Aufräumen mit Versicherungsirrtümern

München (ots) – Das Kleingedruckte in Verträgen ist unbeliebt. Fast niemand liest Versicherungsbedingungen, Kaufverträge oder Gesetzestexte. Das ist zwar menschlich und nur allzu gut zu verstehen. Dies führt aber zu Fehleinschätzungen und Irrtümern, zudem halten sich hartnäckig einige Vorurteile über die gesetzlichen und privaten Versicherungen. Allianz Experten klären auf.

Irrtum 1: "Meine Haftpflichtversicherung muss zahlen, weil ich gar nicht schuld bin"

Herr H. ist ein gewissenhafter Mieter. Wie in seinem Mietvertrag vereinbart, räumt und streut er im Winter den Gehweg vor dem gemieteten Haus und im Herbst sorgt er dafür, dass kein glitschiges Laub auf dem Bürgersteig liegt. Und das mehrmals am Tag, von früh bis spät. Eine Passantin ist dennoch ausgerutscht und will jetzt Schadenersatz und Schmerzensgeld von Herrn H. "Na", denkt H., "war ja immer gewissenhaft und habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Dann ist das ein Fall für meine Haftpflichtversicherung."

Da hat Herr H. recht - und auch wieder nicht!

Die Haftungsfrage hat der Gesetzgeber nämlich im § 823 BGB geregelt: Wer fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

"Die Haftpflichtversicherung zahlt dann, wenn Herr H. haftet, also fahrlässig gehandelt hat. Wenn er nicht schuldhaft gehandelt hat, weil keine Fahrlässigkeit vorliegt, haftet er nicht und die Haftpflichtversicherung muss nicht zahlen", erklärt Meike Finke, leitende Justiziarin bei der Allianz Versicherung.

Zur Beruhigung: Die Haftpflichtversicherung lässt Herrn H. nicht allein - ob er nun fahrlässig gehandelt hat oder nicht. Wenn er schuld am Unglück der Passantin wäre, also den Gehweg fahrlässig nicht geräumt hätte, würde sie das Schmerzensgeld übernehmen. Wenn er nicht schuld ist - wie in diesem Fall - wehrt sie die unberechtigten Ansprüche der Passantin für ihn ab, notfalls vor Gericht.

Irrtum 2: "Wenn ich nicht mehr voll arbeiten kann, bekomme ich vom Staat 40 Prozent meines letzten Bruttoeinkommens"

Jeder dritte Deutsche geht davon aus, dass die Deutsche Rentenversicherung bei Erwerbsminderung eine Rente von 40 Prozent des Bruttoeinkommens zahlt, ergab jüngst eine forsa-Umfrage. Falsch! Es gibt zwar eine staatliche Unterstützung, aber die Jüngeren haben dabei eindeutig das Nachsehen. Wer nach 1961 geboren ist und nur noch weniger als drei Stunden arbeiten kann, erhält eine Erwerbsminderungsrente von gerade mal 29 Prozent des letzten Bruttogehalts. Geht man von einem durchschnittlichen Bruttogehalt eines Angestellten von rund 3.100 Euro im Monat aus, sind das etwa 900 Euro.

Trotzdem wollen sich nur sechs Prozent der Deutschen gegen diese große Versorgungslücke privat absichern. Gängige Vorurteile: "Das betrifft mich nicht und ist zu teuer!" Gerade Menschen in Büroberufen meinen, kein Berufsunfähigkeitsrisiko zu haben, weil ihr Job ja nicht gefährlich sei. Falsch! "Jeder fünfte Arbeitnehmer wird vor dem Rentenalter berufsunfähig", weiß Olaf Hottinger, Leiter der Risikoprüfung bei Allianz Leben. So trifft es z.B. jeden dritten IT-Spezialisten und jeden sechsten Steuerberater.

Und "teuer" ist relativ: Denn je früher man privat vorsorgt, desto günstiger ist es. Ein 25-jähriger Bürokaufmann, der sich bis zum 65. Lebensjahr absichern möchte, zahlt für eine Berufsunfähigkeitsrente von 1.000 Euro im Monat z.B. bei der Allianz einen monatlichen Beitrag von 38,50 Euro. Deshalb muss man in jungen Jahren aktiv werden!

Irrtum 3: "Die private Krankenversicherung ist nur etwas für Besserverdiener"

Entgegen diesem weit verbreiteten Vorurteil sind in der Privaten Krankenversicherung nicht nur zahlungskräftige "Besserverdienende", sprich "reiche Angestellte" oder Manager versichert. Insgesamt haben rund 55 Prozent der PKV-Versicherten ein Einkommen unter 30.000 Euro pro Jahr (2.500 Euro im Monat). Zum Vergleich: Der Durchschnittsverdienst eines vollzeitbeschäftigten Bundesbürgers beträgt in Deutschland etwa 3.100 Euro brutto.

"Unter den Privatversicherten sind viele Beamte im mittleren Dienst sowie viele kleine Handwerker und Gewerbetreibende mit durchschnittlichem Einkommen", sagt Winfried Gärtner, Leiter Zentrale Vertriebsfunktionen bei der Allianz Privaten Krankenversicherung. Nur ein Achtel der Privatversicherten sind die "besserverdienenden Angestellten", die über der Versicherungspflichtgrenze liegen und in der gesetzlichen Krankenversicherung den Höchstbeitrag von 558,75 Euro zahlen müssten.

Die Einschätzungen stehen unter den Vorbehalt bei Zukunftsaussagen. http://www.allianzdeutschland.de/presse/disclaimer-standard.html