Allianz Finanzvorstand Rainer Schwarz: "Kunden achten auf Finanzkraft und Sicherheit"

Die Allianz Deutschland AG hat am 17. August 2009 ihre Halbjahresergebnisse vorgelegt. Finanzvorstand Rainer Schwarz erläutert die wichtigsten Entwicklungen.

Herr Schwarz, der Umsatz hat im 1. Halbjahr 2009 zugenommen, aber das operative Ergebnis ging zurück. Hat die Finanzkrise nun auch die Allianz Deutschland AG im Griff?

Rainer Schwarz: Das kann man so nicht sagen. Was wir beobachten ist, dass Kunden bei der Wahl des Anbieters, dem sie ihr Geld anvertrauen, noch viel stärker auf die Themen Sicherheit und Finanzkraft achten. Davon profitieren wir als kapitalstarkes Unternehmen. Aber natürlich sind viele Kunden verunsichert. Das sehen wir auch. Fondsgebundene Produkte werden derzeit eher nicht nachgefragt. Dafür stehen die klassischen Produkte, besonders die traditionellen Rentenversicherungen, wieder hoch im Kurs. Viele legen ihr Geld vorübergehend auch erst einmal kurzfristig an.

Und das operative Ergebnis?

Rainer Schwarz: Der Hauptgrund für den hohen Rückgang des operativen Ergebnisses ist ein Sondereffekt. Wir haben im Vorjahr durch Immobilienverkäufe hohe Veräußerungsgewinne erzielt, die 2009 nicht mehr angefallen sind. 
Aber die Finanzmarktkrise geht natürlich auch nicht spurlos an uns vorbei. Als Kapitalanleger sind wir von der Entwicklung an den Börsen betroffen. Unser Kapitalanlagenergebnis fiel in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres knapp 10 Prozent niedriger aus als vor einem Jahr. Doch die Krise hat auch gezeigt, dass wir mit unserer Anlagestrategie richtig liegen. Wir reagieren zeitig auf negative Trends und steigen lieber etwas früher aus als später zu Notverkäufen gezwungen zu sein. So hatten wir bereits Mitte 2007 bei einem DAX-Stand von rund 8.000 Punkten damit begonnen, unsere Aktienquote deutlich zu verringern.

Wie investieren Sie dann? Können Sie uns Beispiele nennen?

Rainer Schwarz: Wir haben beispielsweise die deutlichen Zinsaufschläge bei Unternehmensanleihen genutzt und den Anteil dieser Anlagen kräftig erhöht. Das hat sich gelohnt. Die Märkte haben sich zwischenzeitlich etwas beruhigt und die Kurse gut entwickelt. Interessant für uns sind auch Investitionen in alternative Energien, zum Beispiel in Windkraftanlagen, die langfristig planbare Einnahmen sicherstellen.

Planen Sie, die Aktienquote wieder hochzufahren?

Rainer Schwarz: Grundsätzlich halten wir Aktien für attraktiv und werden sicherlich wieder stärker in Aktien anlegen, wenn wir die Gelegenheit für günstig halten. Dafür beobachten und analysieren wir die Märkte laufend.

Zurück zu den Geschäftszahlen. In der Kfz-Versicherung sind die Beitragseinnahmen erneut zurückgegangen. Was tun Sie, um hier wieder zu wachsen?

Rainer Schwarz: Uns geht es nicht um Wachstum zu jedem Preis, wenn wir dabei Verluste machen. Sondern für uns steht an erster Stelle, Geld zu verdienen. Daher verfolgen wir eine ertragsorientierte Zeichnungspolitik. Unser Ziel ist, nachhaltig und profitabel zu wachsen.

Deshalb richten wir ab Herbst unser Angebot im Kfz-Bereich noch klarer aus. Je nachdem, wie viel Beratung und Service der Kunde wünscht, hat er künftig drei Varianten zur Auswahl: Unsere klassischen Kfz-Produkte, die er bei seinem Vertreter abschließen kann. "Allianz auto.online service" ist unser neues Produkt für alle, die sich lieber über das Internet versichern, aber nicht ganz auf Beratung durch einen Vertreter verzichten möchten. Und natürlich das Angebot über unsere Direktversicherung.

Die Combined Ratio in der Schaden- und Unfallversicherung ist gestiegen. Was sind die Gründe dafür?

Rainer Schwarz: Diese Entwicklung geht im Wesentlichen auf eine höhere Kostenquote zurück. Neben dem Wegfall eines positiven Sondereffekts im Vorjahr, der sich aus der Absenkung der Rückversicherungsquote an die Allianz SE ergab, machen sich die Aufwendungen für den Ausbau des Vertriebs und für andere Wachstumsinitiativen in den Kosten bemerkbar. Die Schadenquote hat sich trotz geringerer Elementar- und Großschäden in der ersten Jahreshälfte nur leicht verbessert. Zum einen lag das Ergebnis aus der Abwicklung von Vorjahresschäden zwar in den normalen Bandbreiten, fiel jedoch deutlich niedriger aus als im Vorjahr. Zum anderen verzeichneten wir einen markanten Anstieg bei Leitungswasserschäden nach der langen Frostperiode. In der zweiten Jahreshälfte erwarten wir wieder eine Verbesserung der Combined Ratio, sofern keine größeren Aufwendungen für Naturkatastrophen anfallen werden.

Was bringen uns die kommenden sechs Monate?

Rainer Schwarz: Eine seriöse Prognose ist im Augenblick sehr schwierig. Das wirtschaftliche Umfeld, vor allem die Situation auf dem Arbeitsmarkt, wird angespannt, auch die Kapitalmärkte werden in den nächsten Monaten volatil bleiben. Nicht zuletzt müssen wir sehen, welche wetterbedingten Schäden in der zweiten Jahreshälfte auf uns zukommen. Im Juli beispielsweise haben wir bereits einige kleinere Unwetter gehabt.

Um so wichtiger ist es daher, dass wir alle an den Stellhebeln, die wir selbst beeinflussen können, mit äußerstem Nachdruck und Einsatz arbeiten - zum Beispiel auf der Kostenseite. Wir haben die Neuordnung des deutschen Versicherungsgeschäfts abgeschlossen und damit eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft gelegt. Unsere sicherheitsorientierte Anlagepolitik hat sich in der Krise bewährt. Wir sind ein finanzstarkes und kundenorientiertes Unternehmen. Mit der Gründung der Allianz Bank, der Kooperation der privaten Krankenversicherung mit der KKH-Allianz und unseren neuen Angeboten im Kfz-Bereich haben wir entscheidende Weichenstellungen vorgenommen.