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Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Jedes Jahr müssen mehr als 200.000 Menschen ihre Arbeit aus gesundheitlichen Gründen vor Erreichen der Altersrente aufgeben. Verbraucherschützer fordern daher seit Jahren, die Berufsunfähigkeit als existenzielles Risiko grundsätzlich mit abzusichern. Denn meist reichen andere Renten oder Bezüge nicht aus, den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Jeder sollte demnach eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben.

Aufgrund des Rentenreformgesetzes, das zum 01.01.2001 in Kraft getreten ist, wurden die alten Modelle der "Berufsunfähigkeitsrente" und der Erwerbsunfähigkeitsrente" durch eine Erwerbsminderungsrente ersetzt.

Demnach erhalten Sie die volle Erwerbsminderungsrente, wenn Sie am Tag weniger als drei Stunden arbeiten können. Die halbe Erwerbsminderungsrente erhalten Sie, wenn sie täglich drei bis sechs Stunden arbeiten können. Die teilweise Erwerbsgeminderten erhalten dennoch die volle Erwerbsminderungsrente, wenn sie ihr Restleistungsvermögen von 3 bis 6 Stunden täglicher Arbeit, aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht ausüben können. Gar keine Rente gibt es für diejenigen, die mehr als 6 Stunden pro Tag einem Erwerb nachgehen können.

In einer Übergangsregelung erhalten Personen, die vor dem 01.01.2001 ihr 40. Lebensjahr vollendet haben, die bisherigen Berufsunfähigkeitsrenten weiter. Die Leistungen liegen jedoch ein Viertel unter den bisherigen Renten. Für die Einstufung ist maßgebend, ob Sie in Ihrem oder in einem anderen vergleichbaren und zumutbaren Beruf nicht mehr voll arbeitsfähig sind, das heißt, eine Verweisung in irgendeinen anderen Beruf entfällt. Im neuen Rentenrecht jedoch spielen Ausbildung und Beruf keine Rolle mehr, da die Arbeitsfähigkeit auf dem gesamten Arbeitsmarkt berücksichtigt wird, das heißt, hier wird geprüft, ob Sie fähig sind, irgendeinem anderen Erwerb nachzugehen. Als Bankkaufmann könnten Sie somit auf einen Job als Nachtwächter verwiesen werden.

Zudem erhält nur derjenige Leistungen, der in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge gezahlt hat beziehungsweise Zeiten ohne Pflichtbeiträge angerechnet bekommt. So werden Kindererziehungszeiten, Zeiten aus dem Versorgungsausgleich sowie Ersatzzeiten bei der Wartezeit angerechnet. Berufsanfänger erhalten also in den ersten 5 Jahren keinerlei Leistungen.
Es gibt jedoch Ausnahmen. So hat der Gesetzgeber Umstände festgelegt, die automatisch zur Zahlung von Leistungen führen, so beispielsweise bei Arbeitsunfällen.
Die Höhe der Erwerbsminderungsrente orientiert sich an der Berechnung der Altersrente und ist leider nicht so einfach nachzuvollziehen. Als Orientierungshilfe können die Online-Rechner der VData Software-Entwicklung genutzt werden, die neben der Altersrente zusätzlich die halbe und volle Erwerbsminderungsrente sowie die kleine und große Witwenrente für die alten und neuen Bundesländer gesondert ausweisen.

Verbindliche Auskunft über die Höhe der bisher erworbenen Rentenansprüche erhalten Sie nur von der Deutschen Rentenversicherung beziehungsweise den LVA - Landesversicherungsanstalten in Deutschland.
Die BfA bietet in ihrem Internet-Angebot ein Computerprogramm zur Rentenberechnung, das unter dem Menüpunkt Service-Center / Online gegen Schutzgebühr angefordert werden kann.

HinweisNicht nur Berufstätige auch bereits Schüler, Auszubildende, Studenten und ebenso Hausfrauen sollten eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Bei jüngeren und damit in der Regel auch gesünderen Personen ist eine Ablehnung des Antrags meist nicht zu erwarten. Befinden Sie sich noch in Ausbildung, sollten Sie sicherstellen, dass Ihnen der Versicherer eine nachträgliche Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente einräumt. Auch bei Heirat oder einer beruflichen Veränderung, wenn Sie sich beispielsweise selbstständig machen, ist meist der Wunsch nach einer höheren Rente gegeben.

 

 


 

Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBV) oder Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ)?

Neben der selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (SBV), bei der nur das Risiko der Berufsunfähigkeit abgesichert wird, gibt es die Möglichkeit zu den meisten Lebens- und Rentenversicherungen mit Todesfallleistung (ausgenommen sind die vermögensbildenden Lebensversicherungen) eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) einzuschließen. Die SBV bietet sich für denjenigen an, der auf eine Hinterbliebenenversorgung verzichten kann beziehungsweise kein Kapital ansparen will, weil er dazu bereits andere Vorsorgeformen nutzt.

Tipp Ansonsten könnte erwogen werden die BUZ in eine Risikoversicherung, eine Kapital-Lebensversicherung, eine fondsgebundene Lebensversicherung oder eine private Rentenversicherung einzuschließen. Empfehlenswert ist insbesondere der Einschluss einer BUZ in eine Risikoversicherung, da hier der Berufsunfähigkeitsschutz als Zusatz wesentlich preiswerter ist als die selbstständige Berufsunfähigkeitsabsicherung. In einigen Fällen ist sogar eine Risikoversicherung inklusive BUZ bei gleicher BU-Rente preiswerter als eine SBV, das heißt, der Todesfallschutz wird einem "fast" geschenkt. Bei Ihren Überlegungen und der Anforderung von Versicherungsvergleichen sollten Sie daher immer beide Möglichkeiten prüfen.

Der Einschluss einer BUZ in eine Lebens- oder Rentenversicherung ist immer mit höheren Beiträgen verbunden, da hier zusätzlich Geld angespart und zum Vertragsende plus einer Gewinn-Beteiligung ausgezahlt wird. Die Bindung des Berufsunfähigkeitsschutzes an eine dieser Versicherungen kann dann problematisch werden, wenn Sie den Sparvorgang nicht mehr wünschen. Kündigen Sie die Hauptversicherung, fällt damit gleichzeitig der Berufsunfähigkeitsschutz weg.

 

 


Wie ist der Begriff der Berufsunfähigkeit definiert?

In den Bedingungen der privaten Versicherer wird Berufsunfähigkeit wie folgt definiert:

"… Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls voraussichtlich für die Dauer von mindestens 6 Monaten außerstande ist, seinen Beruf oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die er aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung ausüben kann und die seiner bisherigen Lebensstellung entspricht."

Bei Beamten würde der Versicherungsfall eintreten, wenn sie dienstunfähig sind.

HinweisWichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der Verweisung. Nach obiger Definition könnten Sie auf einen anderen "angemessenen" Beruf verwiesen werden, so weit sich Ihre Einkommenssituation und soziale Stellung nicht erheblich verschlechtert. Gerichtsentscheidungen haben die Zulässigkeit dieser Verweisung gezeigt.

Jedoch dürfen die zur Ausübung der neuen Tätigkeit erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht deutlich unter denen des bisherigen Berufs liegen. Auch ein anfänglicher Einkommensverlust von bis zu 30 Prozent ist demnach zumutbar. Während einer Umschulung würde die BU-Rente jedoch gezahlt.

Zu unterscheiden sind die abstrakte und die konkrete Verweisung.

Bei der abstrakten Verweisung wird der Versicherer bereits dann von seiner Leistungspflicht frei, wenn Sie "theoretisch" in einem anderen Beruf arbeiten könnten, ohne dass der Versicherer prüfen muss, ob Sie eine solche Tätigkeit "praktisch" ausüben können.

BeispielWerden Sie beispielsweise als Schreiner berufsunfähig, kann der Versicherer Sie auf die theoretische Möglichkeit einer Tätigkeit als Fachberater in einem Möbelhaus verweisen. Erhalten Sie jedoch aufgrund fehlender Arbeitsstellen oder aufgrund Ihres Alters keine Arbeit, kann der Versicherer die Berufsunfähigkeitsrente verweigern.

Bei der konkreten Verweisung wird der Versicherer erst dann von seiner Leistungspflicht frei, wenn Sie "tatsächlich" eine Tätigkeit ausüben, die Ihrer Ausbildung, Erfahrung und Lebensstellung entspricht.

TippAchten Sie in den Versicherungsbedingungen also unbedingt darauf, dass diese die konkrete Verweisung beinhalten. Sehr günstige BU-Bedingungen liegen vor, wenn der Versicherer ab einem bestimmten Alter, beispielsweise ab dem 50. oder 55. Lebensjahr, vollkommen auf das Verweisungsrecht verzichten. Die entsprechende Klausel könnte lauten:

"Eine Verweisung auf eine vergleichbare Tätigkeit kommt nicht in Betracht, wenn diese Tätigkeit .... nicht konkret ausgeübt wird oder wenn das 50. Lebensjahr bereits vollendet ist."

 

 


 

In welchen Fällen ist der Versicherungsschutz ausgeschlossen?

Grundsätzlich besteht die Leistungsverpflichtung des Versicherers unabhängig davon, wie die Berufsunfähigkeit zustande gekommen ist. Es gibt jedoch einige Ausnahmen.

  • Der Versicherer leistet nicht, wenn die Berufsunfähigkeit unmittelbar oder mittelbar durch Kriegsereignisse oder innere Unruhe verursacht wird, sofern Sie aufseiten der Unruhestifter teilgenommen haben. Waren Sie den oben genannten Ereignissen jedoch außerhalb Deutschlands ausgesetzt und nicht aktiv beteiligt gilt die Leistungsfreiheit nicht.
  • Auch bei vorsätzlich begangenen widerrechtlichen Handlungen leistet der Versicherer nicht.
  • Der Versicherer leistet dann nicht, wenn Sie die Berufsunfähigkeit durch absichtliche Herbeiführung von Krankheit oder Kräfteverfall, absichtliche Selbstverletzung oder versuchte Selbsttötung herbeiführen. Geleistet wird aber dann, wenn nachgewiesen werden kann, dass diese Handlungen in einem der freien Willensbestimmung ausschließenden Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit begangen worden sind.

 

 

 


 

Welche Leistungen können vereinbart werden?

Die monatliche Berufsunfähigkeitsrente ist frei vereinbar. Die Versicherungsdauer kann maximal bis zu einem Alter von 65 Jahren gewählt werden. Nach Ablauf der Versicherungsdauer endet auch der Anspruch auf Leistungen.

Es ist jedoch möglich, Versicherungsdauer und Leistungsdauer voneinander abweichend zu vereinbaren. Als 30-jähriger könnten Sie beispielsweise eine Versicherungsdauer von 25 Jahren und eine Leistungsdauer von 30 Jahren vereinbaren. Die Versicherungsdauer gibt den Zeitraum an, innerhalb dessen Sie Versicherungsschutz im Falle einer Berufsunfähigkeit genießen. Die Leistungsdauer definiert den Zeitraum bis zu dessen Ablauf Sie Leistungen erhalten.

BeispielWerden Sie also innerhalb der Versicherungsdauer berufsunfähig, erhalten Sie bis zum Ablauf der Leistungsdauer Ihre BU-Rente. Tritt die Berufsunfähigkeit nach obigem Beispiel vor dem 55. Lebensjahr ein, erhalten Sie Ihre BU-Rente bis zu 60. Lebensjahr. Werden Sie erst nach dem 55. Lebensjahr berufsunfähig, erhalten Sie keine Leistungen aus dem Vertrag.

Die meisten Berufsunfähigkeitstarife sehen die so genannte Pauschalregelung vor. Demnach tritt die Leistungspflicht des Versicherers ab einer Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent ein. Wird die 50%-Grenze erreicht oder überschritten, leistet der Versicherer die vereinbarte Rente, der tatsächliche Grad der Berufsunfähigkeit ist dann unerheblich. Sinkt der Grad der Berufsunfähigkeit unter 50 Prozent, so endet auch die Leistungspflicht des Versicherers.

Neben der Pauschalregelung wird teilweise auch eine Staffelung der Versicherungsleistung angeboten. Hier wird die volle Rente erst ab einem Grad der Berufsunfähigkeit von 75% gezahlt. Bei einem geringeren Grad, der mindestens 25% betragen muss, wird der entsprechende Prozentsatz der vollen Rente fällig.

 

 

 


 

 

Welche Monatsrente sollte für den Fall der Berufsunfähigkeit festgelegt werden?

Hier müssen Sie überlegen, was wäre, wenn Sie in nächster Zeit berufsunfähig würden. Stellen Sie Ihren monatlichen Geldbedarf den zu erwartenden Einnahmen gegenüber.

Neben den Lebenshaltungskosten (Miete, Haus, Lebensunterhalt) benötigen Sie eventuell Geld für die Ausbildungsfinanzierung Ihrer Kinder oder zur Tilgung von Krediten. Des Weiteren sollten Sie auch an die zu erwartende Rente nach Ablauf der Berufsunfähigkeitsrente denken und eventuell einen Betrag zur Geldanlage in eine zusätzliche Altersversorgung einkalkulieren.

Dem gegenüber stehen Einnahmen aus der Sozialversicherung (Erwerbsminderungsrente) sowie eventuell Leistungen aus betrieblicher oder berufsständischer Versorgung beziehungsweise Beamtenpensionen. Zu den Einnahmen hinzuzurechnen ist möglicherweise das Arbeitseinkommen des Ehepartners und weitere Einnahmen aus Miete oder Kapitalerträgen. Vielleicht haben Sie eine Unfallversicherung abgeschlossen oder sonstiges verwertbares Vermögen.

Als Minimallösung für Sozialversicherte wäre eine Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 40 bis 50 Prozent des jetzigen Monatsgehaltes denkbar. Der tatsächliche Bedarf hängt natürlich von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, und kann infolge dessen auch niedriger oder höher liegen.

 

 

 


 

Was müssen Sie im Versicherungsfall beachten?

Verlangen Sie Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung, sollten Sie Ihrem Versicherer unverzüglich folgende Unterlagen einreichen:

  • Den Versicherungsschein und einen Nachweis der letzten Beitragsrechnung.
  • Ausführliche Berichte, der Sie behandelnden Ärzte, aus denen Ursache, Beginn, Art, Verlauf und voraussichtliche Dauer des Leidens hervorgeht sowie der Grad der Berufsunfähigkeit.
  • Unterlagen über Ihren Beruf, Ihre Stellung und Tätigkeit zum Zeitpunkt des Eintritts der Berufsunfähigkeit sowie Erläuterungen zu den eingetretenen Veränderungen.
  • Zudem sollten Sie die Ursache für den Eintritt der Berufsunfähigkeit darlegen.

 

Beispiel Hierdurch entstehende Kosten müssen Sie selbst tragen. Ihr Versicherer kann weitere ärztliche Untersuchungen durch von ihm beauftragte Ärzte verlangen, die Kosten trägt dann allerdings der Versicherer. Des Weiteren müssen Sie Ärzte, Krankenhäuser aber auch andere Versicherer und Behörden ermächtigen, Ihrem Versicherer auf Verlangen Auskunft zu erteilen.

Nach Prüfung der eingereichten und eventuell weiterer herbeigezogener Unterlagen erklärt Ihr Versicherer dann, ob und für welchen Zeitraum er eine Leistungspflicht anerkennt. Sind Sie mit der Leistungsentscheidung Ihres Versicherers nicht einverstanden, können Sie innerhalb von sechs Monaten nach Zugang der Entscheidung Klage erheben.

Auch nach Anerkennung oder Feststellung der Leistungspflicht ist Ihr Versicherer berechtigt, das Fortbestehen der Berufsunfähigkeit sowie den Grad nachzuprüfen. Die Kosten der Nachprüfung trägt Ihr Versicherer, der jederzeit sachdienliche Auskünfte und einmal jährlich umfassende Untersuchungen durch beauftragte Ärzte verlangen kann.

BeispielSie müssen Ihrem Versicherer unverzüglich Mitteilung machen, falls sich eine Minderung der Berufsunfähigkeit ergibt oder Sie Ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen oder ändern. Fällt die Berufsunfähigkeit weg, ist natürlich auch die Leistungspflicht Ihres Versicherers nicht weiter gegeben.

 

 

 


 

 

Beurteilung von Berufsunfähigkeitsversicherungen

Bevor Sie sich für eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung beziehungsweise für eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung entscheiden, sollten Sie unbedingt die im Folgenden gelisteten Leistungsfragen prüfen und sich damit ein Bild über die Kundenfreundlichkeit des Produktes machen. Sind Ihnen bestimmte Punkte besonders wichtig, sollten Sie Ihren Versicherer befragen, ob die Bedingungen in Ihrem Sinne formuliert sind.

  • Verweisungsverzicht
    Verzichtet der Versicherer bedingungsgemäß für die versicherbaren Berufe altersunabhängig und eindeutig auf sein Recht auf abstrakte Verweisung? (üblicherweise § 2, Absatz 1)

    Dem Versicherer steht grundsätzlich ein Verweisungsrecht im Falle der Berufsunfähigkeit zu. Damit die Verweisung keinen sozialen Abstieg bzw. ein deutlich geringeres Einkommen nach sich zieht, sollte in der Definition des Begriffs der Berufsunfähigkeit formuliert sein, dass der Versicherte außerstande sein muss, eine Tätigkeit auszuüben, "die aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten (Ausbildung und Erfahrung) ausgeübt werden kann und seiner bisherigen Lebensstellung entspricht". Was geschieht aber nun, wenn der Versicherer Sie verweist, und damit leistungsfrei wird, Sie in dem Verweisungsberuf jedoch keinen Arbeitsplatz bekommen (abstrakte Verweisung)?

    Hinweis Gute BU-Bedingungen liegen dann vor, wenn der Versicherer auf die abstrakte Verweisung verzichtet und nur dann verweisen kann, wenn Sie eine neue Tätigkeit, die "Ihrer bisherigen Lebensstellung" entspricht auch tatsächlich ausüben (konkrete Verweisung).
    Sehr gute Bedingungen liegen dann vor, wenn der Versicherer ab einem bestimmten Alter, beispielsweise ab dem 50. Lebensjahr, vollständig auf die Verweisung verzichtet.

     

  • Prognosezeitraum
    Ist die Leistungspflicht des Versicherers bereits dann gegeben, wenn der Arzt eine Berufsunfähigkeit von "voraussichtlich 6 Monaten" diagnostiziert? (üblicherweise § 2, Absatz 1)

    Bei der Definition des Begriffs "Berufsunfähigkeit" wird als Voraussetzung auch der Zeitraum bestimmt, den der Versicherte voraussichtlich berufsunfähig sein muss, damit die Leistungspflicht des Versicherers eintritt.

    Tipp Achten Sie darauf, dass die Formulierung nicht lautet "voraussichtlich dauernd außerstande", den dies würde laut Rechtsprechung einem Zeitraum von drei Jahren entsprechen. Gute BU-Bedingungen liegen dann vor, wenn der Prognosezeitraum verkürzt ist. Entsprechende Formulierungen lauten "voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen" oder "voraussichtlich mindestens 6 Monate".

     

  • Rückwirkende Anerkennung
    Leistet der Versicherer auch dann ab Eintritt der Berufsunfähigkeit (rückwirkend), falls die Berufsunfähigkeit von Beginn an nicht als solche zu erkennen war? (üblicherweise § 2, Absatz 3)

    Hier ist zu prüfen, ob der Versicherer auch dann die BU-Rente ab Eintritt der Berufsunfähigkeit zahlt, wenn diese zunächst nicht erkennbar war beziehungsweise der Arzt keine klare Prognose abgeben konnte. Formuliert der Versicherer in den Bedingungen: "So gilt die Fortdauer dieses Zustandes als Berufsunfähigkeit", so bedeutet dies, dass die BU-Rente erst ab dem 7. Monat gezahlt wird. Gute Bedingungen liegen dann vor, wenn der Versicherer in diesem Fall "von Beginn an", also rückwirkend leistet.
  • Rückwirkende Zahlung bei verspäteter Meldung
    Leistet der Versicherer bei einem verspätet angemeldeten Versicherungsfall rückwirkend (mindestens bis zu 3 Jahren)? (üblicherweise § 1, Absatz 3)

    Hinweis Melden Sie Ihre Berufsunfähigkeit umgehend (innerhalb der ersten drei Monate) nach Eintritt des Versicherungsfalles, ansonsten entsteht ein Leistungsanspruch erst mit Beginn des Monats, in dem die Mitteilung erfolgte. Einen Anspruch auf BU-Leistungen haben Sie in der Regel dann mit Ablauf des Monats, in dem die Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Eine verspätete Meldung könnte also zu Leistungseinbußen führen.

    Da es in der Praxis des Öfteren vorkommt, dass Meldungen verspätet erfolgen, beispielsweise weil der Versicherte durch einen schweren Unfall gehindert oder die BU als solche nicht sofort erkannt wurde, ist es sehr wichtig, dass auch bei verspäteter Meldung rückwirkend geleistet wird. Einige Versicherer haben daher den 3-Monats-Zeitraum auf bis zu 3 Jahre verlängert.

    Hinweis Haben Sie Leistungen aus einer Krankentagegeldversicherung erhalten und zudem rückwirkende Zahlungen durch Ihren BU-Versicherer, kann der Krankentagegeld-Versicherer seine Zahlungen zurückverlangen, da er ab Eintritt der Berufsunfähigkeit maximal drei Monate leisten muss. Es könnten daher Rückforderungen durch Ihren Krankentagegeld-Versicherer auf Sie zukommen.

     

  • Rücktrittsrecht des Versicherers
    Welche Fristen gelten für das Rücktrittsrecht des Versicherers aufgrund von Verletzungen der Anzeigepflicht des Versicherten? (üblicherweise § 9, Absatz 2)

    Im Antrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung haben Sie die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Verletzen Sie diese Anzeigepflicht, steht dem Versicherer innerhalb von 10 Jahren nach Vertragsabschluss ein Rücktrittsrecht zu. Da in vielen Anträgen immer noch sehr lange Zeiträume abgefragt werden, können unabsichtlich gemachte unrichtige, unvollständige oder unterlassene Angaben fatale Folgen haben. Günstig ist daher ein möglichst kurzes Rücktrittsrecht. Einige Versicherer haben diese Frist auf 5 oder sogar auf 3 Jahre verkürzt.

    Hinweis Haben Sie jedoch auf die Annahmeentscheidung durch "unrichtige oder unvollständige Angaben bewusst und gewollt" Einfluss genommen, bleibt dem Versicherer das Recht auf Anfechtung erhalten.

     

  • Schuldlose Obliegenheitsverletzung
    Verzichtet der Versicherer bedingungsgemäß auf die Anwendung des § 41 VVG? (unterschiedliche Fundstellen)

    Lag bereits bei Vertragsbeginn ein erhöhtes Risiko vor, das weder Ihnen noch Ihrem Versicherer bekannt war und aus diesem Grund schuldlos nicht angegeben wurde, greift § 41 VVG. Der Versicherer erhält damit das Recht, den Beitrag zu erhöhen bzw. den Vertrag zu kündigen. In guten BU-Bedingungen wird daher auf die Anwendung des § 41 VVG verzichtet.
  • BU-Leistung im Pflegefall
    Wird die BU-Leistung an den Kriterien der Pflegeversicherung gemessen?

    Die meisten Versicherer leisten, wenn der Pflegefall eingetreten ist und der erforderliche BU-Grad (noch) nicht erreicht ist. In der Regel wird es sich bei einem Pflegefall wohl aber auch um einen BU-Fall handeln.
    Der Grad der Hilfsbedürftigkeit wird in drei Stufen eingeteilt und zwar in:

    Stufe I (1. Fortbewegen im Zimmer, 2. Aufstehen und Zubettgehen, 3. An- und Auskleiden),

    Stufe II (4. Waschen, Kämmen und Rasieren, 5. Einnehmen von Mahlzeiten) und

    Stufe III (6. Verrichtung der Notdurft).

    In Pflegestufe III wird dann die volle Leistung, in Stufe II meist 70% und in Stufe I 50% gezahlt. Ist der BU-Grad von 50% erreicht, wird die vereinbarte Leistung unabhängig von der Pflegestufe fällig.
  • Beitragsstundung
    Stundet der Versicherer die Beiträge ab Meldung?

    Prinzipiell müssen Sie die Beiträge bis zur Entscheidung über die Leistungspflicht weiterzahlen und erhalten die zu viel gezahlten Beiträge nach Anerkennung zurück.

    Hinweis Prüfen Sie, ob der Versicherer bereit ist, auf Antrag die Beiträge während der Leistungsprüfung zu stunden und dafür keine Stundungszinsen zu berechnen.

     

  • Beitragsanpassungen
    Garantiert der Versicherer die Höhe der Bruttobeiträge während der Vertragslaufzeit? (unterschiedliche Fundstellen, § 6, § 9, § 23)

    § 172 VVG regelt das Recht des Versicherers auf Beitragsanpassungen während der Vertragslaufzeit. Hierzu ist die Einhaltung bestimmter Prozeduren sowie die Überprüfung durch einen unabhängigen Treuhänder notwendig, sollte sich der Leistungsbedarf zur ursprünglichen Kalkulation verändert haben. Verzichtet der Versicherer nicht auf sein Recht auf Beitragsanpassungen nach § 172 VVG, sind die Brutto- sowie die Nettobeiträge nicht über die gesamte Vertragslaufzeit garantiert.
  • Arztanordnungsklausel
    Verzichtet der Versicherer auf die Arztanordnungsklausel?

    Meist wird auf die Arztanordnungsklausel verzichtet. Hierdurch wären Sie verpflichtet "zumutbaren" Arztanordnungen Folge zu leisten. Der Versicherer könnte ansonsten die Leistung verweigern.
  • Ausschlüsse
    In welchen Fällen ist der Versicherungsschutz ausgeschlossen?

    Prüfen Sie, ob die Versicherungsbedingungen für Sie nicht hinnehmbare Ausschlüsse enthalten. Beispielsweise für die Beteiligung an Fahrtveranstaltungen mit Kraftfahrzeugen oder Ausschlüsse aufgrund der Luftfahrtklausel.
  • Geltungsbereich
    Ist der Versicherungsschutz auf Deutschland begrenzt?

    In der BU ist Versicherungsschutz bei normalen Urlaubsaufenthalten weltweit gegeben. Ist jedoch voraussehbar, dass Sie irgendwann längerfristig oder auf Dauer in das europäische oder außereuropäische Ausland verziehen, sollten Sie prüfen, ob die Versicherungsbedingungen hier Restriktionen vorsehen. Die meisten Versicherer regeln den Auslandsaufenthalt nicht, sodass dann auch Versicherungsschutz besteht. Es sind jedoch auch zeitliche Befristungen möglich. Tritt Berufsunfähigkeit ein, so muss diese in der Regel in Deutschland festgestellt werden.
  • Staffelregelung
    Ist anstatt der Pauschalregelung auch eine Staffelregelung vereinbar? Obwohl die Staffelregelung bei schleichenden Krankheiten besser greift, kommt es aufgrund der schwierigen Bestimmung des Invaliditätsgrads in der Praxis häufig zu Streit.

    Tipp Für risikoreiche und spezialisierte Berufe ist daher die Pauschalregelung (volle Rente ab 50%) günstiger.

     

  • Karenzzeiten
    Besteht die Möglichkeit Karenzzeiten zu vereinbaren?

    Stehen Ihnen in den ersten Monaten einer Berufsunfähigkeit Leistungen aus anderen Quellen zur Verfügung, sollten Sie prüfen, ob Ihr Versicherer die Möglichkeit zur Vereinbarung von Karenzzeiten bietet.
    Während der vereinbarten Karenzzeit erhalten Sie keine BU-Leistungen, zahlen damit aber weniger Beitrag.

    Hinweis Sehr günstig wäre es, wenn der Versicherer eine additive Karenzzeit bietet. Hierbei wird die Dauer einer ersten vorübergehenden Berufsunfähigkeit auf eine spätere angerechnet. Voraussetzung ist, dass die erneute Berufsunfähigkeit auf gleicher Ursache beruht und innerhalb von 2 Jahren eingetreten ist. Dies verkürzt dann die Wartezeit auf die neuerliche BU-Rente.

     

  • Anzeigepflicht
    Besteht Anzeigepflicht für einen Berufswechsel oder erhöhte Risiken?

    In der Regel müssen Sie einen Berufswechsel nicht anzeigen. Es gilt der Beruf als versichert, den Sie bei Eintritt des BU-Falls ausüben. Prüfen Sie aber, ob eine Berufsklausel vereinbart werden soll. Bei einem Berufswechsel könnte dann der zunächst geltende Verzicht auf abstrakte Verweisung für den neuen Beruf nicht weiter gelten.
  • Erhöhung der BU-Rente
    Besteht die Möglichkeit die Berufsunfähigkeitsrente nachträglich zu erhöhen?

    Es könnte der Wunsch entstehen, beispielsweise nach einer Heirat oder weil Sie sich selbstständig gemacht haben, die BU- Rente später zu erhöhen. Einige Versicherer sehen diese Möglichkeit auch ohne erneute Gesundheitsprüfung vor.
  • Dynamik des Haupttarifs im Falle einer BUZ
    Besteht im Falle einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung die Möglichkeit die Dynamisierung des Haupttarifs weiterzuführen?

    Haben Sie für den Haupttarif (Lebens- oder Rentenversicherung) eine Dynamik vereinbart, so endet diese, wenn Berufsunfähigkeit eintritt. Ist für Sie das Erreichen des Versorgungsziels unabdingbar, so sollten Sie prüfen, ob Ihr Versicherer, dann gegen Mehrbeitrag, die Dynamik des Haupttarifs im BU- Fall zu einem vereinbarten Prozentsatz weiterführt. Ansonsten wäre eine Steigerung des Todesfallschutzes und der Erlebensfallleistungen nur noch durch die Gewinnbeteiligung des Versicherers gegeben.

 

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