Berufsunfähigkeit: Kombi-Produkte und Dynamik

Bei einer Versicherung sind sich Versicherer und Verbraucherschützer einig, der Schutz durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr wichtig und für die meisten ein absolutes Muss. Obwohl der Abschluss in jungen Jahren viele Vorteile bringt, ist diese Altersgruppe doch eher zurückhaltend. Die Gründe sind vielfältig, der größte Teil ist körperlich fit und kann sich nicht vorstellen so schwer krank zu werden, dass der Beruf nicht weiter ausgeübt werden kann. Es spielen aber auch die Beiträge eine Rolle, die oft als zu hoch angesehen werden, sowie die Komplexität der Materie.

Nachdem der gesetzliche Schutz vor Berufsunfähigkeit  für die Jahrgänge vor 1961 stark eingeschränkt und für die Jahrgänge ab 1961 ganz gestrichen wurden, müssen Arbeitnehmer das Risiko nicht weiter arbeiten zu können, privat absichern. Viele junge Menschen verzichten aber auf den BU-Schutz, obwohl gerade sie die günstigsten Verträge bekommen. Bereits Schüler und Studenten können eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, sie müssen nicht bis zum Einstieg in den Beruf warten. Den die Gefahren berufsunfähig zu werden sind vielfältig, gerade für aktive Jugendliche und junge Erwachsene, etwa beim Sport, durch Zeckenbiss aber auch durch psychische Belastungen in Schule, Studium oder im Job. Die häufigste Ursache sind laut Deutscher Rentenversicherung inzwischen psychische Erkrankungen, und die Tendenz steigt. Bei den Männern liegt der Prozentsatz bei etwa 32 Prozent, bei Frauen sogar bei 44 Prozent. Zweithäufigste Ursache sind mit 15 Prozent bei Männern und Frauen gleich Rücken- und Muskelprobleme, dann folgen bei den Männern Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei den Frauen der Krebs. Durch Unfälle werden weniger als 3 Prozent berufsunfähig, aus diesem Grund ist eine Unfallversicherungen auch kein Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung!

Unsere Jugend setzt heute andere Prioritäten, sie geben ihr Geld lieber für Auto, Handy oder den Computer aus und verzichten gleichzeitig darauf, frühzeitig ihren Lebensunterhalt abzusichern. Denn die Beiträge für eine Berufsunfähigkeits-Versicherung sind relativ teuer: Um im Fall der Fälle etwa 500 Euro Rente zu bekommen, ist eine Prämie von mindestens 20 Euro zu zahlen. Abhängig von der vereinbarten Rente bzw. der Berufsgruppe sind natürlich höhere Beiträge zu entrichten. Empfohlen wird die Absicherung zwischen 60 und 80 Prozent des Einkommens.

Der Beitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung richtet sich vor allem nach dem ausgeübten Beruf und dem Eintrittsalter. Handwerklich körperlich arbeitete Menschen unterliegen naturgemäß einem höheren Risiko als Arbeitnehmer, die in einem Büro beschäftigt sind. Ein Maurer oder Dachdecker zahlt daher deutlich mehr als ein kaufmännischer Angestellter. Experten und Verbraucherschützer raten daher zu einem frühen Vertragsabschluss bereits als Schüler, Auszubildende oder Student und zu einer möglichst langen Laufzeit.

Nachversicherungsgarantie bei Heirat, Nachwuchs, Selbstständigkeit!

Jugendliche und junge Erwachsene sehen meist in eine unbestimmte Zukunft. Wie funktioniert das mit der Karriere, was ist, wenn der Beruf gewechselt wird, was passiert bei Heirat, der Geburt eines Kindes oder dem Eintritt in die Selbstständigkeit?

Der Großteil aktueller Berufsunfähigkeitsversicherung deckt den Berufswechsel ab. Versichert ist stets der zuletzt ausgeübte Beruf (angeben nicht vergessen!). Eine höhere Rente kann durch eine Nachversicherungsgarantie vereinbart werden, die bei höherem Einkommen, Hochzeit der Geburt eines Kindes und weiteren Ereignissen greift. Einige Gesellschaften verzichten dann sogar auf eine erneute Gesundheitsprüfung.

Eine höhere Rente kann zudem über eine Dynamik-Klausel erreicht werden, die dazu dient die steigende Inflation aufzufangen. Damit steigen aber auch die Prämien für den Versicherten. Wer das nicht will, kann der Dynamik jährlich widersprechen, sodass Beitrag und Rente gleich bleiben. Wird dreimal hintereinander auf die Dynamik verzichtet, wird diese anschließend aus dem Vertrag genommen.

Das Risiko berufsunfähig zu werden

Arbeitnehmer aus gewerblich-technischen Arbeitsbereichen sind fast zu einem Drittel von Berufsunfähigkeit betroffen, im Büro ist es jeder fünfte. Zehn Prozent der Berufsunfähigen müssen ihren Beruf beenden, bevor sie 40 Jahre alt sind. Ursachen gibt es zur Genüge. Psychische Erkrankungen beispielsweise durch Mobbing gehören dazu, Stress und Druck bei der Arbeit, muskuläre und Wirbelsäulenprobleme, Allergien und viele weitere.

Laut GDV (Gesamtverband der Versicherungswirtschaft) hat sich die Anzahl der Verträge seit 2003 fast nicht verändert, es existieren etwa 16 Millionen.

BU in Kombination mit anderen Altersvorsorgeprodukten

Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann mit einer Kapitallebens- einer Rentenversicherung und weiteren Altersvorsorgeprodukten kombiniert werden. Diese Verknüpfung ist beliebt, insbesondere bei den Versicherungsvertretern, denn die Altersvorsorge muss extra bezahlt werden, die Beiträge sind weitaus höher als bei einer einfachen BU und somit springt für den Vertreter eine höhere Provisionen heraus.

Jedoch lehnt ein Großteil der Experten diese Verknüpfung ab. Denn können die Beiträge beispielsweise aufgrund Arbeitslosigkeit oder anderer Gründe nicht weiter bezahlt werden und muss der Vertrag aufgelöst werden ist gleich auch der Berufsunfähigkeitsschutz weg. Und anschließend eine neue BU-Absicherung zu erhalten wird schwierig. Optimal wäre dagegen die Berufsunfähigkeit separat abzusichern und zusätzlich Altersvorsorge über eine Riester- oder private Rentenversicherung zu betreiben. Die BU-Rente sollte dabei so hoch gewählt werden, dass das Einkommen bestmöglich abgesichert wird und im Ernstfall auch die Beiträge für die Altersvorsorge aus der BU-Rente bezahlt werden können.

Die Laufzeit des Vertrags

Ein wichtiges Kriterium ist die Laufzeit des Vertrages, die mit den Beiträgen gekoppelt sind. Ein Vertrag der bereits zum 60. Geburtstag ausläuft ist natürlich sehr viel günstiger als einer, der bis zum 65. Geburtstag abgeschlossen wurde. Zu bedenken ist aber, dass dann die Zeit, in der eine Berufsunfähigkeit wahrscheinlicher wird, ausgeschlossen ist. Wer dann erst mit 67 in Rente geht, bekommt ab dem 60. keine Leistungen aus der BU-Versicherung mehr. Empfehlenswert ist es daher, besser eine teurere Absicherung zu wählen, die bis zum 65., richtiger bis zum 67. Geburtstag läuft.