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Ärger mit einem Versicherungsunternehmen? - Wo Sie sich beschweren können!

Die gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Versicherer dauert oft lange und kann viel Geld kosten. Im Folgenden möchten wir erläutern, welche Möglichkeiten auf außergerichtlichem Wege bestehen, Streitigkeiten kostengünstig zu lösen. Anwaltliche Hilfe sollten Sie jedoch immer dann suchen, wenn eine Verjährung der Ansprüche droht.

Beschwerden beim Unternehmen

Ihr erster Schritte sollte immer die Beschwerde beim Versicherer selbst sein. Insbesondere auf Telefonate mit einem Mitarbeiter des Unternehmens sollten Sie sich nicht verlassen, da es hier oft zu Missverständnissen kommen kann. Zudem muss die Meinung des Sachbearbeiters nicht unbedingt die Meinung der Geschäftsleitung sein.
Schreiben Sie daher zunächst an die Geschäftsleitung des Versicherers und beschreiben möglichst genau den Sachverhalt. Bitten Sie im Falle einer Ablehnung Ihrer Wünsche um eine detaillierte Begründung. In der Regel bietet Ihnen die Gesellschaft eine Lösung an. Anhand der Begründung können Sie prüfen, ob es sich lohnt weitere Schritte einzuleiten, falls die eventuell angebotene Lösung für Sie nicht akzeptabel ist. Die schriftliche Ablehnung des Versicherers ist zudem wichtig, da die weiteren Schlichtungsstellen in der Regel erst dann für Sie tätig werden, wenn Sie sich zuvor direkt an das Unternehmen gewandt haben.


Beschwerden bei der BaFin

Die BaFin bearbeitet jährlich ca. 20.000 Beschwerden gegen Versicherungen. Für die Aufsichtstätigkeit der BaFin sind Beschwerden eine wichtige Erkenntnisquelle. So kann sie beispielsweise feststellen, ob ein Versicherungsunternehmen sich rechtlich korrekt gegenüber seinen Kunden verhält und ob eventuelle aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen die Gesellschaft zu ergreifen sind.

Reichen Sie eine Beschwerde bei der BaFin ein, sollte Ihr Schreiben folgende Angaben unbedingt enthalten:

  • Ihren Namen und Ihre Anschrift
  • den Namen und die Anschrift des Versicherers, gegen den Sie Beschwerde führen möchten
  • die Art der Versicherung (z.B. Unfallversicherung), die Versicherungsschein- oder Policennummer und eventuell die Schadennummer
  • Kopien des Schriftwechsels mit dem Versicherer, Vertragsunterlagen, wie den Versicherungsschein (Police) und die für den Vertrag geltenden Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB)
  • Ihre Unterschrift
  • sollten Sie im Namen einer anderen Person handeln, ist eine Vollmacht unbedingt erforderlich

Die BaFin prüft Beschwerden in der Regel nach folgendem Verfahren.

  • Zunächst wird geprüft, ob die von Ihnen eingereichten Unterlagen bereits zur abschließenden Beurteilung genügen.
  • Im Zweifel fordert die BaFin vom betroffenen Unternehmen eine Stellungnahme an, in dem die Gründe für die Entscheidung ausführlich dargelegt werden sollen.
  • Sind die Gründe aufsichtsrechtlich nicht zu beanstanden, erhalten Sie als Beschwerdeführer Mitteilung.
  • Ist ein aufsichtsrechtliches Einschreiten notwendig, setzt sich die BaFin weiter mit dem Unternehmen auseinander.

Der BaFin sind rechtliche Grenzen bei der Beschwerdebearbeitung gesetzt. So kann die BaFin einzelne Streitfälle nicht verbindlich entscheiden. Dies ist ausschließlich Sache der Gerichte, die ein Unternehmen durch Urteil beispielsweise zu einer Zahlung verpflichten können. Auch eine allgemeine Rechtsberatung kann die BaFin nicht leisten. Hierzu müssten Sie sich entweder an einen Rechtsanwalt wenden oder eine Verbraucherschutzorganisation um Hilfestellung bitten. Zudem kann die BaFin Beschwerden nur gegen Versicherungsunternehmen prüfen, die unter ihrer Aufsicht stehen. Beschwerden gegen die gesetzliche Kranken, - Renten- oder Unfallverscherung kann die BaFin ebenso wenig annehmen, wie Beschwerden gegen einige öffentliche Versicherer oder kleinere Versicherungsvereine a.G., die unter Aufsicht einer Landesbehörde stehen. Die BaFin bietet eine Telefon-Hotline unter der Nummer 0228 / 4108 - 7777, an die Sie sich mit Fragen zum Beschwerdeverfahren wenden können. Über diese Hotline können Sie auch ein Formular für Beschwerden gegen Versicherungen anfordern.

Die Anschrift lautet:

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Bereich Versicherungswesen
Graurheindorfer Str. 108
53117 Bonn
Tel 0228 / 4108 - 0
Tel 0228 / 4108 - 7777 Hotline
Fax 0228 / 4108 - 1550
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Beschwerden beim Ombudsmann

Die meisten deutschen Versicherer haben sich privaten Streitschlichtern unterworfen, die bei den Interessenverbänden der Unternehmen angesiedelt sind. So hat der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) einen Ombudsmann zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den privaten Krankenversicherungsunternehmen und seinen Kunden eingerichtet. Ebenso existiert für die anderen Versicherungssparten der Verein Versicherungsombudsmann e.V., dem zurzeit 264 Versicherungsunternehmen sowie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) angehören. Ombudsleute für die Kreditversicherung und die Rückversicherung gibt es nicht.

Die Verfahren für Sie als Antragsteller sind kostenlos, Sie müssen lediglich die Ihnen entstehenden Kosten, wie Porto, Telefonate, Kopien, etc. tragen. Sind Sie mit der Entscheidung bzw. Empfehlung des Ombudsmannes nicht einverstanden, können Sie diese ablehnen. Ihnen bleibt weiterhin der zu einem Rechtsanwalt offen.

Ombudsmann der privaten Krankenversicherung

Der Ombudsmann für private Krankenversicherungen wird vom Vorstand des Verbands der privaten Krankenversicherung e.V. auf Vorschlag der Verbandsgeschäftsführung berufen. Er darf nicht in der Krankenversicherungs- oder Versicherungsvermittlungsbranche tätig sein. Ebenso darf er nicht in einem Beruf arbeiten, der die Erbringung von Leistungen im Gesundheitswesen zum Gegenstand hat. Er kann nur dann tätig werden, wenn der Krankenversicherer Mitglied im PKV-Verband ist und hat dann die Aufgabe, zwischen PKV-Unternehmen, Leistungserbringern im Gesundheitswesen und dem Versicherten zu vermitteln und möglichst eine Versöhnung der Parteien herbeizuführen. Der Ombudsmann nimmt keine Fälle an, die bereits Gegenstand eines Verfahrens bei der BaFin oder einem Gericht waren bzw. sind. Während des Beschwerdeverfahrens können Sie sich jederzeit von einem Rechtsanwalt vertreten lassen.

Der Ombudsmann ist in seiner Amtsführung unabhängig und nicht an Weisungen gebunden. Grundlage seiner Beurteilung bilden die Gesetzestexte, das Versicherungsvertragsgesetz sowie die dazu ergangene Rechtssprechung und er soll die Auslegungshinweise des PKV-Verbandes berücksichtigen. Nachdem eine gütliche Einigung zwischen den Parteien nicht zustande kommt, entscheidet der Ombudsmann in einer nicht bindenden Empfehlung.

Auf der Internetseite des PKV-Ombudsmannes kann ein Beschwerdeformular abgerufen werden. Zudem haben Sie die Möglichkeit Ihre Beschwerde in ein Online-Formular einzutragen.

Seit dem 1. November 2007 hat Dr. Helmut Müller das Amt des Ombudsmannes Private Kranken- und Pflegeversicherung inne. Dr. Helmut Müller leitete unter anderem die Abteilungen „Krankenversicherung” und „Schaden-/Unfallversicherung” der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Von Januar 1998 bis zu seiner Pensionierung im Juni 2002 war Dr. Helmut Müller Präsident der BaFin.

Die Anschrift lautet:

Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung
Online-Beschwerdeformular
Postfach 06 02 22
10052 Berlin
Tel 01802 / 55 04 44 (6ct pro Anruf aus dem dt. Festnetz)
Fax 030 / 20 45 89 31
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ombudsmann für Versicherungen

Dem Versicherungsombudsmann e.V. gehören zurzeit 264 Versicherungsunternehmen mit einem Marktanteil von ca. 95 Prozent an sowie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Die Mitglieder haben die Regeln des Ombudsmannverfahrens akzeptiert und sich verpflichtet, bei Abschluss eines Versicherungsvertrags auf die Möglichkeit des Verfahrens hinzuweisen. Der Beirat besteht aus 8 Vertretern der Mitgliedsunternehmen, 8 Vertretern von Verbraucherschutzorganisationen (Verbraucherzentrale Bundesverband, Stiftung Warentest, ADAC und Bund der Versicherten), zwei Vertretern der Versicherungsaufsicht, drei Wissenschaftler und sechs Vertreter der Bundestagsfraktionen.

Der Ombudsmann, als Repräsentant der Institution, ist unabhängig und in seinen Entscheidungen keinen Weisungen unterworfen. Er darf in den letzten drei Jahren vor Amtsantritt nicht hauptberuflich für ein Versicherungsunternehmen, eine Interessenvertretung der Branche oder als Vermittler/Makler tätig gewesen sein.

Das Verfahren ist für den Beschwerdeführer kostenlos und wird von den Mitgliedern durch eine vom Umsatz des Unternehmens abhängigen Umlage finanziert.

Hinweis Voraussetzung für die Eröffnung eines Verfahrens ist, dass Sie zuvor bei Ihrem Versicherer den Anspruch erfolglos geltend gemacht haben.

Mit Ihrer Beschwerde können Sie sich dann schriftlich, telefonisch oder per Email an den Ombudsmann wenden. Auf der Internetseite des Ombudsmannes kann Sie ein Beschwerdeformular abgerufen werden, dass Sie ausfüllen und einsenden können.
Entscheidungen bis zu einem Streitwert von 5.000 Euro sind für die Unternehmen verbindlich, bis zu 50.000 Euro spricht der Ombudsmann Empfehlungen aus, die in aller Regel umgesetzt werden.

Ombudsmann ist seit dem 1. April 2008 Professor Günter Hirsch, der das Amt von Prof. Wolfgang Römer übernommen hat. Prof. Hirsch war Richter am Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften, bevor er im Juli 2000 Präsident des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe wurde. Beim BGH war er zudem Vorsitzender des Kartellsenats und des Senats für Anwaltssachen. Im Januar 2008 beendete Hirsch seine Tätigkeiten beim BGH und nahm im April 2008 seine Tätigkeit als Ombudsmann für Versicherungen auf.
Die aktuelle Anschrift lautet:

Versicherungsombudsmann e.V.
Erreichbarkeit/Kosten
Postfach 08 06 32
10006 Berlin
Tel 01804 / 224424
Fax 01804 / 224425
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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