Berufsunfähigkeitsrente: Mangelnde Zahlungsmoral der Versicherer

Nach Meinung von Experten nutzen Versicherer insbesondere im Fall der Berufsunfähigkeit alle Möglichkeiten aus, Kunden durch die verschiedensten Taktiken hinzuhalten und zu zermürben. Eine schnelle und problemlose Abwicklung gibt es fast nie. Versuche, die Berufsunfähigkeitsrente zu drücken, oder sogar ganz an der Zahlung vorbei zu kommen, sind gang und gäbe. Hierzu verwenden die Versicherer unterschiedliche Methoden:

  • Verzögern
    Damit ein Versicherer seine Zahlungsverpflichtung prüfen kann, benötigt er natürlich die verschiedensten Unterlagen, ärztliche Belege und Gutachten. Durch Verzögern und Verschleppen, etwa durch die Anforderung der notwendigen Unterlagen in kleinen Schritten und Stück für Stück, kann das Prüfungsverfahren auf Monate und Jahre ausgedehnt werden. Dabei warten Versicherte in vielen Fällen bis zu zwei Jahre, ehe der Versicherer seine Entscheidung über die Zahlung einer Rente getroffen hat. Und damit ist noch nicht gesagt, ob die Entscheidung für den Kunden positiv oder negativ ausgefallen ist. Zumindest solange muss er auf seine Rente verzichten. Verbraucherschützer vermuten, dass die Betroffenen damit "weich gekocht werden" sollen. So mancher ist während und nach dieser Zeit so zermürbt, dass er entweder ganz auf seine Ansprüche verzichtet oder einem Vergleich zustimmt, mit dem der Versicherer viel Geld spart.

  • Anzweifeln
    Eine weitere Strategie liegt darin, die eingereichten medizinischen Gutachten anzuzweifeln. So wird Ärzten Befangenheit unterstellt und Zweifel damit rechtfertigt, dass die Berufsunfähigkeit nur von begrenzter Dauer sei. Sollte sich der Gesundheitszustand bessern, läge keine Berufsunfähigkeit vor, und somit müsse die Versicherung auch nicht zahlen. Auch diese Taktik hat das Ziel, Betroffene weiter mürbe zu machen.

  • Verweisen
    Ältere Berufsunfähigkeits-Verträge erhielten die sogenannte Verweisungsklausel. Damit kann der Versicherer den Versicherten auf eine andere dem erlernten Beruf vergleichbare Tätigkeit verweisen. Eine Berufsunfähigkeitsrente gibt es dann nicht. Glücklicherweise ist die Verweisung in den neuesten Versicherungsbedingungen nicht mehr enthalten, dennoch sollte bei Abschluss danach gefragt werden.

  • Arglistige Täuschung vorwerfen
    Als letzten Schritt versuchen einige Versicherer den Betroffenen nachzuweisen, bei Antragstellung arglistig getäuscht zu haben. Dazu werden auch ältere Unterlagen der behandelnden Ärzte durchforstet, in der Hoffnung, Vorerkrankungen zu finden, die im Antrag nicht angegeben wurden. Damit kann der Vertrag rückwirkend für nichtig erklärt werden, der Versicherungsschutz entfällt und der Anspruch auf Rente ebenso. Daher sei jedem geraten, der jetzt eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, alle Fragen des Antrags wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten.

Dennoch sollten gerade jüngere Menschen auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht verzichten. Denn heute scheiden etwa 17 % der Arbeitnehmer mit einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aus dem Berufsleben, 90 % von ihnen wegen voller Erwerbsminderung. Die gesetzlichen Leistungen sind in diesem Jahr nochmals kräftig reduziert worden. Vor dem Abschluss sollten sich Interessenten daher nicht nur dafür interessieren, wer das günstigste Angebot hat, sondern insbesondere auch dafür, wer die besten Leistungen, die niedrigsten Stornoquoten und die wenigsten Beschwerden vorweisen kann. Hierbei helfen unter anderen die Beschwerdestatistik und weitere Statistiken der BaFin.