Kfz Wechselkennzeichen - Vorteile und Nachteile

Ramsauer Wechselkennzeichen, Quelle BMVBSAb dem 2. Juli 2012 können zwei Kraftfahrzeuge, die derselben EU-Fahrzeugklasse angehören, mit nur einem Nummernschild abwechselnd gefahren werden. Also beispielsweise zwei Pkw, zwei Motorräder oder ein Pkw mit einem Campingfahrzeug. Das Wechselkennzeichen-Schild besteht aus zwei Komponenten, einem gemeinsamen Kennzeichenteil, das an dem Fahrzeug montiert wird, das gefahren werden soll, und einem fahrzeugbezogenen Kennzeichenteil, das fest am Fahrzeug angebracht wird. Das Wechselkennzeichen bringt Vorteile, aber auch einige Nachteile. So können beide Fahrzeuge nur eingeschränkt genutzt werden, es kommen zusätzliche Kosten für die Zulassung und die Kennzeichenschilder auf einen zu und Steuervorteile gibt es auch nicht.

Für welche Fahrzeuge gibt es das Wechselkennzeichen?

Wer ein Wechselkennzeichen einsetzen möchte, sollte sich zunächst an seine zuständige Zulassungsbehörde wenden. Denn bei der Vergabe, sind viele unterschiedliche Punkte zu berücksichtigen, zuerst einmal die Frage nach der EU-Fahrzeugklasse:

  • M1: Pkw bis 8 Personen + Fahrer und Wohnmobile
  • L: Motorräder, Kleinkrafträder und Quads
  • O1: Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 750 kg 

Ein Wechselkennzeichen ist lediglich bei den oben genannten Fahrzeugklassen einsetzbar und nur dann, wenn beide Fahrzeuge derselben Klasse angehören. So ist beispielsweise die Kombination Pkw und Wohnmobil möglich, nicht aber eine Kombination aus Pkw und Motorrad. Zudem müssen die Anzahl und die Abmessungen der Kennzeichenschilder für beide Fahrzeuge identisch sein. Des Weiteren muss die Zulassung der Fahrzeuge über einen Halter erfolgen, eine Zulassung des einen Fahrzeugs über den Mann und des zweiten über die Frau wäre nicht erlaubt. Unzulässig sind Wechselkennzeichen bei Versicherungskennzeichen, Saisonkennzeichen, Kurzzeitkennzeichen und Ausfuhrkennzeichen.

Wie sieht das Wechselkennzeichen aus und können beide Fahrzeuge gleichzeitig gefahren werden?

Ramsauer Wechselkennzeichen Quelle BMVBSJedes Fahrzeug erhält ein individuelles Kennzeichen, das aus zwei Komponenten besteht:

  • gemeinsames Kennzeichenteil
    großes Wechselteil, das für beide Fahrzeuge identisch ist und auf der linken Seite angebracht wird
  • individuelles Kennzeichenteil
    fahrzeugbezogenes Teil, das fest auf der rechten Seite montiert wird

Nur beide Teile gemeinsam bilden ein vollständiges für den Straßenverkehr zugelassenes Wechselkennzeichen.

Als Aktivfahrzeug wird das Fahrzeug mit dem vollständigen Wechselkennzeichen, also beiden Teilen zusammen, bezeichnet. Bei dem anderen Fahrzeug verbleibt lediglich der individuelle Teil, es handelt sich daher um das Passivfahrzeug.

Achtung: Die beiden mit dem Wechselkennzeichen zugelassenen Fahrzeuge können nicht gleichzeitig gefahren werden.

Nur das Fahrzeug mit dem vollständigen Wechselkennzeichen darf im Straßenverkehr bewegt werden. Dennoch sind beide Fahrzeuge die ganze Zeit über zugelassen und versichert.

Wichtig: Wer sein Fahrzeug ohne oder mit unvollständigem Kennzeichen nutzt, gefährdet seinen Versicherungsschutz. Denn die Versicherer sind bei Schäden oder Unfällen berechtigt, Leistungen zu kürzen oder vollständig leistungsfrei.

Was gibt es bei der Zulassung zu beachten?

An der Zulassungsbehörde führt kein Weg vorbei, denn nur sie kann beurteilen, ob die Voraussetzungen zur Erteilung eines Wechselkennzeichens erfüllt sind. Sind alle Bedingungen erfüllt, erfolgt die Zuteilung eines Wechselkennzeichens alleine dann, wenn für beide Fahrzeuge gleichzeitig eine VB (Versicherungsbestätigung) vorgelegt wird.

Für Zulassung und Kennzeichenschilder muss mit Kosten von mindestens 100 € gerechnet werden.

Achtung: Bei Verkauf oder Abmeldung eines der Fahrzeuge kann das verbleibende Fahrzeug weiter mit dem zugeteilten Wechselkennzeichen gefahren werden und zwar dauerhaft.

Welche Besonderheiten gibt es bei der Versicherung zu beachten?

Pro Fahrzeug besteht ein eigener Versicherungsvertrag, so wie bei einem normalen Dauer-Kennzeichen auch. Das bedeutet unter anderem:

  • der Kontrahierungszwang (Annahmezwang) der Versicherer in der Kfz-Haftpflichtversicherung gilt ebenso für Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen
  • jeder Vertrag erhält seine eigene Einstufung in den Schadenfreiheitsklassen für Haftpflicht und Vollkasko (SF-Klassen), d. h., jeder Vertrag wird auf Basis des vertragsbezogenen Schadensverlaufs und ohne Abhängigkeit zu weiteren Verträgen eigenständig hoch- bzw. rückgestuft
  • das Passivfahrzeug ist voll versichert. Entgegen dem Versicherungsschutz bei abgemeldeten Fahrzeugen mit normalem Kennzeichen, die nach Abmeldung über die Ruheversicherung geschützt sind, genießt das Passivfahrzeug den vollen Versicherungsschutz in Haftpflicht und Vollkasko, so wie dieser im individuellen Versicherungsvertrag festgelegt wurde. Erst wenn ein Fahrzeug mit Wechselkennzeichen abgemeldet wird, greifen die üblichen Bestimmungen zur Ruheversicherung.

Achtung: Die Versicherungsverträge für die beiden Fahrzeuge müssen nicht beim selben Versicherer bestehen. Daher kann ein Fahrzeug bei der Pfefferminzia und das andere bei der LottaViktualia versichert sein.

Zusammenfassende Betrachtung

Jeder sollte selbst entscheiden, ob Wechselkennzeichen für ihn die erste Wahl sind und die Vor- und Nachteile genauestens gegeneinander abwägen.

  • Einschränkung beim Gebrauch der Fahrzeuge
    Nur das Fahrzeug mit dem vollständigen Wechselkennzeichen (Aktivfahrzeug) darf im öffentlichen Verkehrsraum gefahren und geparkt werden
  • Kosten
    Die Kosten für Zulassung und Kennzeichenschilder betragen mindestens 100 €
  • Keine Steuervorteile
    Steuervorteile sind mit dem Wechselkennzeichen nicht verbunden.

Empfehlungen

  • ein Dauerkennzeichen empfiehlt sich, wenn beide Fahrzeuge alltäglich genutzt werden
  • ein Saisonkennzeichen ist weiterhin dann empfehlenswert, wenn beide Fahrzeuge nicht ganzjährig genutzt werden. Das ist zum einen einfach und bequem und zum anderen kostengünstig wegen der geringeren Versicherungsprämie.

 

Beiträge für Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen

Im Gegensatz zum Saisonkennzeichen werden die Versicherungsprämien bei Wechselkennzeichen wohl nicht so günstig sein. Beim Saisonkennzeichen bezahlt der Kunde ja tatsächlich nur den Beitrag für den Zeitraum, in dem das Fahrzeug genutzt wird, also beispielsweise von April bis Oktober. Beim Wechselkennzeichen besteht für beide Fahrzeuge ganzjährig Versicherungsschutz. Zu erwarten ist, dass ein Beitragsnachlass gewährt wird, der um die 5 bis 15 Prozent liegen könnte. Möglicherweise werden einige Versicherer den Beitragsnachlass nur dann gewähren, wenn beide Fahrzeuge bei der selben Versicherungsgesellschaft versichert sind und bleiben.

Tipp: Fragen Sie also vorab die Beiträge für ein Dauerkennzeichen ab, bevor sie die Prämie für ein Wechselkennzeichen nachfragen.

Für zusätzliche Risiken und Leistungen wie Schutzbrief, Ausland-Schadenschutz, Fahrer(unfall)schutz und Beitragszuschläge für Sonderausstattung wird es keinen Nachlass geben.

Weiterführende Informationen zur Kfz-Versicherung sowie einen Versicherungsvergleich von Kfz-Versicherungen finden Sie auf unseren Seiten.