Kfz-Versicherung: Bei Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko auf Deckung achten

Für die etwa 40 Millionen Autofahrer geht die Suche nach dem passenden Versicherer nun wieder in die heiße Phase, denn der Preiskampf, den sich die Kfz-Versicherer seit Jahren bieten, ist bereits in vollem Gange. Autobesitzer, die aufgrund besserer Angebote für 2011 den Versicherer wechseln wollen, müssen bis spätestens zum 30. November ihre Autoversicherung kündigen. Zur Auswahl stellen die Kfz-Versicherer circa 160 unterschiedliche Tarife, ein Vergleich lohnt sich also.

Die Autoversicherer versenden die Beitragsrechnung für das neue Versicherungsjahr in der Regel bis etwa Ende November. Kommt die Rechnung erst im Dezember und fällt sie höher aus als die alte, können Versicherungsnehmer meist auch dann noch kündigen. Aber bereits jetzt lohnt es sich, Angebote einzuholen, denn obwohl die Beitragsunterschiede sich noch nicht beziffern lassen, gehen Experten von Unterschieden von mehreren Hundert Euro aus.

Verbraucherschützer mahnen, bei der Kfz-Versicherung nicht allein nach dem Beitrag zu gehen. Wichtiger ist es auf das Kleingedruckte, also die Versicherungsbedingungen, zu achten. Bei älteren Fahrzeugen mit geringem Wert, sollte der Besitzer durchrechnen, ob eine Kaskoversicherung noch Sinn macht. Möglicherweise reicht hier die reine Haftpflichtversicherung.

Was bedeutet Haftpflicht fürs Auto?

Die Haftpflichtversicherung ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Bei Schäden die ein Versicherungsnehmer an fremden Fahrzeugen aber auch Personen und Gütern verursacht, tritt die Haftpflichtversicherung ein. Experten empfehlen eine Deckungssumme von 100 Millionen Euro, damit im Schadenfall auch tatsächlich alle Schadensersatzansprüche abgedeckt werden können.

In der Haftpflichtversicherung gibt es Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen), nach denen der Beitrag berechnet wird. Nach einem Jahr ohne Unfall, also dann, wenn der Versicherer keine Rückstellungen für eventuelle Schadenersatzansprüche gebildet hat, wird man im nächsten Jahr in eine höhere Schadenfreiheitsklasse eingestuft. Mit der Zeit sinken dann die Beitragsprozente und die Versicherung wird günstiger. Ein günstigerer Beitrag im nächsten Jahr sollte jedoch niemanden daran hindern, trotzdem einen Beitrags- und Preisvergleich durchzuführen.

Was ist eine Teilkaskoversicherung?

Die Teilkaskoversicherung kommt für Schäden am eigenen Fahrzeug auf. Hierunter fallen beispielsweise Brand- und Explosionsschäden, Diebstahl sowie Wildschäden und Schäden, die durch Sturm, Hagel, Blitzschlag oder Überschwemmung entstehen. Die Teilkasko übernimmt ebenso Glasbruch und Marderbissschäden. In der Teilkaskoversicherung gibt es kein Schadenfreiheitsklassensystem. Ein Schaden führt also nicht zu einer Erhöhung des Beitrags.

Was bedeutet Vollkaskoversicherung?

Die Vollkaskoversicherung tritt bei Schäden am eigenen Auto ein,  die entweder selbst oder von Dritten verschuldet wurden. Die Vollkasko enthält immer auch eine Teilkaskoversicherung. So schützt sie beispielsweise vor den Folgen von Vandalismus, also Schäden am Fahrzeug, bei denen kein Unfall oder Diebstahl ursächlich war. Absichtlich beigebrachte Lackkratzer oder das Abfackeln von Autos gehören dazu. Die Vollkasko übernimmt ebenfalls die Kosten von Schäden, die man selbst verursacht hat. Aber auch wenn der Unfallgegners flüchtet (Unfallflucht) oder nicht versichert ist, zahlt die eigenen Vollkasko.

Ein Rundum-Sorglospaket ist die Vollkasko dennoch nicht, Verschleißschäden oder Motorendefekte übernimmt diese Versicherung nicht. In der Vollkasko gibt es wie in der Haftpflicht ein SF-Klassensystem. Hat jemand einen hohen Schadenfreiheitsrabatt in der Vollkasko, kann der seltsame Fall eintreten, das die Prämie für die Vollkasko günstiger ist als der Beitrag für die einfache Teilkasko. Also einfach mal nachrechnen (lassen).

Kfz-Versicherungen im Preis- und Leistungsvergleich     

Welche Leistungsunterschiede gibt es?

Natürlich gibt es bei den enormen Preisunterschieden Besonderheiten im Kleingedruckten, also bei den Leistungen. Viele Versicherer bieten ein Basispaket mit abgespeckten Leistungen zu einem günstigen Preis an und zusätzlich Tarife mit einem deutlich erweiterten Leistungskatalog. Zu überlegen ist in jedem Fall, ob das Basispaket ausreicht oder ein leistungsstärkerer Tarif her muss. Den wenn die Versicherung im Fall der Fälle die Kosten nicht übernimmt, hat sich der Billigtarif nicht gelohnt.

Differenzen gibt es beispielsweise in der Teilkasko bei den sogenannten Wildschäden. So übernehmen einige Versicherungen Schaden bei Unfällen mit allen Tieren, andere nur mit Haarwild, also die dem Jagdrecht unterliegenden Säugetiere. Ein Unfall mit einem Fasan oder einem Hund, kann also für den einen teuer werden, der andere bekommt seine Schäden ersetzt.

Wann lohnen sich die Kaskoversicherungen?

Ist das Auto neu beziehungsweise nur wenige Jahre alt oder ist es finanziert, ist die Vollkaskoversicherung in der Regel unabdingbar. Dies gilt mit Einschränkungen auch für die Teilkaskoversicherung. Eine pauschale Aussage, wie lange eine Vollkaskoversicherung laufen soll, lässt sich nicht treffen. Der Wert des Wagens spielt eine Rolle, ebenso wie der Beitrag, der sich aus der SF-Klasse ergibt und durch eine Erhöhung der Selbstbeteiligung reduziert werden kann. Vor allem kommt es aber auf die eigenen finanziellen Verhältnisse an. Wer auf sein Auto angewiesen ist und einen Schaden nicht aus eigener Tasche finanzieren kann, sollte sich gut überlegen, die Kosten für eine Vollkaskoversicherung einzusparen.