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Ratgeber in Versicherungsfragen

Der Versicherungsbeginn

Beim Versicherungsbeginn muss zwischen dem technischen, dem formellen und dem materiellen Beginn unterschieden werden.

  • formeller Beginn
    Der formelle Versicherungsbeginn kennzeichnet den Zeitpunkt des für beide Seiten rechtlich bindenden Vertragsabschlusses. Die Vertragsannahme erfolgt durch Zustellung der Police durch den Versicherer. In der Regel bestimmt der formelle Beginn die Fälligkeit der Versicherungsprämie, sie kann jedoch auch auf einen Termin vor oder nach dem formellen Beginn gelegt werden. Gleiches gilt für die Übernahme des Versicherungsschutzes, der vor, zum oder auf ein Datum nach dem formellen Versicherungsbeginn gelegt werden kann.

  • materieller Beginn
    Der Beginn der Haftung, also die tatsächliche Übernahme des Versicherungsschutzes, wird als materieller Beginn bezeichnet. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt der Versicherer die vereinbarten Leistungen im Falle eines Schadens. Wenn der materielle Beginn nicht ausdrücklich anderes festgelegt wurde, wird er durch das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) auf den Tag des formellen Versicherungsbeginns festgesetzt.

  • technischer Beginn
    In den Antragsformularen ist ein Leerfeld für den gewünschten technischen Beginn vorgesehen. Der technische Beginn kann vor dem formellen (Vertragsannahme) und dem materiellen (Übernahme des Versicherungsschutzes) liegen. Die Beiträge sind dann ab dem technischen Beginn zu zahlen, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Antrag noch nicht angenommen war und obwohl der Versicherer für eventuelle Schäden nicht haftet. Den technischen Beginn vorzuverlegen wird meist gemacht, um andere Rechte zu erwerben. So beispielsweise in der Kfz-Versicherung. Ein Vertrag, der nach dem 1.7. geschlossen wird und in die SF 1/2 eingestuft würde, könnte im kommenden Jahr bereits eine Besserstufung in die SF 1 erfahren, wenn der technische Beginn auf den 1.7. zurückdatiert würde. Begänne der Vertrag erst am 10.07. zu laufen, könnte dieser ansonsten das erforderliche halbe schadenfreie Kalenderjahr nie erreichen. Auch in der Lebensversicherung könnte die Vorverlegung des technischen Beginns das Einstiegsalter und somit der Beitrag über die Laufzeit reduziert werden.

 

Wird der Versicherungsbeginn nicht ausdrücklich festgelegt (policiert), beginnt die Versicherung im Sinne des VVG am Tag der Vertragsannahme mittags um 12 Uhr. Abweichend davon beginnt in der Kfz- und Rechtsschutzversicherung die Haftung um 0 Uhr und endet um 12 Uhr.

Hinweis Enthalten die allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) keine zum VVG abweichenden Regelungen zum strengen Einlösungsprinzip, so beginnt die Haftung erst mit Zahlung der Erstprämie, unabhängig vom policierten Versicherungsbeginn. Dies ist beispielsweise in der Lebensversicherung der Fall. Der Versicherer muss Sie jedoch unmissverständlich darauf hingewiesen haben, dass der Versicherungsschutz erst mit Zahlung der Erstprämie beginnt. Tut er dies nicht, kann der Versicherungsnehmer, der ja keine versicherungstechnischen Spezialkenntnisse hat, davon ausgehen, dass der Versicherungsschutz mit dem technischen Beginn übereinstimmt.

Vorteile nutzen: Tipps zur Rückdatierung des technischen Beginns

Tipp Eine Rückdatierung – der technische Beginn wird vor den formellen Beginn gelegt – ist dann überlegenswert, wenn sich dadurch Vorteile für Sie ergeben. Sie zahlen dann zwar Prämien für die Vergangenheit, obwohl der Versicherungsschutz erst für die Zukunft gilt. Jedoch erreichen Sie durch eine Rückdatierung in der Lebensversicherung ein günstigeres Eintrittsalter und somit eine geringere Prämie.

In der Kfz-Versicherung könnten sich ebenfalls Vorteile ergeben. Wird der Vertrag auf den 1.1. bzw. 1.7. rückdatiert, kann zu Beginn des folgenden Jahres die Einstufung in eine günstigere Schadenfreiheitsklasse erreicht werden (Schadenfreiheit im laufenden Jahr vorausgesetzt). Denn nur wenn ein komplettes bzw. im Falle der SF 1/2 ein vollständiges halbes Kalenderjahr schadenfrei gefahren wurde, ist eine Besserstufung möglich. Die Versicherer erlauben daher, meist nur in den nachfolgenden ein bis Woche nach dem Stichtag, eine Vorverlegung des technischen Beginns. Schließen Sie beispielsweise am 5.1. einen Neuvertrag ab, der in die SF 4 eingestuft wird, ist die Höherstufung in die SF 5 im Folgejahr nur dann möglich, wenn der Beginn auf den 1.1. rückdatiert wurde. Ansonsten fahren Sie mit ihrem Vertrag im nächsten Jahr immer noch in der SF 4.