schäden können jedoch gegen Mehrbeitrag zusätzlich mitversichert bzw. höher versichert werden.

     
  • Explosion
    Eine „Explosion ist eine auf dem Ausdehnungsbestreben von Gasen oder Dämpfen entstehende plötzliche Kraftäußerung“. Explosionen entstehen beispielsweise durch direkte Zündung von brennbaren Gasen (Erdgas) oder durch komprimierte Gase in Behältern, die durch Überdruck explodieren (Spraydosen, Einmachgläser Getränkeflaschen). Implosionen, die gelegentlich an Fernsehbildröhren auftreten, sind ausgeschlossen, werden jedoch neuerdings von einigen Versicherern mitversichert.

     
  • Implosion
    Implosionsschäden werden erst durch wenige Versicherer übernommen und erst in den neueren Versicherungsbedingungen aufgeführt. Eine Implosion wird definiert als "eine plötzliche Zerstörung eines Hohlkörpers durch äußeren Überdruck infolge eines innereren Unterdrucks". Implodieren kann beispielsweise die Bildröhre eines Fernsehgerätes. Wohngebäudeversicherungen die nur Explosionsschäden decken, würden also Schäden die durch implodierende Fernsehgeräte entstehen nicht übernehmen.

     
  • Flugkörper
    Auch bei Absturz von Flugkörpern und deren Aufprall auf das Gebäude leistet der Versicherer. Flugkörper könnten beispielsweise das Rad eines Flugzeuges aber auch eine Rakete oder ein Satellit sein.

     
  • Leitungswasser
    Leitungswasser ist Wasser, das aus
    1. Zu- oder Ableitungsrohren der Wasserversorgung,
    2. Zu- oder Ableitungsrohren der Wasserversorgung,
    3. Anlagen der Warmwasser- oder Dampfheizung,
    4. Sprinkler- oder Berieselungsanlagen,
    5. Einrichtungen von Klima-, Wärmepumpen oder Solarheizungsanlagen
    bestimmungswidrig ausgetreten ist.

    HinweisWasserdampf sowie die wärmetragenden Flüssigkeiten der unter e. genannten Anlagen stehen dem Wasser gleich.
    Rohrbrüche, Undichtigkeiten eines Abwasserrohres oder das Platzen des Schlauches einer Waschmaschine sind also ebenso versichert wie die Unachtsamkeit eines Gastes, der Waschbecken oder Badewanne überlaufen lässt. Nicht versichert sind Schäden, die durch bestimmungswidrig austretendes Wasser aus Aquarien, Wasserbetten, Eimern oder Blumenvasen entstehen. Schäden durch Aquarienwasser können jedoch gegen Mehrbeitrag mitversichert werden.

     

  • Rohrbruch und Frost
    Bestimmte Schäden, die durch Rohrbruch oder Frost entstehen können, sind versichert. Hier ist es unerheblich, ob dadurch ein Leitungswasserschaden eingetreten ist oder nicht. Die Versicherungsbedingungen unterscheiden Schäden die innerhalb oder außerhalb des Gebäudes auftreten können. Versichert gegen Frost- und sonstige Bruchschäden an Rohren innerhalb des Gebäudes sind die bereits unter Leitungswasser genannten Einrichtungen. Des Weiteren gegen Frost auch Badeinrichtungen, wie beispielsweise Waschbecken, Wasserhähne und Spülklosetts ebenso Heizkörper, Heizkessel oder Boiler. Ebenfalls versichert sind Zuleitungsrohre der Wasserversorgung, die sich außerhalb des Gebäudes aber innerhalb des Grundstücks befinden. Gegen Mehrbeitrag mitversicherbar sind Wasserzuleitungs- und Heizungsrohre, die auf dem Grundstück verlegt sind, aber nicht der Versorgung dienen. Hierzu zählen beispielsweise die Wasserzuleitung zum Gartenteich oder die Heizung für ein Schwimmbecken oder ein Gewächshaus.

    HinweisIn Gemeinden, in denen der Hauseigentümer selbst für die Instandhaltung der Einrichtungen zur Wasserversorgung und Wasserentsorgung verantwortlich sind, können Schäden die an Wasserzuleitungsrohren, die außerhalb des Grundstücks verlegt sind bzw. an Ableitungsrohren, die auf dem Grundstück verlegt sind, gegen Mehrbeitrag mitversichert werden.

     

  • Sturm und Hagel
    Definiert wird „Sturm als eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8“. Die Windstärke wird nach der Beaufort-Skala bemessen, die Windstärke 8 als stürmischen Wind mit einer Windgeschwindigkeit von mindestens 62 km/h ausweist. Erst Windstärke 9 wird als Sturm bezeichnet. Der Schaden muss auf einem wetterbedingten Sturm beruhen, Luftbewegungen, die durch eine Explosion in der Nähe oder durch Durchzug im Gebäude entstehen, fallen nicht unter diesen Gefahrenbegriff. In erster Linie bedient sich der Versicherer der Wetterämter zur Feststellung, ob im betroffenen Gebiet die erforderliche Windstärke geherrscht hat. Liegen Daten der Wetterämter nicht vor, haben Sie als Versicherungsnehmer die Nachweispflicht. Sie können dies tun, indem Sie auf Schäden an Gebäuden oder anderen widerstandsfähigen Sachen (Bäume, etc.) in Ihrer Nähe hinweisen. Oder aber nachweisen, dass der Schaden wegen des einwandfreien Zustandes des Wohnhauses nur durch den Sturm verursacht werden konnte. Der versicherte Schaden muss durch unmittelbare Einwirkung des Sturmes entstanden sein, oder der Sturm muss Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände auf die versicherten Sachen geworfen haben.

    HinweisSo kann beispielsweise die Dachantenne durch den Sturm geknickt worden sein oder ein abgebrochener Ast wird gegen die Balkontüre geworfen und zerbricht diese. Der Wasserschaden am Fussboden, der durch eindringenden Regen entsteht wäre als direkter Folgeschaden ebenfalls gedeckt. Schäden durch Hagel sind bedingungsgemäß mitversichert, die Windstärke spielt dabei keine Rolle.

     

 

 

 


 

Welche weiteren Kosten sind im Versicherungsschutz enthalten?

HinweisNeben den genannten versicherten Schäden sind auch weitere Kosten, die entstehen können, im Versicherungsschutz enthalten. Die VGB nennen hier Aufräumungs- und Abbruchkosten, Bewegungs- und Schutzkosten sowie Schadenabwendungs- und -minderungskosten. Die Kosten für Aufräumen und Abbruch werden für die versicherten Sachen ersetzt, beispielsweise der Abbruch einer Einsturz gefährdeten Wand und der Abtransport der Teile zum nächsten Ablagerungsplatz.

Nicht ersetzt wird aber die Beseitigung eines durch Sturm umgestürzten Baumes. Müssen etwa Teile der Wohnungseinrichtung während notwendig gewordener Umbauarbeiten ausgelagert werden, sind die dabei entstehenden Kosten auch gedeckt. Ebenfalls versichert sind Kosten, die Sie zur Schadenabwendung aufwenden, auch dann, wenn die Maßnahme erfolglos bleibt. So decken Sie beispielsweise nach einem Sturm das beschädigte Dach mit einer Plane ab, die Plane zerreisst jedoch und Regen kann dennoch eindringen.

Ist das Wohnhaus nach einem Versicherungsfall unbewohnbar geworden, das heißt, es kann Ihnen nicht zugemutet werden nur einen Teil zu Wohnzwecken zu nutzen, ersetzt Ihnen der Versicherer den ortsüblichen Mietwert. Auch Mietausfälle, die entstehen, wenn Ihr Mieter berechtigterweise die Zahlung der Miete ganz oder teilweise verweigert, werden anerkannt.

Mietwert bzw. Mietausfall werden jedoch höchstens für 12 Monate (in neueren VGB bis 18 Monate) nach Eintritt des Versicherungsfalls gezahlt unter der Voraussetzung, dass es sich nicht um gewerblich genutzte Räume handelt.

Die gewerbliche Nutzung muss gesondert vereinbart werden.

 

 

 


 

Versicherungswert und Versicherungssumme 1914

In der Regel wird in der Wohngebäudeversicherung das System der gleitenden Neuwertversicherung angewandt, alternativ kann jedoch auch die Versicherung nach dem Neuwert oder Zeitwert vorgenommen werden.

  • Versicherung zum Neuwert oder Zeitwert
    Unter Neuwert wird der ortsübliche Neubauwert des Gebäudes verstanden. Architektengebühren sowie sonstige Konstruktions- und Planungskosten gehören dazu.
    Der Neubauwert abzüglich der Wertminderung für Alter und Abnutzung ergibt den Zeitwert.
    Die Versicherungssumme ist von Ihnen als Versicherungsnehmer festzusetzen. Da die vereinbarte Versicherungssumme dem Versicherungswert unmittelbar vor Eintritt des Schadenfalles entsprechen soll, müssen Sie die Versicherungssumme während der Laufzeit entsprechend anpassen und dem Versicherer mitteilen. Ansonsten könnte leicht eine Unterversicherung entstehen, insbesondere dann, wenn Sie Um- oder Ausbauten am Gebäude vorgenommen haben.

     
  • Gleitende Neuwertversicherung
    Eine Unterversicherung ist bei der gleitenden Neuwertversicherung nicht möglich, vorausgesetzt der Versicherungswert 1914 wurde korrekt bestimmt. Dieser ist der ortsübliche Neubauwert des Gebäudes entsprechend seiner Größe, Ausstattung und Ausbaus ausgedrückt in den Preisen des Jahres 1914. Auch hierzu gehören Architektengebühren sowie sonstige Konstruktions- und Planungskosten. Nehmen Sie während der Vertragslaufzeit Aus- oder Umbauten bzw. Wertverbesserungen vor, sollten Sie dies Ihrem Versicherer mitteilen, damit der Versicherungswert 1914 neu bestimmt werden kann und somit auch weiterhin ausreichend Versicherungsschutz besteht.

Exkurs: Das Jahr 1914 wurde deshalb zum Basisjahr gemacht, weil dieses das letzte Jahr mit annähernd stabilen Baupreisen war. Mit Beginn des ersten Weltkrieges stiegen die Baupreise enorm an und die Versicherer gingen dazu über, ihre Beiträge an die Baupreisentwicklung anzupassen. Dieses Prinzip ist bis heute erhalten geblieben.

Der Versicherungswert 1914 sowie der gleitende Neuwertfaktor bilden dann die Grundlage für die gleitende Neuwertversicherung. Der zu zahlende Jahresbeitrag ergibt sich aus der Multiplikation der vereinbarten Versicherungssumme 1914 mit dem regional gestaffelten Beitragssatz 1914 und dem gültigen gleitenden Neuwertfaktor.

 

 

 


 

Ermittlung der Versicherungssumme 1914

Zur Ermittlung der Versicherungssumme 1914 sehen die VGB drei mögliche Alternativen vor.

Erstens durch anerkannte Schätzung eines Bausachverständigen, der die Versicherungssumme 1914 ermittelt. Die Kosten für das Gutachten haben Sie als Versicherungsnehmer zu tragen.

Zweitens durch Angabe des Neubauwertes in Preisen eines anderen Jahres. Der Versicherer ermittelt dann aus dem Neubauwert und dem vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten durchschnittlichen Baupreisindex des angegebenen Jahres die Versicherungssumme 1914.

Drittens durch korrekte Beantwortung der Antragsfragen nach Größe, Ausbau und Ausstattung. Korrekt zu beantworten sind:

  1. Angaben zur Wohnfläche
    Anzugeben ist die Grundfläche in Quadratmetern der zu Wohnzwecken genutzten Räume einschließlich der Hobbyräume. Nicht eingerechnet werden Speicher- und Kellerräume, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden, Treppen, Balkone, Loggien und Terrassen. Zudem ist die Anzahl der Garagen oder Carports anzugeben, die sich außerhalb des Wohngebäudes befinden.

     
  2. Angaben zum Gebäudetyp
    Hier geben Sie an, ob es sich um ein ein- oder zweigeschossiges Gebäude handelt, ob das Dachgeschoss ausgebaut ist oder nicht bzw. ob das Gebäude ein Flachdach besitzt, des Weiteren ob das Haus unterkellert ist.

     
  3. Angaben zu den Ausstattungsmerkmalen
    Hier sind Angaben zu anspruchsvollen bzw. einfachen Bauausstattungen zu machen, aus denen Korrekturwerte ermittelt werden, die zu Nachlässen oder Zuschlägen führen. Zu den anspruchsvollen Bauausführungen zählen beispielsweise Dachbeläge aus Naturschiefer, Stuckdecken, hochwertige Parkettfußböden, Edelholztüren oder eine Fußbodenheizung im Wohnzimmer. Zu einer einfachen Bauausstattung zählen PVC-Fußböden auf Estrich, Einzelöfen oder eine Einfachverglasung.

Die Ermittlung der Versicherungssumme 1914 können Sie anhand des hier aufrufbaren Berechnungsbogens vornehmen. Es werden übliche Berechnungsfaktoren zugrunde gelegt, die jedoch von Versicherer zu Versicherer differieren können.

Unter der Voraussetzung, dass Sie die Angaben zum Gebäude auf eine der genannten Weisen korrekt vorgenommen haben, verzichtet der Versicherer zur Einrede auf Unterversicherung.

 

 

 


 

Was passiert, wenn Sie ein versichertes Gebäude verkaufen, kaufen oder erben?

Bei einem Eigentumswechsel durch Kauf, Erbfolge oder auch Zwangsversteigerung tritt der neue Eigentümer mit allen Rechten und Pflichten in die bestehende Wohngebäudeversicherung ein.

Der Eigentumsübergang wird durch Eintrag ins Grundbuch vollzogen bzw. erfolgt im Erbfall mit dem Tod des Erblassers.

Haben Sie ein Haus gekauft oder durch Zwangsversteigerung erworben, steht sowohl Ihnen als auch dem Versicherer ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Die Kündigung kann mit sofortiger Wirkung oder zum Ende der Versicherungsperiode ausgesprochen werden.

Kündigt der Versicherer, endet das Versicherungsverhältnis nach Ablauf einer Frist von einem Monat.

Die Erben sind zur Fortsetzung des Vertrages verpflichtet, das heißt, Ihnen steht kein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Bisheriger als auch neuer Eigentümer sind verpflichtet, die Veräußerung unverzüglich dem Versicherer mitzuteilen.

Ansonsten kann der Versicherer leistungsfrei werden, insbesondere dann, wenn der neue Eigentümer Gefahrerhöhungen vornimmt, beispielsweise durch Einrichtung eines Ladenlokals.

 

 

 


 

Was müssen Sie im Versicherungsfall beachten?

Als Versicherungsnehmer müssen Sie dem Versicherer einen eingetretenen Schaden unverzüglich melden, bei Abhandenkommen versicherter Sachen ist darüber hinaus auch die Polizei zu informieren. Sie haben dabei für Aufklärung zu sorgen und müssen notwendige Auskünfte erteilen, damit der Versicherer in die Lage versetzt wird, seine Leistungspflicht zu beurteilen und die Höhe des Schadens festzustellen, beispielsweise durch Kostenvoranschläge oder Reparaturrechnungen.

In der gleitenden Neuwertversicherung ersetzt der Versicherer bei zerstörten Gebäuden die ortsüblichen Wiederherstellungskosten einschließlich Architekten- und Planungskosten unmittelbar vor Eintritt des Versicherungsfalls.
In der Neu- oder Zeitwertversicherung wird der Neuwert abzüglich der Wertminderung durch Alter und Abnutzung ersetzt.
Bei zerstörten oder abhanden gekommenen Sachen wird in der gleitenden Neuwertversicherung der Wiederbeschaffungspreis der Sachen gleicher Art und Güte im neuwertigen Zustand ersetzt, in der Neu- oder Zeitwertversicherung abzüglich der Wertminderung.

Sind das Gebäude oder sonstige Sachen beschädigt, werden die notwendigen Reparaturkosten zuzüglich einer durch Reparatur nicht auszugleichenden Wertminderung ersetzt, höchstens jedoch der Versicherungswert.
Wertsteigerungen werden nicht ersetzt. Verlangen Sie beispielsweise den Einbau von Doppelglasfenstern anstelle der versicherten Einfachverglasung, werden die Mehrkosten vom Versicherer nicht getragen.
Haben Sie die Wiederherstellung unverzüglich veranlasst, werden auch Mehrkosten durch Preissteigerungen gedeckt, die zwischen Eintritt des Versicherungsfalls und Wiederherstellung anfallen.

 

 

 


Unterversicherung

Bei einer Unterversicherung errechnet sich die Entschädigung aus dem entstandenen Schaden, der mit dem Faktor aus Versicherungssumme geteilt durch den Versicherungswert multipliziert wird. Der tatsächliche Schaden wird also nicht voll ersetzt. Zu einer Unterversicherung kann es kommen, wenn Sie als Versicherungsnehmer

  • den Baupreis eines Jahres falsch angegeben haben

     
  • Angaben zur Wohnfläche oder Ausstattung nicht korrekt beantwortet haben

     
  • Wertsteigerungen durch An-, Umbauten oder höherwertigere Ausstattungen nicht angezeigt haben

     
  • in der Neu- oder Zeitwertversicherung die Versicherungssumme zu niedrig angegeben haben

     
  • in der gleitenden Neuwertversicherung die Prämienanpassung ausgesetzt haben

 

 

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