Skilehrer muss für Sicherheit seiner Schützlinge sorgen

Im Schadensfall haftet Skischule für Versäumnisse ihrer Mitarbeiter


Deutlich mehr als ein Drittel der Deutschen betreiben aktiv Wintersport - vor allem Ski-Kurse für Kinder verzeichnen trotz schwindender Schneesicherheit weiterhin hohen Zulauf. Aber längst nicht alle sind dabei routiniert auf Kufen und Brettern unterwegs. Verunglückt dann ein Teilnehmer während der Ausbildung, berufen sich die Veranstalter meist auf einen verbreiteten Passus ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen: den Haftungsausschluss. Können Skischulen sich durch einen entsprechenden Vertragstext tatsächlich von jeglicher Verantwortung gegenüber ihren Schülern befreien?

"Eine Vertragsklausel, welche die Haftung des Veranstalters für Personenschäden ausschließt, ist für die Kursteilnehmer nicht verbindlich", beruhigt Anne Kronzucker, Rechtsexpertin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Eine völlige Haftungsbefreiung durch Allgemeine Geschäftsbedingungen ist nämlich ausgeschlossen. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt eindeutig, dass derjenige, der Allgemeine Geschäftsbedingungen verwendet, seine Haftung für Schäden durch grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz nicht ausschließen kann. Sobald es um Verletzungen von Körper, Gesundheit oder Leben geht, ist auch für normale Fahrlässigkeit kein Haftungsausschluss mehr möglich. Dies gilt auch für Schadensfälle, die auf das Konto eines Angestellten - etwa des Skilehrers - gehen.

Aufsichts- und Sorgfaltspflicht
Skischule beziehungsweise Skilehrer haften insbesondere dann, wenn ein Skilehrer mit ungeübten Skianfängern fahrlässig eine anspruchsvolle Piste befährt, die dem skifahrerischen Können oder der Kondition der Schüler nicht entspricht. Verletzt sich ein Schüler unter diesen Umständen, muss sich der Skilehrer für die Verletzung seiner Pflichten verantworten. Er hat für seine Schüler die Aufsichtspflicht während der Kursdauer. Das bedeutet, dass er insbesondere bei einer Kindergruppe wie jeder Lehrer auch darauf achten muss, dass sich kein Kind von der Gruppe entfernt, es nicht zu Verletzungen durch Balgereien kommt und dass bei Erkrankungen oder Unfällen entsprechend reagiert wird. Passiert trotzdem etwas, ist er nur dann von der Haftung befreit, wenn der Unglücksfall selbst bei sorgfältiger Aufsichtsführung nicht zu verhindern war.

Zusätzlich zur Aufsichtspflicht kommt bei einem Skilehrer noch eine besondere Sorgfaltspflicht, beispielsweise bei der Auswahl eines geeigneten Übungsgeländes. Dazu gehört auch, dass er für die Einübung und Anwendung von Unfall vermeidenden Techniken Sorge tragen muss, etwa durch eine altersgerechte Belehrung über die geltenden FIS-Regeln zum Verhalten auf der Skipiste oder ein gründliches Sturztraining am Beginn des Kurses. Es gibt jedoch Einschränkungen bei der Aufsichts- und Sorgfaltspflichten eines Skilehrers, denn manche Unfälle lassen sich auch bei größtmöglicher Sorgfalt nicht vermeiden. Und je älter und erwachsener die Kursteilnehmer sind, umso mehr kann von ihnen eigenverantwortliches Handeln verlangt werden. Handelt ein erwachsener Skischüler nach ausreichender Instruktion entgegen den Anweisungen des Skilehrers und verletzt sich, liegt keine Pflichtverletzung des Lehrers vor.

Sicherheit geht vor
Generell gilt, dass die Pflicht zum Schutz der Kursteilnehmer in einem gewissen Verhältnis zu deren Erfahrungen und Fähigkeiten stehen muss: Je jünger und unerfahrener die Kursteilnehmer, desto höher ist automatisch die Verpflichtung des Skilehrers zu deren Schutz. In Ländern wie Österreich oder Italien gibt es spezielle gesetzliche Regelungen über die diesbezüglichen Pflichten von Skilehrern. In Deutschland kommt das Haftungsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches zur Anwendung, nach dem ein Geschädigter Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld haben kann.

Lehrer nur Erfüllungsgehilfe
Kommt der Skilehrer seiner Verantwortung nicht in vollem Umfang nach und geschieht während des Kurses ein Unglück, so ist er dennoch nicht die richtige Adresse für die Schadenersatz- oder Schmerzensgeldansprüche der Geschädigten. Wie der Skischüler steht auch der Lehrer im Regelfall zur Skischule in einem Vertragsverhältnis. "Der Skilehrer ist daher nur ein so genannter Erfüllungsgehilfe der Skischule", erklärt die D.A.S. Juristin. "Damit muss die Skischule für das Verschulden ihres Mitarbeiters einstehen und kann den Skilehrer sogar in Regress nehmen." Anders sieht es aus, wenn es sich um einen strafrechtlich relevanten Tatbestand handelt, etwa weil der Skilehrer einen Schützling in böser Absicht auf eine gesperrte Piste geschickt hat. Hier kann es zur strafrechtlichen Verurteilung des Skilehrers selbst kommen.

Wer und in welchem Umfang im Schadensfall haftbar zu machen ist, lässt sich also immer nur unter Berücksichtigung aller Umstände feststellen. Unbedingt sollte daher im Schadensfall die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch genommen werden - auch, um spätere finanzielle Nachteile für die Geschädigten zu vermeiden. Außerdem empfiehlt sich vor dem Skikurs ein Versicherungscheck: Wichtige Versicherungen sind die (Auslands-)Kranken-, Unfall- und insbesondere die Privathaftpflichtversicherung, bei der sichergestellt sein muss, dass sie tatsächlich auch Skiunfälle einschließt.

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