Bâloise-Generalversammlung: MitarbeiterInnen warnen vor Managementfehlern im deutschen Markt


Hamburg (ots) - Auf ihrer Generalversammlung ist das Bâloise-Management heute mit einer ungewohnten Gruppe von Aktionären konfrontiert gewesen: Ihre eigenen MitarbeiterInnen sind aus Deutschland angereist, um die Manager in Vorstand und Verwaltungsrat vor schweren Fehlentscheidungen auf dem wichtigsten Auslandsmarkt der Bâloise - Deutschland - zu warnen. Mit dem derzeitigen Restrukturierungskurs in Deutschland werden die Kostenquoten signifikant verschlechtert. Außerdem läuft die Bâloise Gefahr, spürbar Marktanteile zu verlieren.

Die Deutschlandpläne der Bâloise tragen hohe Risiken in sich, die letztlich auch von den MitarbeiterInnen getragen werden müssen. Beispiele:

  • Bestehende Synergieeffekte gehen verloren Es soll die gemeinsam mit dem Deutscher Ring Krankenversicherungsverein gebildete Unternehmensgruppe Deutscher Ring zerschlagen werden. Ziel ist, die im Besitz der Bâloise befindliche Sach- und Lebensversicherung des Deutschen Rings mit den Basler Versicherungen zusammenzuführen. Das Schweizer Management übersieht dabei jedoch, dass Synergieeffekte der Unternehmensgruppe Deutscher Ring bei einer Zerschlagung verloren gehen und erst durch eine neue Struktur wieder hergestellt werden müssen - wenn dies überhaupt gelingt.
  • Millionenschwere Restrukturierungskosten Restrukturierungskosten wurden nirgendwo einkalkuliert, obwohl diese eine dreistellige Millionenhöhe erreichen können.
  • Geforderte Einsparpotenziale nicht machbar Erste Untersuchungen der Bâloise zeigen ein Einsparpotenzial von 20 Millionen Euro pro Jahr auf - und das erst ab 2012. Gefordert waren ursprünglich 40 Millionen Euro pro Jahr. So sind unter anderem massive Einschnitte in den Vertrieb geplant.
  • Marktanteilsverluste absehbar Die Einschnitte in den Vertrieb werden dazu führen, dass Teile des Vertriebs zu anderen Versicherungsgesellschaften wechseln. Um gute Vertriebsmitarbeiter herrscht auf dem deutschen Markt ein sehr intensiver Wettbewerb der Finanzdienstleister, so dass gute Angebote zahlreich vorhanden sind. Dies bedeutet, dass Marktanteile verloren gehen.

230 Arbeitsplätze will die Bâloise in Deutschland abbauen, ohne ein tragfähiges Zukunftskonzept vorgelegt zu haben.

Deshalb sind mehr als 50 MitarbeiterInnen als Aktionäre zur Generalversammlung nach Basel gereist und haben sich als rot gekleideter Deutscher Ring-Block in der Versammlung mit ihren Fragen an das Management Gehör verschafft. "Der Vorstand der Bâloise geht unnötig hohe Risiken auf dem deutschen Markt ein", sagt Helga Reichow, Betriebsratsvorsitzende beim Deutschen Ring. "Eine Kurskorrektur, die schweren Schaden für die Bâloise abwendet, ist jedoch nicht erkennbar. Im Gegenteil: Das Management wird nicht müde, vorhandene Probleme zu ignorieren oder zu verschleiern."

Zum Hintergrund: Die Sach- und Lebensversicherung des Deutschen Rings gehören der Schweizer Bâloise. Sie bilden mit dem Deutscher Ring Krankenversicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der genossenschaftlich organisiert ist und seinen Mitgliedern gehört, die Unternehmensgruppe Deutscher Ring. Diese seit mehr als 50 Jahren bestehende Unternehmensgruppe will die Bâloise zerschlagen, um ihre Deutsche Ring-Gesellschaften mit den Basler Versicherungen, Bad Homburg, zusammenzuführen. Der Deutsche Ring Krankenverein setzt sich dagegen zusammen mit der Signal Iduna Gruppe für eine Fortführung der Unternehmensgruppe Deutscher Ring ein und bietet eine Arbeitsplatzgarantie für alle Ring-Beschäftigten. Über die Zukunft der Unternehmensgruppe Deutscher Ring werden seit dem 11. November 2008, an dem die Bâloise überraschend ihre Deutschlandpläne bekannt gegeben hat, intensive Auseinandersetzungen geführt, ohne dass eine gute Lösung für die Bâloise bislang absehbar ist.