Bekommen Ex-Kunden der Allianz mehr Bares aus gekündigten Lebensversicherungen?

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg können einige tausend ehemalige Kunden der Allianz auf Rückzahlungen hoffen, falls sie in den letzten 9 Jahren eine Lebensversicherung bei dem Unternehmen gekündigt haben. Dies geht laut Verbraucherschützern aus einem aktuellen Urteil des Landgerichts Stuttgart hervor. Das Gericht hatte über die von der Allianz seit Juli 2001 verwendeten Klauseln zur Kündigung, zur Beitragsfreistellung und zum Stornoabzug zu entscheiden. Das Landgericht Stuttgart erklärte diese aufgrund der fehlenden Transparenz für unwirksam. Die Allianz kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Aufgrund des Urteils können nun ehemalige Lebensversicherungs-Kunden, die einen Lebens- oder Rentenversicherungsvertrag bei der Allianz gekündigt haben, einen Nachschlag fordern, erläutert Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Der Rückkaufswert muss neu berechnet werden, außerdem ist ein Stornoabzug nicht zulässig. Wir schätzen, dass die Allianz mindestens 1,3 Milliarden Euro an ihre Ex-Kunden zu erstatten hat“, erklärt die Verbraucherschützerin. Ansprüche sollten betroffene Kunden schnellstmöglich anmelden, da das Unternehmen seine einstigen Kunden selbst nicht aktiv informieren werde.

Ein Sprecher der Allianz Leben gab bekannt, dass das Urteil noch nicht vorliege, der Gang zum Bundesgerichtshof stehe jedoch im Fall einer juristischen Niederlage bereits fest. Er erklärte weiter, dass der Bundesgerichtshof in 2001 eine Entscheidung zu den Rückkaufswerten getroffen habe, an die das Unternehmen bei seinen Entscheidungen berücksichtigt hätte. Die Abschluss- und Vertriebskosten beliefen sich bei der Allianz Leben für eine Kapitallebensversicherung über 50.000 Euro auf 1.055 Euro, die über fünf Jahre verteilt würden.

Die Hamburger Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Entscheidung des Stuttgarter Landgerichts in einer Reihe weiterer ähnlicher Urteile stehe. Entsprechende Urteile des Hanseatischen Oberlandesgerichts lägen auch gegen die Versicherer Ergo, Generali, Iduna und Deutscher Ring vor. Ob die Urteile Bestand haben werden, muss letztendlich wohl der BGH entscheiden.