Wichtige Fragen und Antworten zur Lebensversicherung

Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung sinkt auch 2014 weiter. Im vergangenen Jahr wurden die Guthaben der Versicherten einer kapitalbildenden Lebensversicherung im Schnitt mit 3,66 Prozent verzinst. Eigentlich noch kein Grund, sich hinter anderen Anlageformen zu verstecken. Die Überschussbeteiligung setzt sich aus dem Garantiezins von aktuell 1,75 Prozent und einem Bonus zusammen. In älteren Verträgen kann die Überschussbeteiligung bis zu 4 Prozent betragen. Zu unterscheiden von der Überschussbeteiligung ist die Gesamtverzinsung, von der die Versicherer gerne sprechen. Diese bezieht sich auf auslaufende Verträge und ist in der Regel höher, weil in ihr noch Gewinn aus anderen Töpfen der Lebensversicherung einfließen.

Bereits ¾ der 40 großen Lebensversicherer haben ihre Überschussbeteiligung für 2014 gesenkt. Doch die Bereitschaft zur Information ist bei den meisten Lebensversicherern nicht sehr hoch. Ratingagenturen wie beispeilsweise Assekurata oder der Map-Report erhalten von einigen Versicherern seit längerem bereits keine Daten mehr. Hierzu zählen nach Handelsblatt Online die MÜNCHENER VEREIN Lebensversicherung a.G., die Uelzener Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft, die VPV Lebensversicherungs-AG und die WWK Lebensversicherung a.G. Auf der Internetseite der Uelzener ist nachzulesen, dass diese ihr Neugeschäft in der Lebensversicherung zum 01. Januar 2014 eingestellt hat.

Susanne Meunier - Private AltersvorsorgeMichael Opoczynski - WISO: AltersvorsorgeIsabell Pohlmann - Altersvorsorge für Selbstständige

Nach Berechnungen von Handelsblatt Online sinkt die Überschussbeteiligung 2014 im Branchenschnitt auf ca. 3,4 Prozent. Rund 40 Prozent bleiben sogar unter diesem Wert, vielen liegen bereits bei 3 Prozent und nur wenige erreichen nich 4 Prozent.

Warum sinkt die Überschussbeteiligung Jahr für Jahr?

Die Lebensversicherer legen die Kundengelder zum Großteil in festverzinslichen Wertpapieren an. Doch diese bringen seit Jahren nur wenig Zinsen, im Schnitt wurde eine 10-jährige Bundesanleihe 2013 mit nur 1,6 Prozent verzinst. Mit den Anleihen großer Firmen wie BMW, BASF, Siemens oder der Deutschen Telekom sieht es ähnlich aus. Mit ihren 3,x Prozent liegen die Lebensversicherer damit immer noch über dem aktuellen Zinsniveau, jedoch nur deshalb, weil sie noch von älteren, höher verzinsten Anlagen profitieren können. Doch wie lange noch?

Bekommen die Lebensversicherer aufgrund des niedrigen Zinsniveaus Probleme?

Die Bundesbank hat ausgerechnet, dass über 30 Prozent der Lebensversicherer in den nächsten zehn Jahren Probleme bekommen könnte. Denkbar wäre dann sogar, dass die eigentlich garantierten Zinsen gesenkt werden müssten. Nach Modellrechnung und der Einschätzung der Bundesregierung ist bis 2018 nicht zu erkennnen, dass die aktuellen Niedrigzinsphase einen deutschen Lebensversicherer in  Gefahr bringen könnte.

Die Aktienmärkt boomen, warum profitieren die Versicherer nicht davon?

Wie bereits erwähnt, legen die Versicherer die Kundengelder hauptsächlich in festverzinslichen Wertpaieren an. Dies ist vor allem dem Aktiencrash im Jahr 2000 geschuldet. Aktienanlage können zwar höhere Rendinten bringe, sind aber auch viel riskanter. Zur Absicherung der Gelder muss jede Aktienanlage daher durch einen hohen Eigenanteil gegenfinanziert werden. Und dies können sich nur die wenigsten, finanzstarken Versicherer leisten. Aus diesem Grund liegt der Anteil an Aktieninvestments bei unter 5 Prozent.

Gibt es Unterschiede zwischen den Lebensversicherern?

Nach Angaben des PKV-Wiki liegt die Überschussbeteiligung 2014 im Branchenschnitt bei 3,39 Prozent. Die Spanne reicht von 3 Prozent bei HDI, Swiss Life oder der Victoria bis zu 4  Prozent bei der Heidelberger, Ideal und Targo Lebensversicherung. Vielen liegen nur wenig über Branchenniveau wie beispielsweise Ergo, HanseMerkur und die R+V bei 3,4 Prozent, die AachenMünchener, Continentale, HUK-Coburg und WGV bei 3,5 Prozent sowie die Allainz und die Debeka bei 3,6 Prozent.

Welche Auswirkungen hat die sinkende Überschussbeteiligung auf Bestandskunden?

Wer eine Lebens- oder Rentenversicherung sein eigen nennt, muss sich darauf einstellen, dass die einmal prognostizierte Ablaufleistung bzw. die monatliche Rente weiter sinkt. Denn diese werden mit den aktuellen Überschüssen auf die Restlaufzeit hochgerechnet. Überprüfen lässt sich das leicht, wenn man die Jahresmitteilungen seiner Lebensversicherung aus den Vorjahren vergleicht.

Kann die Überschussbeteiligung unter den Garantiezins sinken?

Im Prinzip schon, doch in diesem Fall bekommt man als Kunde den bei Vertragsabschluss festgelegten Garantiezins. Darunter geht nichts. Wer einen älteren Vertrag mit einem Garantiezins von 3,5 oder sogar über 4 Prozent besitzt, kann sich glücklich schätzen, denn die Versicherer sind an ihre damalige Zusage gebunden. Für den Versicherer ist die Erfüllung ihrer einmal gemachten Verpflichtung nicht leicht. Seit 2011 müssen sie, um ihre Altkunden zu befriedigen, eine Zinszusatzreserve bilden. Doch dies zu Lasten der übrigen Kunden, den das Geld wird von deren Überschussbeteiligung abgezwackt.