Beschäftigung von Studenten und das Sozialversicherungsrecht

Die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung im Bereich der Beschäftigung von Studenten zählt wohl mit zum unübersichtlichsten Gebiet im Sozialversicherungsrecht. Unterschieden werden muss zum einen, ob ein befristetes Arbeitsverhältnis oder eine Dauerbeschäftigung vorliegt und, zum anderen, wie viele Stunden der Student beschäftigt wird und wie hoch das Arbeitsentgelt ist. Kompliziert wird es, weil die gesetzlichen Regelungen nicht in allen Zweigen des Sozialversicherungsrechts gleich sind. Die Grundregeln, auf die wir hier eingehen möchten, sollten in jeder Personalabteilung bekannt sein. Jedoch sollte, wegen vieler spezifischer Besonderheiten und Details, auf fachspezifische Informationssysteme zurückgegriffen werden, bevor der Personaler eine rechtliche Entscheidung trifft.

Wann besteht teilweise oder sogar komplette Versicherungsfreiheit in den einzelnen Sozialversicherungszweigen?

Eine volle Sozialversicherungspflicht in allen Bereichen der Sozialversicherung besteht nur in den Fällen, bei denen keine der beiden genannten Punkte auf die studentische Arbeitskraft anwendbar ist, die nicht zumindest in einzelnen Zweigen der Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung) die Versicherungspflicht ausschließen.

  • 20-Wochenstunden?
    Werden Studenten nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich beschäftigt, besteht Sozialversicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Handelt es sich zudem um einen Minijob mit einer Vergütung mit maximal 400 Euro pro Monat, besteht  auch in der Rentenversicherung Versicherungsfreiheit.

    Komplette Versicherungsfreiheit -> Arbeitszeit nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich als Minijob mit maximal 400 Euro pro Monat

    Werden Studenten mehr als 20 Stunden wöchentlich beschäftigt, ist die Versicherungspflicht in allen vier Sozialversicherungszweigen gegeben, außer bei Minijobs mit einer Vergütung von nicht mehr als 400 EUR pro Monat, hier entfällt die Rentenversicherungspflicht.

 

  • Beschäftigung ausschließlich während der Semesterferien?
    Bei einer befristeten Beschäftigung von Studenten, die ausschließlich innerhalb der Semesterferien stattfindet, besteht keine Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Jedoch besteht Versicherungspflicht in der Rentenversicherung und zwar unabhängig von der Anzahl der Wochenstunden, welche der Student arbeitet.

    Hat der Student bereits neben der Beschäftigung in der vorlesungsfreien Zeit eine zusätzliche Beschäftigung neben dem Studium ausgeübt, ist auf eine möglicherweise vorliegende Berufsmäßigkeit (vierter Punkt) zu prüfen. Dies führt eventuell dazu, dass volle Sozialversicherungspflicht eintritt.

 

  • Kurzfristige Aushilfsjobs während des Semesters?
    Jobs, die auch während des Semesters, jedoch maximal zwei Monate bzw. 50 Arbeitstage im Jahr ausgeübt werden, gelten als kurzfristige Beschäftigung, und begründen die Beitragsfreiheit in allen vier Sozialversicherungszweigen.

 

  • Spezielle Berufsmäßigkeitsprüfung befristeter Jobs
    Sind die unter Punkt 4 genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, müssen befristete Arbeitsverhältnisse von Studenten einer speziellen Berufsmäßigkeitsprüfung unterzogen werden:

    1. Berufsmäßigkeit liegt dann vor, wenn ein Student innerhalb eines Zeitjahres (nicht Kalenderjahr) an mehr als 26 Wochen (entspricht 182 Tagen) mit mehr als 20 Wochenstunden beschäftigt war. Dies führt immer zur vollen Sozialversicherungspflicht.
    2. Die Prüfung ist folgendermaßen vorzunehmen:
      • Zunächst ist vom Ende der aktuell befristeten Beschäftigung ein Jahr zurückzurechnen.
      • Nun sind die Wochen zu addieren, in denen die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden betragen hat.
      • Summieren sich die Beschäftigungstage auf mehr als 182 Tage, begründet sich damit die volle Sozialversicherungspflicht für die aktuell auszuübende Beschäftigung, falls es sich nicht um einen Minijob (fünfter Punkt) handelt.
      • Hat die Prüfung ergeben, dass keine Berufsmäßigkeit vorliegt, besteht lediglich Versicherungspflicht in der Rentenversicherung.

 

  • Minijob bis 400 EUR pro Monat?
    Handelt es sich bei dem Job um eine geringfügige Beschäftigung mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt bis zu 400 EUR, sind die allgemeinen Regelungen für geringfügig Beschäftigte auch auf Studenten anzuwenden. Das heißt, in allen vier Versicherungszweigen wäre Versicherungsfreiheit gegeben.

    Jedoch hat der Arbeitgeber neben der Pauschalsteuer auch Pauschalbeiträge zur Rentenversicherung und in der Regel auch zur gesetzlichen Krankenversicherung zu zahlen. Beiträge zur Unfallversicherung fallen definitiv an.