Lebensversicherer: Gute Geschäfte mit vorzeitig aufgelösten Verträgen

Nur etwa 20 Prozent aller Lebensversicherungskunden halten ihre Verträge durch. Der Großteil kündigt seine Lebensversicherung vor Ende der Laufzeit. Regelmäßig ist dies für die Versicherer ein gutes Geschäft, denn bei einer vorzeitigen Kündigung, erhält der Kunde nur einen Teil des angesparten Geldes zurück, einige bekommen sogar gar nichts aus ihren Verträgen heraus. Das könnte sich nun ändern. Die Verbraucherzentrale Hamburg, die bereits mit Klagen gegen fünf Lebensversicherer erfolgreich war, hat nun auch mit einer Klage gegen die Allianz Recht bekommen. Da der Branchenprimus keine Aussicht auf Erfolg vor dem Bundesgerichtshof sah, beugte er sich einem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart und verzichtete auf den Gang vor den BGH.

In dem Urteil ging es um Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträge, die zwischen 2001 und Ende 2007 abgeschlossen wurden. Die Richter erklärten mehrere Klauseln darin für unwirksam. So kippten sie die Klausel, dass Abschlusskosten direkt zu Vertragsbeginn von den Beiträgen abgezogen werden. Diese müssen nun über die gesamte Laufzeit des Lebensversicherungsvertrags verteilt werden. Die Richter verhindern so, dass der Rückkaufswert, insbesondere in den Anfangsjahren, deutlich gemindert wird. Kunden, die ihren Vertrag vorzeitig kündigten oder beitragsfrei gestellt haben, bekamen so nur wenig Geld vom Versicherer zurück. Die Lebensversicherer müssen die Rückkaufswerte nun neu berechnen. Betroffene Versicherte sollten sich schriftlich an ihren Lebensversicherer wenden und den Nachschlag einzufordern, denn von sich aus werden diese nicht handeln. Eda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg fordert von den Unternehmen den „Rückruf der Verträge“ und die automatische Erstattung. Denn: „Kaputte Autos werden vom Hersteller ja auch zurückgerufen und kostenlos repariert. Für fehlerhafte Abrechnungen von Policen muss das Gleiche passieren.“

Verbraucherschützer rechnen mit durchschnittlichen Rückzahlungen um die 500 Euro, die in einzelnen Fällen aber auch schon mal mehrere tausend Euro betragen können. Bei der Allianz dürfte die Anzahl der Kunden, die Geld erstattet bekommen können, bei etwa 900 Tausend liegen. Insgesamt werden die Rückzahlungen der Konzerne auf etwa 12 Milliarden Euro beziffert, die Allianz hat dafür bereits Rückstellungen in Höhe von 117 Millionen Euro gebildet.

Eine gerichtlich Klärung hat die VZ Hamburg bislang bei Allianz, Signal Iduna, Ergo, Generali und Deutscher Ring erreicht. Zwölf weitere Konzerne wurden abgemahnt, von diesen hat jedoch noch keiner reagiert. Edda Castello rechnet daher mit weiteren Gerichtsverfahren gegen diese Unternehmen.

Mit ihren Rückforderungen müssen sich Versicherte allerdings beeilen, denn die Ansprüche verjähren drei Jahre nach Kündigung des Vertrags, wobei die Frist am 1. Januar des Folgejahres beginnt.

Wer seinen Vertrag also 2010 gekündigt hat, muss seine Ansprüche noch in 2013 geltend machen. Bei einer Kündigung vor 2010, bekommen Versicherte nur dann Geld zurück, wenn sie ihren Lebensversicherer innerhalb der dreijährigen Verjährungsfrist schriftlich zur Nachzahlung aufgefordert oder aber Beschwerde beim Ombudsmann eingelegt haben.