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Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Jedes Jahr müssen mehr als 200.000 Menschen ihre Arbeit aus gesundheitlichen Gründen vor Erreichen der Altersrente aufgeben. Verbraucherschützer fordern daher seit Jahren, die Berufsunfähigkeit als existenzielles Risiko grundsätzlich mit abzusichern. Denn meist reichen andere Renten oder Bezüge nicht aus, den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Jeder sollte demnach eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben.

Aufgrund des Rentenreformgesetzes, das zum 01.01.2001 in Kraft getreten ist, wurden die alten Modelle der "Berufsunfähigkeitsrente" und der Erwerbsunfähigkeitsrente" durch eine Erwerbsminderungsrente ersetzt.

Demnach erhalten Sie die volle Erwerbsminderungsrente, wenn Sie am Tag weniger als drei Stunden arbeiten können. Die halbe Erwerbsminderungsrente erhalten Sie, wenn sie täglich drei bis sechs Stunden arbeiten können. Die teilweise Erwerbsgeminderten erhalten dennoch die volle Erwerbsminderungsrente, wenn sie ihr Restleistungsvermögen von 3 bis 6 Stunden täglicher Arbeit, aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht ausüben können. Gar keine Rente gibt es für diejenigen, die mehr als 6 Stunden pro Tag einem Erwerb nachgehen können.

In einer Übergangsregelung erhalten Personen, die vor dem 01.01.2001 ihr 40. Lebensjahr vollendet haben, die bisherigen Berufsunfähigkeitsrenten weiter. Die Leistungen liegen jedoch ein Viertel unter den bisherigen Renten. Für die Einstufung ist maßgebend, ob Sie in Ihrem oder in einem anderen vergleichbaren und zumutbaren Beruf nicht mehr voll arbeitsfähig sind, das heißt, eine Verweisung in irgendeinen anderen Beruf entfällt. Im neuen Rentenrecht jedoch spielen Ausbildung und Beruf keine Rolle mehr, da die Arbeitsfähigkeit auf dem gesamten Arbeitsmarkt berücksichtigt wird, das heißt, hier wird geprüft, ob Sie fähig sind, irgendeinem anderen Erwerb nachzugehen. Als Bankkaufmann könnten Sie somit auf einen Job als Nachtwächter verwiesen werden.

Zudem erhält nur derjenige Leistungen, der in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge gezahlt hat beziehungsweise Zeiten ohne Pflichtbeiträge angerechnet bekommt. So werden Kindererziehungszeiten, Zeiten aus dem Versorgungsausgleich sowie Ersatzzeiten bei der Wartezeit angerechnet. Berufsanfänger erhalten also in den ersten 5 Jahren keinerlei Leistungen.
Es gibt jedoch Ausnahmen. So hat der Gesetzgeber Umstände festgelegt, die automatisch zur Zahlung von Leistungen führen, so beispielsweise bei Arbeitsunfällen.
Die Höhe der Erwerbsminderungsrente orientiert sich an der Berechnung der Altersrente und ist leider nicht so einfach nachzuvollziehen. Als Orientierungshilfe können die Online-Rechner der VData Software-Entwicklung genutzt werden, die neben der Altersrente zusätzlich die halbe und volle Erwerbsminderungsrente sowie die kleine und große Witwenrente für die alten und neuen Bundesländer gesondert ausweisen.

Verbindliche Auskunft über die Höhe der bisher erworbenen Rentenansprüche erhalten Sie nur von der Deutschen Rentenversicherung beziehungsweise den LVA - Landesversicherungsanstalten in Deutschland.
Die BfA bietet in ihrem Internet-Angebot ein Computerprogramm zur Rentenberechnung, das unter dem Menüpunkt Service-Center / Online gegen Schutzgebühr angefordert werden kann.

HinweisNicht nur Berufstätige auch bereits Schüler, Auszubildende, Studenten und ebenso Hausfrauen sollten eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Bei jüngeren und damit in der Regel auch gesünderen Personen ist eine Ablehnung des Antrags meist nicht zu erwarten. Befinden Sie sich noch in Ausbildung, sollten Sie sicherstellen, dass Ihnen der Versicherer eine nachträgliche Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente einräumt. Auch bei Heirat oder einer beruflichen Veränderung, wenn Sie sich beispielsweise selbstständig machen, ist meist der Wunsch nach einer höheren Rente gegeben.

 

 


 

Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBV) oder Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ)?

Neben der selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (SBV), bei der nur das Risiko der Berufsunfähigkeit abgesichert wird, gibt es die Möglichkeit zu den meisten Lebens- und Rentenversicherungen mit Todesfallleistung (ausgenommen sind die vermögensbildenden Lebensversicherungen) eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) einzuschließen. Die SBV bietet sich für denjenigen an, der auf eine Hinterbliebenenversorgung verzichten kann beziehungsweise kein Kapital ansparen will, weil er dazu bereits andere Vorsorgeformen nutzt.

Tipp Ansonsten könnte erwogen werden die BUZ in eine Risikoversicherung, eine Kapital-Lebensversicherung, eine fondsgebundene Lebensversicherung oder eine private Rentenversicherung einzuschließen. Empfehlenswert ist insbesondere der Einschluss einer BUZ in eine Risikoversicherung, da hier der Berufsunfähigkeitsschutz als Zusatz wesentlich preiswerter ist als die selbstständige Berufsunfähigkeitsabsicherung. In einigen Fällen ist sogar eine Risikoversicherung inklusive BUZ bei gleicher BU-Rente preiswerter als eine SBV, das heißt, der Todesfallschutz wird einem "fast" geschenkt. Bei Ihren Überlegungen und der Anforderung von Versicherungsvergleichen sollten Sie daher immer beide Möglichkeiten prüfen.

Der Einschluss einer BUZ in eine Lebens- oder Rentenversicherung ist immer mit höheren Beiträgen verbunden, da hier zusätzlich Geld angespart und zum Vertragsende plus einer Gewinn-Beteiligung ausgezahlt wird. Die Bindung des Berufsunfähigkeitsschutzes an eine dieser Versicherungen kann dann problematisch werden, wenn Sie den Sparvorgang nicht mehr wünschen. Kündigen Sie die Hauptversicherung, fällt damit gleichzeitig der Berufsunfähigkeitsschutz weg.

 

 


Wie ist der Begriff der Berufsunfähigkeit definiert?

In den Bedingungen der privaten Versicherer wird Berufsunfähigkeit wie folgt definiert:

"… Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls voraussichtlich für die Dauer von mindestens 6 Monaten außerstande ist, seinen Beruf oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die er aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung ausüben kann und die seiner bisherigen Lebensstellung entspricht."

Bei Beamten würde der Versicherungsfall eintreten, wenn sie dienstunfähig sind.

HinweisWichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der Verweisung. Nach obiger Definition könnten Sie auf einen anderen "angemessenen" Beruf verwiesen werden, so weit sich Ihre Einkommenssituation und soziale Stellung nicht erheblich verschlechtert. Gerichtsentscheidungen haben die Zulässigkeit dieser Verweisung gezeigt.

Jedoch dürfen die zur Ausübung der neuen Tätigkeit erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht deutlich unter denen des bisherigen Berufs liegen. Auch ein anfänglicher Einkommensverlust von bis zu 30 Prozent ist demnach zumutbar. Während einer Umschulung würde die BU-Rente jedoch gezahlt.

Zu unterscheiden sind die abstrakte und die konkrete Verweisung.

Bei der abstrakten Verweisung wird der Versicherer bereits dann von seiner Leistungspflicht frei, wenn Sie "theoretisch" in einem anderen Beruf arbeiten könnten, ohne dass der Versicherer prüfen muss, ob Sie eine solche Tätigkeit "praktisch" ausüben können.

BeispielWerden Sie beispielsweise als Schreiner berufsunfähig, kann der Versicherer Sie auf die theoretische Möglichkeit einer Tätigkeit als Fachberater in einem Möbelhaus verweisen. Erhalten Sie jedoch aufgrund fehlender Arbeitsstellen oder aufgrund Ihres Alters keine Arbeit, kann der Versicherer die Berufsunfähigkeitsrente verweigern.

Bei der konkreten Verweisung wird der Versicherer erst dann von seiner Leistungspflicht frei, wenn Sie "tatsächlich" eine Tätigkeit ausüben, die Ihrer Ausbildung, Erfahrung und Lebensstellung entspricht.

TippAchten Sie in den Versicherungsbedingungen also unbedingt darauf, dass diese die konkrete Verweisung beinhalten. Sehr günstige BU-Bedingungen liegen vor, wenn der Versicherer ab einem bestimmten Alter, beispielsweise ab dem 50. oder 55. Lebensjahr, vollkommen auf das Verweisungsrecht verzichten. Die entsprechende Klausel könnte lauten:

"Eine Verweisung auf eine vergleichbare Tätigkeit kommt nicht in Betracht, wenn diese Tätigkeit .... nicht konkret ausgeübt wird oder wenn das 50. Lebensjahr bereits vollendet ist."

 

 


 

In welchen Fällen ist der Versicherungsschutz ausgeschlossen?

Grundsätzlich besteht die Leistungsverpflichtung des Versicherers unabhängig davon, wie die Berufsunfähigkeit zustande gekommen ist. Es gibt jedoch einige Ausnahmen.

 

 

 


 

Welche Leistungen können vereinbart werden?

Die monatliche Berufsunfähigkeitsrente ist frei vereinbar. Die Versicherungsdauer kann maximal bis zu einem Alter von 65 Jahren gewählt werden. Nach Ablauf der Versicherungsdauer endet auch der Anspruch auf Leistungen.

Es ist jedoch möglich, Versicherungsdauer und Leistungsdauer voneinander abweichend zu vereinbaren. Als 30-jähriger könnten Sie beispielsweise eine Versicherungsdauer von 25 Jahren und eine Leistungsdauer von 30 Jahren vereinbaren. Die Versicherungsdauer gibt den Zeitraum an, innerhalb dessen Sie Versicherungsschutz im Falle einer Berufsunfähigkeit genießen. Die Leistungsdauer definiert den Zeitraum bis zu dessen Ablauf Sie Leistungen erhalten.

BeispielWerden Sie also innerhalb der Versicherungsdauer berufsunfähig, erhalten Sie bis zum Ablauf der Leistungsdauer Ihre BU-Rente. Tritt die Berufsunfähigkeit nach obigem Beispiel vor dem 55. Lebensjahr ein, erhalten Sie Ihre BU-Rente bis zu 60. Lebensjahr. Werden Sie erst nach dem 55. Lebensjahr berufsunfähig, erhalten Sie keine Leistungen aus dem Vertrag.

Die meisten Berufsunfähigkeitstarife sehen die so genannte Pauschalregelung vor. Demnach tritt die Leistungspflicht des Versicherers ab einer Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent ein. Wird die 50%-Grenze erreicht oder überschritten, leistet der Versicherer die vereinbarte Rente, der tatsächliche Grad der Berufsunfähigkeit ist dann unerheblich. Sinkt der Grad der Berufsunfähigkeit unter 50 Prozent, so endet auch die Leistungspflicht des Versicherers.

Neben der Pauschalregelung wird teilweise auch eine Staffelung der Versicherungsleistung angeboten. Hier wird die volle Rente erst ab einem Grad der Berufsunfähigkeit von 75% gezahlt. Bei einem geringeren Grad, der mindestens 25% betragen muss, wird der entsprechende Prozentsatz der vollen Rente fällig.

 

 

 


 

 

Welche Monatsrente sollte für den Fall der Berufsunfähigkeit festgelegt werden?

Hier müssen Sie überlegen, was wäre, wenn Sie in nächster Zeit berufsunfähig würden. Stellen Sie Ihren monatlichen Geldbedarf den zu erwartenden Einnahmen gegenüber.

Neben den Lebenshaltungskosten (Miete, Haus, Lebensunterhalt) benötigen Sie eventuell Geld für die Ausbildungsfinanzierung Ihrer Kinder oder zur Tilgung von Krediten. Des Weiteren sollten Sie auch an die zu erwartende Rente nach Ablauf der Berufsunfähigkeitsrente denken und eventuell einen Betrag zur Geldanlage in eine zusätzliche Altersversorgung einkalkulieren.

Dem gegenüber stehen Einnahmen aus der Sozialversicherung (Erwerbsminderungsrente) sowie eventuell Leistungen aus betrieblicher oder berufsständischer Versorgung beziehungsweise Beamtenpensionen. Zu den Einnahmen hinzuzurechnen ist möglicherweise das Arbeitseinkommen des Ehepartners und weitere Einnahmen aus Miete oder Kapitalerträgen. Vielleicht haben Sie eine Unfallversicherung abgeschlossen oder sonstiges verwertbares Vermögen.

Als Minimallösung für Sozialversicherte wäre eine Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 40 bis 50 Prozent des jetzigen Monatsgehaltes denkbar. Der tatsächliche Bedarf hängt natürlich von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, und kann infolge dessen auch niedriger oder höher liegen.

 

 

 


 

Was müssen Sie im Versicherungsfall beachten?

Verlangen Sie Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung, sollten Sie Ihrem Versicherer unverzüglich folgende Unterlagen einreichen:

 

Beispiel Hierdurch entstehende Kosten müssen Sie selbst tragen. Ihr Versicherer kann weitere ärztliche Untersuchungen durch von ihm beauftragte Ärzte verlangen, die Kosten trägt dann allerdings der Versicherer. Des Weiteren müssen Sie Ärzte, Krankenhäuser aber auch andere Versicherer und Behörden ermächtigen, Ihrem Versicherer auf Verlangen Auskunft zu erteilen.

Nach Prüfung der eingereichten und eventuell weiterer herbeigezogener Unterlagen erklärt Ihr Versicherer dann, ob und für welchen Zeitraum er eine Leistungspflicht anerkennt. Sind Sie mit der Leistungsentscheidung Ihres Versicherers nicht einverstanden, können Sie innerhalb von sechs Monaten nach Zugang der Entscheidung Klage erheben.

Auch nach Anerkennung oder Feststellung der Leistungspflicht ist Ihr Versicherer berechtigt, das Fortbestehen der Berufsunfähigkeit sowie den Grad nachzuprüfen. Die Kosten der Nachprüfung trägt Ihr Versicherer, der jederzeit sachdienliche Auskünfte und einmal jährlich umfassende Untersuchungen durch beauftragte Ärzte verlangen kann.

BeispielSie müssen Ihrem Versicherer unverzüglich Mitteilung machen, falls sich eine Minderung der Berufsunfähigkeit ergibt oder Sie Ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen oder ändern. Fällt die Berufsunfähigkeit weg, ist natürlich auch die Leistungspflicht Ihres Versicherers nicht weiter gegeben.

 

 

 


 

 

Beurteilung von Berufsunfähigkeitsversicherungen

Bevor Sie sich für eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung beziehungsweise für eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung entscheiden, sollten Sie unbedingt die im Folgenden gelisteten Leistungsfragen prüfen und sich damit ein Bild über die Kundenfreundlichkeit des Produktes machen. Sind Ihnen bestimmte Punkte besonders wichtig, sollten Sie Ihren Versicherer befragen, ob die Bedingungen in Ihrem Sinne formuliert sind.