Ratgeber Kfz-Versicherung: Worauf man achten sollte!

Klar, wer Autofahren will, braucht ein Kennzeichen! Und ein Kennzeichen bekommt nur derjenige, der eine Kfz-Versicherung vorweisen kann. Daher führt der erste Schritt zum Kfz-Versicherer, der eine Versicherungsbestätigung ausstellt, damit das Auto bei der Zulassungsstelle angemeldet werden kann. Doch für welche Kfz-Versicherung soll man sich entscheiden? Wer sein Auto lediglich haftpflichtversichern will, hat leichtes Spiel. Er muss sich lediglich Gedanken über die Höhe der Deckungssumme machen. Wer darüber hinaus jedoch eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abschließen will, hat da schon mehr zu tun. Denn die Unterschiede in den Leistungen der einzelnen Anbieter sind enorm. Wer nach einem Schaden nicht auf seinen Kosten sitzenbleiben will, sollte sich daher genau informieren.

Leitfaden VersicherungenGerade jetzt, wo die alljährliche Wechselsaison in der Kfz-Versicherung ansteht. Wer seine Police nämlich bis zum 30. November kündigt, kann zum Jahresbeginn 2014 seine bisherige Versicherung wechseln. Dabei sollte jedoch nicht nur auf den Beitrag geachtet werden, sondern ebenso auf die gebotenen Leistungen. Worauf Sie achten sollten, haben wir im Folgenden zusammengestellt.

Deckungssummen in der Kfz-Haftpflichtversicherung

Die Mindestdeckungssummen in der Kfz-Haftpflicht sind gesetzlich vorgeschrieben. Die sogenannte Mindestdeckung beträgt für Personenschäden 7,5 Millionen Euro, für Sachschäden 1,12 Millionen Euro und für Vermögensschäden 50.000 Euro. Das bedeutet, dass der Versicherer für Schäden bis zu dieser Höhe aufkommen muss. Liegt der Schaden darüber, haftet der Schädiger bis zur tatsächlichen Höhe mit seinem eigenen Vermögen. Insbesondere bei Unfällen mit Personenschäden kann es eng werden, denn der Versicherer muss für eventuelle kostspielige Operationen, Schmerzensgelder und lebenslange Rentenzahlungen aufkommen. Zu empfehlen sind daher die von allen Versicherern angebotenen Deckungssummen von 50 bzw. 100 Millionen Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden wobei die Entschädigungsleistungen je nach Versicherer pro Person auf 8 bis 15 Millionen Euro begrenzt ist. Der Beitragsunterschied zur Mindestdeckungssumme ist marginal.

Die höchsten Entschädigungsleistungen für Sachschäden in Europa bzw. Deutschland lagen bei 70 bzw. 32 Millionen Euro. Umgerechnet 70 Mio. € musste ein englischer Versicherer zahlen, nachdem 2001 ein Pkw auf den Bahngleisen liegengeblieben war, von einem Zug erfasst wurde, der dann wiederum einen weiteren Zug rammte. Der teuerste von einem Pkw in Deutschland verursachte Unfall ereignete sich 2004 und kostete den Versicherer 32 Mio. €. Der Fahrer prallte auf der A 4 mit seinem Auto gegen einen Tanklaster, der daraufhin von der Wiehltalbrücke zwischen Köln und Olpe stürzte, in Brand geriet und die Brücke stark beschädigte.

Grobe Fahrlässigkeit in der Kaskoversicherung

Wer einen Schaden grob fahrlässig herbeiführt, bekommt nach dem neuen Versicherungsvertragsgesetz seinen Kaskoschaden anteilig ersetzt. Das bedeutet, der Anspruch auf Leistung wird um einen bestimmten Prozentsatz gekürzt, der sich nach dem Grad des Verschuldens richtet. Grob fahrlässig handelt im Versicherungsdeutsch jemand, der die erforderliche Sorgfalt im besonderen Maße nicht beachtet. In der Praxis zählt hierzu beispielsweise das Überfahren einer roten Ampel, das Telefonieren mit dem Handy ohne Freisprecheinrichtung, zu schnelles Fahren bei Nebel, das Überholen in einer Kurve oder das Bücken nach einer Zigarette oder einer CD. Daher ist es sinnvoll, eine Versicherung zu suchen, die auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit verzichtet, heißt, auch bei grob fahrlässig herbeigeführten Schäden die Leistung nicht verweigert. Hierzu zählen jedoch keine Vergehen im Zusammenhang mit Trunkenheit und Alkoholfahrten.

Absolute Fahruntüchtigkeit wird ab einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,1 Promille angenommen. Liegt sie darunter, wurden jedoch zusätzlich Betäubungsmittel konsumiert, liegt generell grobe Fahrlässigkeit vor, eventuell sogar Vorsatz. In diesen Fällen besteht für den Versicherer völlige Leistungsfreiheit.

Zwischen 0,3 und 1,1 Promille liegt eine relative Fahruntüchtigkeit vor. Eine grobe Fahrlässigkeit ist nur dann begründet, wenn ein alkoholbedingter Fahrfehler nachgewiesen werden kann. In diesem Fall werden etwa 20 % bis 25 % des Schadens ersetzt.

Unfälle mit Tieren

Der Zusammenstoß mit Tieren ist in der Teilkaskoversicherung geregelt. Normalerweise ersetzt die Teilkasko den Schaden nur im Zusammenhang mit Haarwild. Zum Haarwild zählen beispielsweise Rot-, Schwarz- und Damwild, Rehe, Hasen und Wildkaninchen, Füchse, Marder und Dachse. Wer es genauer wissen will, findet die Tierarten in § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes. Die Teilkasko greift nicht, wenn ein Hund oder ein Fasan vors Auto läuft oder plötzlich eine Kuh oder ein Pferd auf der Straße steht und angefahren wird. Eine gute Teilkaskoversicherung leistet aber auch in diesen Fällen. Achten Sie darauf, dass in den Bedingungen der Zusammenstoß mit Tieren aller Art versichert ist.

Schäden durch Tierbisse

Die Teilkasko deckt nicht in jedem Fall Schäden durch Tierbisse ab. Doch der Marderbiss gehört mit zu den häufigeren Schadenursachen in der Kaskoversicherung. Wenn morgens beispielsweise der Motor streikt, ist meist ein Marder schuld, der sich nächtens am Zündkabel zu schaffen gemacht hat. Schlimmer kann es werden, wenn er auch an anderen Schläuchen und der Bremsleitung geknabbert hat. Wenn in der näheren Umgebung öfter einmal Schäden durch Marderbisse auftreten, sollte darauf geachtet werden, das die Versicherung solche Schäden auch übernimmt. Wichtig ist hierbei die Formulierung Schäden durch Tierbisse, denn neben Mardern gibt es auch andere Nager, die gefährlich werden können. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass auch die durch den Tierbiss entstandenen Folgeschäden ersetzt werden. Wenn der Motor Schaden nimmt, ist dies in der Regel mit hohen Kosten verbunden.

Rabattschutz

Wer einen Schaden verursacht hat, der vom Versicherer reguliert wurde, wird im Folgejahr in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft. Das heißt, er verliert je nach Tarif und aktueller SF-Klasse mehr oder weniger schadenfreie Jahre und damit Prozente. Dabei muss der Versicherte im nächsten und meist auch in den Folgejahren mit höheren Beiträgen rechnen. In älteren Tarifen gab es in der höchsten SF-Klasse 25 den sogenannten Rabattretter. Hier fand zwar auch eine Rückstufung statt, die jedoch nicht spürbar war, da die Prozente gleich blieben. In den aktuellen Tarifen, die eine erweiterte SF-Staffel bis zur SF-Klasse 35 mit 20 Prozent besitzen, gibt es diesen Rabattretter nicht mehr, da bei jeder Rückstufung gleichzeitig auch Prozente verloren gehen. Daher bieten einige Versicherer einen Rabattschutz an. Der kostet zwar je nach Schadenfreiheitsklasse Geld, verhindert aber, dass der Autofahrer nach einem Schaden zurückgestuft wird. Man erkauft sich also einen Schaden, entgeht so einer Rückstufung und damit einer höheren Prämie.

Neupreisentschädigung

Wird der Pkw gestohlen, zerstört oder entsteht sogar ein Totalschaden, ist dies in der Teilkasko oder der Vollkasko versichert. Die Kasko ersetzt in diesen Fällen entweder die Reparaturkosten oder den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs. Handelt es sich um ein neueres Auto, sollte darauf geachtet werden, wie alt das Fahrzeug sein darf, damit der Versicherung den Neuwert und nicht nur den Wiederbeschaffungswert ersetzt. Gute Versicherungen erstatten den Neupreis innerhalb von 12 oder gar 18 Monaten nach der Erstzulassung.

Schutzbrief

Die meisten Versicherer bieten den Einschluss eines Schutzbriefes in den Versicherungsvertrag zusätzlich an. Dieser ist für Mitglieder eines Autoklubs jedoch nicht notwendig. Denn Hilfe bei einer Panne oder einem Unfall bzw. der Krankenrücktransport und die Rückholung von Kindern ist dann bereits gegeben. Ansonsten sollte man die Angebote genau prüfen, denn die Leistungen und der Beitrag variieren je nach Anbieter stark.

Schutz bei Auslandsreisen

Wer in Urlaub fährt und vorhat, dort einen Leihwagen zu mieten, sollte prüfen, ob in seinem Versicherungsvertrag die sogenannte Mallorca-Police enthalten ist. Diese gibt erweiterten Haftpflichtversicherungsschutz bei Unfällen mit dem Leihwagen im europäischen Ausland. Sie erhöht die unterschiedlichen, in der Regel niedrigeren, Deckungssummen des Urlaubslandes auf deutsches Niveau. Reichen nämlich die Deckungssummen des ausländischen Fahrzeugverleihers nicht aus, um alle Kosten zu tragen, müsste der Restbetrag aus dem eigenen Geldbeutel gezahlt werden. Hier hilft die Mallorca-Police.

Wer des Öfteren mit dem eigenen Pkw im Ausland unterwegs ist, sollte zusätzlich über den Abschluss eines Auslandsschadenschutzes nachdenken. Wie bereits erläutert liegen die Deckungssummen im Ausland meist niedriger als in Deutschland. Wer nun einen Unfall im Ausland erleidet, an dem der ausländische Unfallgegner Schuld hat, würde nach den im Land geltenden Deckungssummen entschädigt. Der Auslandsschadenschutz erhöht die Summen für Personen- und Sachschäden so, als wäre der Unfallgegner bei der eigenen Kfz-Versicherung versichert.

Wichtig: Beiträge und Leistung vergleichen

Natürlich ist der zu zahlende Beitrag eines der wichtigen Kriterien beim Abschluss einer Autoversicherung. Die gebotenen Leistungen sollten aber nicht außer Acht gelassen werden. Denn was nutzt eine billige Kfz-Versicherung, wenn diese am Ende nicht zahlt. Prüfen Sie daher beim Vergleich der Autoversicherungen nicht nur den Beitrag sondern ebenfalls die Leistungen.

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