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Ratgeber in Versicherungsfragen

Die Rechte und Pflichten des Versicherers

Die Rechte und Pflichten des Versicherers sind durch den Versicherungsvertrag vorgegeben. In den allgemeinen Versicherungsbedingungen muss das versicherte Risiko dem Grunde nach erfasst und klar und verständlich beschrieben sein. Im Gegensatz zur Lebensversicherung, in der das versicherte Risiko eindeutig durch den Tod beschrieben werden kann, ist dies in anderen Sparten nicht immer möglich. Risikoausschlüsse müssen ebenso beschrieben sein. In der Schadenversicherung beispielsweise sind Risiken, die sich aus Kriegs- oder Bürgerkriegsereignissen ergeben, regelmäßig ausgeschlossen. Neben der Risikobeschreibung sind auch Art und Umfang der zugesicherten Leistung eindeutig zu beschreiben.

Der Versicherer ist verpflichtet, bei der Summenversicherung (Leben- oder Unfallversicherung) im Versicherungsfall die vereinbarte Leistung in Form einer Kapitalabfindung oder Rente zu erbringen.
In der Schadenversicherung (Wohngebäude- oder Hausratversicherung) muss der Versicherer den entstandenen Vermögensschaden nach Maßgabe des Vertrags ersetzen.

Hier sind die Begriffe Versicherungssumme und Versicherungswert wichtig:

  • Die Versicherungssumme bezeichnet in der Summenversicherung, die vom Versicherer im Versicherungsfall zu erbringende Leistung.
    In der Schadenversicherung kennzeichnet die Versicherungssumme generell die Obergrenze der Ersatzleistung.

     
  • Der Versicherungswert stellt den Wert des versicherten Interesses im Schadenfall dar. Der Wert einer Sache (Verkaufswert), ohne Berücksichtigung eines Liebhaberwertes oder eines entgangenen Gewinns, ist also zu ersetzen. Häufig wird der Neuwert anstatt des Zeitwertes bedingungsgemäß versichert, beispielsweise in der Hausratversicherung.

Eine Vollversicherung liegt dann vor, wenn Versicherungswert und Versicherungssumme gleich sind.

Eine Überversicherung liegt vor, wenn die Versicherungssumme den Versicherungswert erheblich übersteigt. Hier können sowohl Sie als Versicherungsnehmer als auch der Versicherer eine sofortige Herabsetzung der Versicherungssumme und somit auch der Prämie verlangen. Haben Sie den Vertrag absichtlich so gestaltet, um sich im Schadenfall zu bereichern, ist er nichtig. Den Beweis für die betrügerische Absicht muss der Versicherer führen.

Eine Unterversicherung liegt vor, wenn die Versicherungssumme unter dem Versicherungswert liegt. Der Versicherer muss in diesem Fall bei Totalverlust der versicherten Sachen nur die Versicherungssumme ersetzen. Bei teilweisem Verlust muss der Schaden nur im Verhältnis der Versicherungssumme zum Versicherungswert ersetzt werden.

Hinweis Bei der Entschädigungsberechnung ist auch die gewählte Selbstbeteiligung zu berücksichtigen. Diese kann entweder prozentual oder aber durch einen festen Betrag festgelegt sein. Zu beachten ist auch, ob die Selbstbeteiligung für jeden Schadenfall gilt oder für die Summe aller Schäden eines Jahres.

Nach Eintritt eines Schadens müssen Sie den Schaden anzeigen und alle erforderlichen Unterlagen beibringen, damit Art und Umfang des Schadens sachgerecht ermittelt werden können. Sie können sich mit Ihrem Versicherer einigen oder die Schätzung des Schadenumfangs einem Sachverständigen überlassen. Innerhalb zwei Wochen nach Feststellung der Ursachen und der Schadenhöhe hat der Versicherer dann die Geldleistung zu erbringen. Ist die Feststellung nach Ablauf eines Monats nach Anzeige des Schadens nicht beendet, können Sie Abschlagszahlungen verlangen. Zahlt der Versicherer nicht, beginnt mit Fälligkeit der Leistung die Zinspflicht, die vertraglich nicht ausgeschlossen werden kann. Notwendig hierzu ist, dass der Versicherer die Nichtleistung zu vertreten hat und Sie den Versicherer gemahnt haben.

Bei der Schadenregulierung ist es unzulässig, wenn der Versicherer von Ihnen eidesstattliche Erklärungen verlangt oder durch Unterzeichnung einer Entschädigungsquittung mit dem Vermerk "Die Versicherung bleibt in Kraft", erklären lässt, dass Sie auf Ihr Kündigungsrecht verzichten.

Die Ansprüche auf Entschädigung bzw. Auszahlung der Versicherungssumme verjähren in zwei Jahren, bei der Lebensversicherung in fünf Jahren. Die gesetzliche Verjährung beginnt mit dem Schluss des Jahres, in welchem die Leistung verlangt werden kann. Aber auch für Ansprüche des Versicherers auf Folgeprämie usw. gelten diese Verjährungsfristen. Einige Allgemeine Versicherungsbedingungen enthalten jedoch kürzere Fristen, sodass rückständige Folgeprämien nur innerhalb eines Jahres bzw. 6 Monaten, wie in der Haftpflichtversicherung, geltend gemacht werden können.

Weiterführende Informationen: