Verkehrsregeln gelten auch für Skifahrer

Wer sich als Skifahrer auf die Piste begibt, sollte die FIS-Regeln kennen. Es sind die allgemeinen Verhaltensregeln des Internationalen Ski-Verbandes für Skifahrer und Snowboarder, die weltweite Geltung haben und der mit StVO für den Straßenverkehr gleichgesetzt werden können. Den auch auf der Abfahrt gilt: Wer auffährt hat Schuld. Bei Rechtsstreitigkeiten orientieren sich Gerichte bei ihren Urteilen an den FIS-Regeln. Wer als Snowboarder oder Skifahrer einem Vorausfahrenden auffährt, muss für die eventuell eintretenden Folgen vollumfänglich aufkommen.

Dies bestätigt auch das Urteil des Oberlandesgerichts München (20 U 4661/10), das zu entscheiden hatte, ob einer Teilnehmerin an einem Skikurs Schadenersatz und Schmerzensgeld zustand. Diese wurde während einer Übungstour, bei der den Teilnehmern im Vorfeld die Route und das Ziel erläutert worden war, von einem anderen Teilnehmer von hinten angefahren und verletzt. Dies passiert, als sie zum Ende der Tour die Spur wechselte, um aufs Ziel zuzusteuern. Das Gericht berief sich in seiner Urteilsverkündung auf die FIS-Regel 3 (Wahl der Fahrspur), die lautet: Der von hinten kommende Skifahrer oder Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet. Im Urteil wird als der Vorrang des Vorausfahrenden bestätigt, der Nachfolgende muss also vorausschauend fahren und einen genügenden Sicherheitsabstand einhalten.

Wintersportler sollten sich die 10 FIS-Regeln gut einprägen, denn Gerichte legen sie ihren Urteilen zugrunde.

Die 10 FIS-Regeln:

  1. Rücksicht auf die anderen Skifahrer und Snowboarder
    Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt oder ihn in der Ausübung seiner Tätigkeit einschränkt.
  2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise
    Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.
  3. Wahl der Fahrspur
    Der von hinten kommende Skifahrer oder Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet.
  4. Überholen
    Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.
  5. Einfahren und Anfahren
    Jeder Skifahrer und Snowboarder, der in eine Skiabfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder Hang aufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.
  6. Anhalten
    Jeder Skifahrer und Snowboarder muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.
  7. Aufstieg und Abstieg
    Ein Skifahrer oder Snowboarder, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen.
  8. Beachten der Zeichen
    Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die Markierung und die Signalisierung beachten.
  9. Hilfeleistung
    Bei Unfällen ist jeder Skifahrer und Snowboarder zur Hilfeleistung verpflichtet.
  10. Ausweispflicht
    Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Wer sich nicht an die FIS-Regeln hält und einen Unfall verursacht, muss dafür voll haften. Und die Kosten beschränken sich dabei in der Regel nicht auf den Ersatz von Skiern oder Ausrüstung. Wird jemand bei einem Skiunfall schwer verletzt, kommen Schmerzensgeld, Verdienstausfall und Behandlungskosten dazu, bei dauerhaften Schädigungen eventuell sogar lebenslange Rentenzahlungen. Der Schädiger haftet für all diese Kosten mit seinem Privatvermögen, es sei denn er besitzt eine Privat-Haftpflichtversicherung, die für alle Schäden aufkommt.

Fehlt die private Haftpflichtversicherung, könnte das Opfer auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben. Gut wer dann in seine eigene Haftpflichtversicherung den Forderungsausfall als Zusatzpaket eingeschlossen hat. Hiermit würde der eigene Versicherer die Kosten übernehmen, wenn der Schädiger die Ansprüche nicht erfüllen kann, wenn der Schädiger also keine Haftpflicht hätte, oder er die Forderungen aus seinem Privatvermögen nicht bezahlen kann.

Jeder der sich auf die Piste begibt, sollte zudem über eine private Unfallversicherung verfügen, im Invaliditätsfall hilft. Leistungen vom Unfallversicherer gibt es übrigens unabhängig davon, ob der Geschädigte durch den Unfallverursacher entschädigt wurde oder nicht.