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Ratgeber in Versicherungsfragen

Pflegeversicherung

In Deutschland leben etwa 1,96 Millionen Menschen, die ständig auf Pflege angewiesen sind. Rund 610.000 Pflegebedürftige leben in Heimen und 1,35 Millionen werden zu Hause versorgt. Um die großen Belastungen aufzufangen, die mit der Pflege verbunden sind, wurde 1995 die letzte Lücke in der sozialen Versorgung mit der Pflegepflichtversicherung geschlossen. Waren bis zu diesem Zeitpunkt nur Wenige für den Fall der Fälle versichert, haben nun alle Bundesbürger einen Versicherungsschutz bei Pflegebedürftigkeit.

Zu unterscheiden sind die soziale und die private Pflege-Pflichtversicherung. Die soziale Pflegeversicherung wird nur von den gesetzlichen Krankenkassen, die private Pflegeversicherung nur von den privaten Krankenversicherern angeboten. Hierbei gilt der Grundsatz, dass die Pflegeversicherung der Krankenversicherung folgt. Dies bedeutet, dass die Pflegeversicherung dort abzuschließen ist, wo auch Krankenversicherungsschutz besteht.

 

Pflichtversicherte in der GKV

Ab Januar 1995 wurden GKV-Pflichtversicherte automatisch auch Pflichtversicherte in der sozialen Pflegeversicherung ihrer Krankenkasse. Der Beitrag beträgt seit dem 01.07.1996 1,7% der beitragspflichtigen Einnahmen, begrenzt auf die Beitragsbemessungsgrenze. In 2006 ergibt sich ein Höchstbeitrag in der sozialen Pflegeversicherung von 60,65 Euro plus dem eventeull anfallenden Kinderlosenzuschlag in Höhe von maximal 8,91 Euro.

Im Rahmen der Familienversicherung sind Ehegatten und Kinder beitragsfrei mitversichert, sofern ihr regelmäßiges Einkommen die Geringfügigkeitsgrenze (400 Euro in 2006) nicht überschreitet. Kinder sind bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres beitragsfrei mitversichert beziehungsweise bis zum 23. Lebensjahr, wenn sie nicht erwerbstätig sind, oder bis zum 25. Lebensjahr, wenn sie sich in Schul- oder Berufsausbildung befinden. Für Kinder, die wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu versorgen, gibt es keine Altersgrenze.

Den Betrag zur Pflegeversicherung tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hälftig, das heißt, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer tragen 0,85 Prozent. Der Buß- und Bettag wurde dabei zum Ausgleich des Arbeitgeberanteils als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. Lediglich Sachsen bildet eine Ausnahme. Da Sachsen keinen Feiertag gestrichen hat, beträgt hier der Arbeitgeberanteil nur 0,35 % und der Arbeitnehmeranteil 1,35 %.

Ab 1. April 2004 müssen in der Pflegeversicherung pflichtversicherte Rentner den vollen Beitrag in Höhe von 1,7 Prozent ihrer Bruttorente(n) selbst bezahlen. Die Rentenversicherung übernimmt den halben Pflegeversicherungsbeitrag (0,85 Prozent) der Rente nicht mehr. Beitragspflichtig sind ebenfalls mit der Rente vergleichbare Einnahmen wie Versorgungsbezüge oder Arbeitseinkommen als Selbstständige). Die Rentenversicherung behält den Beitragsanteil ein und überweist ihn direkt an die Krankenkasse.

Freiwillig in der GKV Versicherte

Freiwillig in der GKV Versicherte wurden zum 01.01.1995 ebenfalls automatisch Pflichtversicherte in der sozialen Pflegeversicherung. Es besteht jedoch grundsätzlich die Wahlmöglichkeit zwischen der sozialen und privaten Pflegeversicherung. Dennoch ist ein Trennen nicht empfehlenswert. Die Kranken- und Pflegeversicherung sollten immer zusammen bestehen.

Privat Krankenversicherte

Privat Krankenversicherte sind automatisch Pflichtversicherte in der privaten Pflegeversicherung ihres Krankenversicherers.

Aufgrund gesetzlicher Regelungen, die im Pflegeversicherungsgesetz festgehalten sind, müssen Art als auch Umfang der privaten Pflegeversicherung denen der sozialen Pflegeversicherung entsprechen. Ebenso muss die PKV für die Feststellung von Pflegebedürftigkeit und Pflegestufe die Maßstäbe anlegen, die auch in der sozialen Pflegeversicherung gelten.

Die Beiträge zur privaten Pflegeversicherung werden risikogerecht kalkuliert und sind neben dem Alter bei Eintritt in die Versicherung unter anderem abhängig von der Familiengröße und eventuellen Vorerkrankungen. Unterschiedliche Beiträge für Frauen und Männer sind nicht erlaubt. Der Höchstbeitrag darf dabei nicht höher sein als der Höchstbeitrag in der sozialen Pflegeversicherung (also 57,38 Euro). Diese Beitragsbegrenzung gilt jedoch erst nach einer Vorversicherungszeit von 5 Jahren in der privaten Kranken- oder Pflegeversicherung. Wechseln Sie also heute von der GKV zur PKV, müssen Sie den Tarifbeitrag zur privaten Pflegeversicherung zahlen, der bei einigen Gesellschaften auch über dem Höchstbeitrag von 57,38 Euro liegen kann.

Wie in der gesetzlichen Pflegeversicherung sind Kinder unter den dort genannten Voraussetzungen auch in der privaten Pflegeversicherung beitragsfrei mitversichert. Für Verheiratete gilt, dass der Beitrag für beide Ehepartner nicht mehr als 150 % des Höchstbeitrags zur sozialen Pflegeversicherung betragen darf. Voraussetzung ist, dass nur ein Ehepartner erwerbstätig ist beziehungsweise ein Ehepartner mit seiner Erwerbstätigkeit die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreitet.

Die private Pflegepflichtversicherung sollte zusammen mit der privaten Krankenversicherung abgeschlossen werden. Obwohl Sie die Pflegeversicherung auch bei einem anderen Unternehmen abschließen könnten, ist dies in der Regel nicht ratsam. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es beim Erhalt von Leistungen zu Problemen kommt. So könnten beide Versicherer ihre Leistungspflicht verweigern, indem der eine behauptet, die Kosten wären durch Pflegebedürftigkeit entstanden, während der zweite dies ganz anders beurteilt.