Kfz-Versicherung: Entwicklung zu unterjähriger Kündigung

Immer mehr Kfz-Versicherer gehen dazu über, die bisher üblichen Vertragslaufzeiten in der Autoversicherung von einem Kalenderjahr zu ändern. Damit soll die bislang zum Jahresende stattfindende Kündigungswelle beim Wechsel zu einem günstigeren Versicherer vermieden werden. Bereits seit einiger Zeit bieten Allianz, Ergo, Nürnberger oder die Direct-Line ihren Kunden die unterjährige Kündigung an. Mitte des Jahres wollen die Generali Versicherung und die Aachen-Münchener nachziehen. Die Versicherer wollen sich damit vor dem intensiven Preiswettbewerb am Ende des Jahres schützen.

Branchenüblich war es bislang, dass Autofahrer bis Ende November zum Jahreswechsel ihre Autoversicherung kündigen können. Künftig soll bei Neuabschlüssen nicht mehr der 1. Januar als Hauptfälligkeitstermin vereinbart werden, sondern die Hauptfälligkeit mit dem Tag des Vertragsabschlusses zusammenfallen. Der traditionelle und seit langen Jahren bewährte Stichtag zum Wechsel der Autoversicherung würde damit der Vergangenheit angehören.

Verbraucherschützer kritisieren die unterjährige Kündigungsfrist

Zum einen rücken Autofahrer wegen des bestehenden SF-Systems (Schadenfreiheitsklasse) nur dann in eine bessere SF-Klasse auf, wenn sie ein schadenfreies Kalenderjahr absolviert haben – und nicht etwa ein schadenfreies Vertragsjahr. Eines der relevantesten Kriterien in der Autoversicherung ist der Schadenfreiheitsrabatt, da dieser entscheidend die Höhe der zu zahlenden Beiträge mitbestimmt. Die nächstbessere Schadenfreiheitsklasse und damit auf bessere Prozente erreichen Autofahrer immer dann, wenn sie ein schadenfreies Kalenderjahr abgeschlossen haben. Dies führt regelmäßig zum 1. Januar zu einer Beitragsminderung von etwa 1,5 Prozent, das entspricht in etwa 200 Millionen Euro. Bei einer Änderung der Hauptfälligkeit, die dann gleichmäßig über das Jahr verteilt wäre, würden die Verbraucher künftig durchschnittlich erst ein halbes Jahr später von dieser Ersparnis profitieren.

Verbraucherschützer bemängeln zudem, dass die Autoversicherungskunden auf den Wechsel zum Jahresende programmiert seien, viele würden damit den unterjährigen Kündigungstermin einfach verschlafen. Die HUK-Coburg will als Branchenprimus weiter am klassischen Wechseltermin festhalten. Denn seit Jahren gewinnt der Versicherer besonders in dieser Zeit immer mehr Marktanteile dazu.

Experten schätzen Reduzierung der Autoversicherungswechsler um die Hälfte

Enorme Preis- und Leistungsunterschiede führen dazu, dass mehrere Millionen Autofahrer zum Jahresende ihren bisherigen Versicherer wechseln. Experten schätzen, dass sich mit der Flexibilisierung des Kündigungstermins die Zahl der Umsteiger um die Hälfte reduzieren wird. Versicherten, die einen unterjährigen Autoversicherungsvertrag abgeschlossen haben, kann daher nur geraten werden, sich ein rotes Kreuz in den Kalender zu machen und rechtzeitig vor dem Kündigungstermin Vergleiche anzustellen.