Versicherungen: Was bringen die neuen Unisex-Tarife?

Nach einer aktuellen Umfrage kennen viele Menschen die Bedeutung des Unisex-Tarifs, der 2013 eingeführt wird, nicht oder haben falsche Vorstellungen davon. Unisex bedeutet, künftig gibt es einheitliche Versicherungstarife mit gleichen Konditionen für Männer und Frauen.  Hierdurch werden die Beiträge für viele Versicherungen angepasst – aber in welche Richtung? Bei einigen Versicherungen wird es für Männer teurer, bei anderen für Frauen – es geht aber auch umgekehrt. Wir erklären, welche Entwicklung die Versicherungsbeiträge nehmen und welche Maßnahmen sinnvoll sind, um sich den jeweils günstigen Versicherungsschutz zu sichern.

Aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) wird es Einheitstarife mit gleichen Prämien für Männer und Frauen geben. Neu ist die Maxime allerdings nicht: Kunden mit Riester-Rentenversicherungen kennen das Prinzip bereits seit 2006 – hier zahlen beide Geschlechter für die gleiche Leistung auch den gleichen Beitrag – trotz einer unterschiedlicher Lebenserwartung. Neu ist allerdings, dass ab 2013 alle neu abgeschlossenen Verträge nach Unisex-Tarif gerechnet werden müssen. Kunden mit Altverträgen sind dagegen nicht betroffen, hier gilt Bestandsschutz, bestehende Verträge werden nicht automatisch auf die neuen Einheitstarife umgestellt.

In der Kfz-Versicherung zahlen junge Frauen bislang weniger als junge Männer, da sie vorsichtiger fahren und daher weniger Unfälle produzieren. 20-jährige Fahrerinnen zahlen zur Zeit etwa 20 Prozent weniger Prämie als ihre gleichaltrigen Geschlechtsgenossen. Ab 2013 zahlen beide Geschlechter gleiche Beiträge – für Frauen wird es dann teurer, für Männer günstiger.

Kfz-Versicherungen im Vergleich    

In der privaten Krankenversicherung ist es genau umgekehrt, da Frauen ihre PKV häufiger in Anspruch nehmen. Hier steigt der Beitrag für Männer nach aktuellen Berechnungen im Verhältnis weitaus stärker als die Beitragsreduzierung für Frauen ausmacht. So werden Männer zwischen 25 und 40 Jahren für die neuen Unisex-Tarife 15 bis 20 Prozent mehr zahlen müssen, als in den zur Zeit geltenden Tarifen. Für Männer ab 45 liegen die Beitragssteigerungen um 10 Prozent. Dagegen werden die Beiträge für Frauen bis 45 Jahre nur um etwa 5 Prozent sinken, Frauen bis zum 55 Lebensjahr zahlen nur etwa 3 Prozent weniger. Diese Prognose basiert auf Durchschnittswerten, die tatsächlichen Differenzen sind stark vom aktuellen Anteil männlicher und weiblicher Versicherten abhängig. Bei Versicherern mit traditionell hohem Frauenanteil aufgrund der vielen Beamten, wie Debeka und HUK-Coburg, die etwa 50 Prozent Frauenanteil in den Beihilfetarifen haben, werden die Beitragsänderungen daher nicht so dramatisch ausfallen.

Wie groß allerdings die Beitragsdifferenzen tatsächlich sein werden, hängt maßgeblich vom tatsächlichen „neuen“ Verhältnis zwischen Frauen und Männern in den Unisex-Tarifen ab. Aktuell sind etwa zwei Drittel der 7,3 Millionen privat Versicherten Männer, ein Drittel Frauen. Bei den prognostizierten Beitragssteigerungen wird es sich für Männer ab 2013 kaum lohnen, von der gesetzlichen in die Private zu wechseln. Auch ein Wechsel von einem Bestands- in den neuen Unisex-Tarif wird bei Männern nicht stattfinden. Für bereits private versicherte Frauen kann der Tarifwechsel im neuen Jahr jedoch lohnen.

Männer, die beabsichtigen, in die private Krankenversicherung zu wechseln, sollten dies in diesem Jahr tun, um sich so den günstigen „Alt-Tarif“ zu sichern. Frauen sollten auf den neuen Unisex-Tarif warten.

Private Krankenversicherungen im Vergleich    

In der Berufsunfähigkeitsversicherung bzw. der Dienstunfähigkeitsversicherung zahlen Männer zur Zeit mehr als Frauen, da sie häufiger berufsunfähig werden. Jedoch nehmen hier andere Merkmale weitaus mehr Einfluss auf die Beitragshöhe, wie beispielsweise der Beruf, das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand und andere risikosteigernde Merkmale, wie gefährliche Sportarten und Hobbys.

Für Männer kann sich daher das Warten auf den Unisex-Tarif lohnen. Sie sollten jedoch beachten, dass sich bei Abschluss im nächsten Jahr das Eintrittsalter erhöht. Somit kann die Ersparnis aufgrund des Einheitstarifs durch die Beitragsteigerung aufgrund des erhöhten Eintrittsalters wieder aufgefressen wird. Frauen sollten noch in diesem Jahr abschließen.

Berufsunfähigkeitsversicherungen im Vergleich    

Gerade in der privaten Rentenversicherung spielt das Geschlecht eine gewichtige Rolle bei der Beitragskalkulation. Da Frauen statistisch gesehen eine längere Lebenserwartung haben, erhalten diese ihre Rente länger als Männer. Für die gleiche monatliche Privatrente zahlen Frauen daher zur Zeit  die höhere Prämie. Mit den Unisex-Tarifen ändert sich das, der Beitrag wird für Frauen fallen und die Leistung steigen, Männer müssen dagegen  mit steigenden Prämien und fallenden Leistungen kalkulieren.

Männer sollten daher noch in diesem Jahr abschließen. Frauen unter Beachtung des Eintrittsalters erst in 2013.

Rentenversicherungen im Vergleich    

Auch in der Kapital-Lebensversicherung bzw. in der Risikoversicherung gibt es geschlechtsabhängige Versicherungsprämien. Männer sterben in der Regel früher als Frauen. Aufgrund der kürzeren Lebenserwartung zahlen Männer höhere Beiträge und erhalten für die gleichen Einzahlungen im Vergleich zu Frauen die geringere Leistung. Auch dies ändert sich mit den Einheitstarifen in 2013. Männer und Frauen erhalten dann bei gleichem Beitrag die gleiche Leistung – Frauen müssen also mit steigenden, Männer mit sinkenden Beiträgen rechnen.

Wer also plant eine Kapitallebens- oder Risikoversicherung abzuschließen, sollte dies als Frau noch in diesem Jahr tun, Männer das Vorhaben eventuell auf das nächste Jahr verschieben. Aber auch hier gilt: unbedingt auf das Eintrittsalter achten!

Kapital-Lebensversicherungen im Vergleich    

Risikoversicherungen im Vergleich    

Der EuGH hat sich in seinem Urteil vom 01 März 2011 zwar nur mit der privaten Lebensversicherung befasst, sodass die betriebliche Altersvorsorge (bAV) formal nicht betroffen ist. Da sich das Urteil des Europäischen Gerichtshof auf die „Charta der Grundrechte der EU“ bezieht, tangiert dies die bAV zunächst nur mittelbar. Einige Versicherer führen aber auch hier bereits 2013 Unisex-Tarife ein, um eventuellen Klagen von Versicherten gegen ihre Arbeitgeber vorzubeugen, die wegen eines Verstoßes gegen das Gleichbehandlungsgebot vor Gericht ziehen könnten.