Sparpotenzial in der Autoversicherung gibt es mehr denn je

Die spannendste Zeit für den Autofahrer ist wieder einmal in vollem Gange: Die Beitragsrechnungen für das Jahr 2012 trudeln so langsam ein. Und spannend wird es allemal, schließlich ändert sich im kommenden Jahr so einiges. Zum einen bleibt nach jahrelangem Preiskampf vielen Kfz-Versicherern nichts anderes übrig, als ihre Beiträge kräftig anzuheben, Experten sprechen im Schnitt von etwa 5 Prozent, in der Spitze sogar bis zu 30 Prozent. Denn im Schnitt machten die Autoversicherer im letzten Jahr mit jedem Vertrag 7 Euro Verlust. Dieser ruinöse Wettbewerb führte dazu, dass der Billiganbieter Ineas pleite ging. Zum anderen folgen einige Anbieter den Empfehlungen des GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft) und gestalten ihre Tarife um. Die wichtigste Neuerung ist wohl die Erweiterung der Rabattstaffel – insbesondere Fahranfänger und langjährig schadenfreie Verträge werden dadurch begünstigt.

Steigende Prämien veranlassen wohl auch in diesem Jahr wieder viele Autofahrer, den Versicherer zu wechseln. Zwar liegt das Beitragsniveau insgesamt höher, doch ein Vergleich lohnt immer, und erhöht der eigene Versicherer den Beitrag, unterbietet ein anderer eventuell erheblich. Einem Wechsel – gleiche Leistungen vorausgesetzt – steht damit nichts im Wege. Der GDV rechnet in diesem Jahr mit etwa 2 Millionen Wechslern, die Zahl derjenigen, die vergleichen, sich dann aber doch nicht für einen Wechsel entscheiden, liegt bedeutend höher.

Wie bereits erwähnt, wird die Neuordnung des Schadenfreiheitsrabatt-Systems den größten Einfluss auf den Beitrag haben. Insbesondere junge sowie versierte Fahrer werden am meisten profitieren. Wurde der Einstieg für den Anfänger bislang mit 240 Prozent (SF 0) bzw. 140 Prozent (SF ½) bestraft, gelten nun Beitragssätze für die SF 0 von 95 Prozent bzw. 75 Prozent für die SF ½. Der tatsächliche Beitrag wird sich damit zwar nicht halbieren, da weitere prämienrelevante Merkmale für den Anfänger berücksichtigt werden. Eine spürbare Entlastung wird es dennoch geben, vor allem soll es jungen Fahrer damit ermöglicht werden, direkt eine eigene Police abzuschließen.

Als zweiter Profiteur können ältere Fahrer ausgemacht werden, die seit langem unfallfrei fahren. Bislang war bei der SF 25 (25 schadenfreie Jahre) und 30 Prozent Beitragsatz Schluss. Durch die Erweiterung der SF-Klassen auf 35 wird der Beitragssatz auf 20 Prozent abgesenkt. Auch dieser Fahrerkreis kann damit erheblich einsparen. Wer nicht weiß, welche SF-Klasse im tatsächlich zusteht, sollte seinen Versicherer nach dem Rabattgrundjahr fragen. Dieses wird für die Haftpflicht und die Kasko separat geführt. Anhand des Rabattgrundjahres kann dann die SF-Klasse errechnet werden, indem dieses einfach vom aktuellen Jahr subtrahiert wird. Jemand der bereits seit 1971 schadenfrei fährt, würde demnach in die SF-Klasse 2012 minus 1981 = 31 eingestuft, der Beitragsatz könnte somit bei 22 Prozent liegen.

Aber irgendetwas kann doch hier nicht stimmen? Die Prämien steigen aber die oben genannten Fahrer zahlen weniger, irgendeiner muss die Zeche doch zahlen? Nun, es wird wohl den ganzen Rest treffen, also den durchweg normalen Fahrer, der mal wieder zur Kasse gebeten wird.

Haben die Autoversicherer in der Vergangenheit versucht, ihre Bestandskunden in Ruhe zu lassen, werden diese mit einer „leichten Anpassung ihrer Prämien“ rechnen müssen. Wie hoch dieser „leichte Anstieg“ aussehen wird, für viele wahrscheinlich zu hoch. Wer sparen will, sollte daher nach Erhalt der Rechnung einen Kfz-Versicherungsvergleich durchführen. Die reguläre Kündigung muss bis zum Stichtag 30. November beim Versicherer eingegangen sein, was viele nicht wissen, ist eine Kündigung aber auch später noch möglich. Nach Erhalt der Rechnung hat jeder Kunde für den Fall der Beitragserhöhung ein vierwöchiges Sonderkündigungsrecht. Kommt die Rechnung beispielsweise erst am 20. November, kann noch bis zum 20. Dezember gekündigt werden.

Hier unsere Tipps für diejenigen, die Geld sparen wollen:

  • Fragen Sie zunächst Ihren Versicherer, ob dieser einen neuen Tarif anbietet und ob dieser eventuell günstiger ist, als der aktuelle. Die Leistungen sollten natürlich stimmen. Lassen Sie sich nicht von einem guten in einen Billigtarif schieben. Gespart werden kann beispielsweise durch Wandlung einer Vollkasko in eine Teilkasko oder die Anpassung von beitragsrelevanten Merkmalen. Die jährliche Fahrleistung trägt z. B. erheblich zum Beitrag bei, prüfen Sie also, ob die angegebene Fahrleistung nicht heruntergesetzt werden kann. Stellen Sie auch die weiteren Merkmale auf den Prüfstand.

  • Führen Sie einen Versicherungsvergleich durch, zum Beispiel bei den großen Portalen Tarifcheck24 und Transparo. Achten Sie auf die gebotenen Leistungen – der Beitrag allein sollte nicht ausschlaggebend sein. In der Regel sind die Leistungen bei den billigsten Anbietern extrem eingeschränkt. Und es nutzt niemandem, wenn der Versicherer im Ernstfall nicht zahlt.