Weihnachtsfeier im Betrieb 

Feste stärken das Betriebsklima, aber wie feste darf gefeiert werden?

Alljährlich zur Adventszeit lädt die Firma zur Weihnachtsfeier und die Belegschaft freut sich auf eine Abwechslung vom grauen Arbeitsalltag. Häufig finden die Feste auch außerhalb der Firmenräume statt. Doch wie steht es um den Versicherungsschutz der Teilnehmer, wenn beispielsweise ein Unfall auf der Heimfahrt passiert? "Das hängt davon ab, ob es sich um eine offizielle Weihnachtsfeier handelt", erklärt Anne Kronzucker, Juristin und Expertin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Eine Weihnachtsfeier ist dann offiziell, wenn sie die Unternehmensleitung veranstaltet oder billigt, wenn sie allen Mitarbeitern offen steht und ein Vorgesetzter anwesend ist. Bei Erfüllung all dieser Kriterien genießen die Mitarbeiter während dieser Zeitspanne gesetzlichen Unfallschutz. 

Versicherungsschutz rund um die Weihnachtsfeier
Bei dienstlichen Weihnachtsfeiern gilt derselbe gesetzliche Unfallversicherungsschutz wie bei der beruflichen Tätigkeit. Voraussetzung ist allerdings, dass das Unternehmen selbst die Feier anberaumt und ausrichtet. "Der Versicherungsschutz umfasst Anfahrt und Heimfahrt zum und vom Veranstaltungsort, auch wenn dieser außerhalb der Betriebsräume liegt, sowie Aktivitäten während der Feier", erläutert die D.A.S Expertin. Steht beispielsweise gemeinsames Schlittschuhlaufen auf dem Programm und ein Mitarbeiter knickt mit dem Fuß um, so wird dies versicherungstechnisch als Arbeitsunfall behandelt. Den Schutz der Unfallversicherung genießen sowohl Angestellte als auch freie Mitarbeiter des Unternehmens (Landessozialgericht NRW, Az.: L 17 U 315/04); Freunde, Familienangehörige oder Firmenkunden dagegen nicht. Von Mitarbeitern organisierte Feste, selbst mit Billigung des Betriebes, fallen prinzipiell nicht unter diesen Versicherungsschutz. 

Auch Fahrgemeinschaften mit Kollegen zur Feier und wieder zurück sind abgesichert. "Ist bei Unfällen starker Alkoholkonsum im Spiel, ist der Versicherungsschutz gefährdet", warnt Anne Kronzucker. Zudem ist der Schutz auf den direkten Hin- und Rückweg beschränkt. Für den Abstecher auf dem Weg zum Fest oder für den Kneipenbesuch auf dem Heimweg gilt der Versicherungsschutz im Rahmen der Betriebsfeier nicht mehr. So wies im folgenden Fall das Hessische Landessozialgericht die Klage einer Frau auf Hinterbliebenenrente zurück: Ihr Mann hatte auf dem Heimweg von einer Betriebsfeier einen Umweg genommen und war dabei tödlich verunglückt (Az.: L 3 U 139/05). 

Anwesenheitspflicht?
Nicht alle Menschen schätzen Betriebsfeiern. Ob jeder Mitarbeiter an der Weihnachtsfeier teilnehmen muss, hängt von der Art der Feier ab. "Wird im Rahmen der Arbeitszeit eine festliche Mitarbeiterversammlung mit Rede angekündigt, so sollte man der Einladung wie bei jeder Mitarbeiterversammlung nachkommen", rät die D.A.S. Juristin. Dies empfiehlt sich auch für das üblicherweise am Nachmittag angesetzte Plätzchenessen mit Glühwein in der Abteilung. Findet die Weihnachtsfeier jedoch außerhalb der Arbeitszeit - also abends - statt, so ist kein Mitarbeiter zur Teilnahme verpflichtet. 

Nicht über die Stränge schlagen!
Gutes Essen, entspannte Atmosphäre und ein paar Gläser Wein - und schon kommt man sich näher. Das ist zwar förderlich für das Betriebsklima, aber Vorsicht ist geboten: "Generell gilt die Weihnachtsfeier als betriebliche Veranstaltung", warnt die D.A.S. Expertin. "Mancher Vorgesetzte nutzt die Gelegenheit, um zu testen, ob sein Mitarbeiter die gesellschaftlichen Regeln beherrscht." Deshalb sind Gesprächsthemen wie Gehaltserhöhungen, Kollegenschelte oder Verbesserungsvorschläge fehl am Platz. Auch ein Flirt in feucht-fröhlicher Stimmung kann schnell als sexuelle Belästigung angesehen werden und die Beleidigung des Vorgesetzten führt im schlimmsten Fall sogar zur fristlosen Kündigung (Landesarbeitsgericht Hamm, Az.: 18 Sa 836/04). "Das Weihnachtsfest mit Kollegen dient weder als Karrieresprungbrett noch als Möglichkeit, Frust abzuladen", so Anne Kronzucker. "Genießen Sie einfach den Abend - aber in Maßen." Und wenn sich der Chef am nächsten Tag nicht mehr an die Verbrüderung vom Vorabend erinnern will, sollten Sie ihn wieder Siezen.

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